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Zur Geschichte und Litteratur : aus den Schäzen der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel / von Gotthold Ephraim Lessing
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schützen. Aber glauben mußt du doch etwas, wasdenn auch sey. Eine reine vernünftige Religion zu ha»ben und zu üben, ist wenigstens in der Christenheit nir-gcnd erlaubt. Gehe nur! Wohin? Zu den Juden,Türken und Heiden? Aber ich habe auch deren Glaubennicht; sie werden mich eben so glaubig hassen, verdam-mcn, verfolgen und noch dazu meynen, sie thun Gotteinen Dienst daran. Wir haben ein klares Beyspiel da-von an den: berüchtigten Uricl Acosta, den ich zwar ü-brigcns nicht vertheidigen will, aber der jedoch eine ver-nünftige Religion, ohne Glauben an die jüdische oderchristliche, bekannte. (") Er war von Gcburt unv Er-ziehung ein Jude gewesen, uud da er wegen der jüdi-schen Thorheiten von ihnen abgetrcten, dennoch auch keinChrist geworden. Nun hatte er-also nirgend Schutz :er ward von seinen vorigen Glaubensgenossen au5s äus-serste verfolgt, als ein Mensch, der gar keine Religionhatte, weil er weder ein Jude, noch ein Christ, nochMahomcdaner wäre. Als er sich endlich aus langemUcberdrusse der erlittenen Drangsale wieder zu der Sy-nagoge wandte, ward er auf eine schandliche Weise in Herjüdischen Versammlung nackend -gegeißelt und mit Füs-sen getreten. Da hält er denn den pharisäischen Zu-den nicht unbillig vor: ob sie dann nicht wüßten, daßnach ihren eignen Lehrsätzen, ausserdem, eine wahre undseligmachende Religion sey, welche dem Menschen alsMenschen angeboren worden, und welche die gesundeVernunft und das Gesetz der Natur lehre; die sie selbst

dem

(") S. sein Lxemplar vitas Kum-mae, bey dem /,?',/,5o."in colliitione cum eruäito lu^seo, p. z6i.