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Zur Geschichte und Litteratur : aus den Schäzen der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel / von Gotthold Ephraim Lessing
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Der weift Bischof der befahlDem Jungen der Seelen ohne ZahlUnd wollt ihm befehlen nicht70. Die Birnen! daß noch oft geschieht/Daß der Seelen hüten soll',Dem man über ein Birn nit getrauet wohl!

Ich sage, daß in diesem zusammengesetzten Textenicht ein einziges Wort entHallen, welches nicht in einemvon den alten Texten zu finden. Es ist also alles altdar-inn; und nur durch eine kleine Wahl, durch eine noth-dürstige Znterpunction, durch Beybehaltung der gewöhn-lichen Orthographie, wo weder der Reim, noch das Syl-benmaaß, noch der Wohlklang die alte unbestimmte Or-thographie erfvdert, ist alleS wie neu geworden. Wenig-stens, durchgängig verständlich; und es würde bloßerEctel seyn, wenn man dem ungeachtet den alten treuherzi-gen Erzähler nicht anhören wollte, falls ihm etwa jemandvon Anfang bis zu Ende diesen Dienst zu leisten, bedachtwäre, zu welchen? sich ohne Awcifel nur in unserer Biblio-thek der nöthige Vorrath finden dürfte. Freylich willund kann ich nicht behaupten, daß eine solche Behandlungverschiedner Handschriften mit der strengen Wahrheit ü-bereinkomme; weil Zeiten und Mundarten dadurch ver-bunden werden, die vielleicht sehr weit verschieden sind»Auch wollte ich sie zu Dingen nicht anmthen, bey welchenes auf historische Gewißheit ankömmt, weil durch der-gleichen Vermischung das ganze Monument verdächtigwerden könnte. Nur bey alten Dichtern, meine ich,könnte sie gar wohl gebraucht werden, die man bloß zumVergnügen ließt, ohne eben daraus auch nur die Geschichteder Sprache studieren zn wollen. Doch dieses bringt

B .2. mich