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MS 311 - Brentano I : [Allgemeine Volkswirtschaftslehre] ; [Vorlesungsskript WS 1910/11]
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der Arbeit auch eine solche verbunden! wir dürfen uns hierdurch nichtirre leiten lassen,was * ökonomisch" als Arbeit zu betrachten ist.

Mit diesem Begriff ist die physische Anstrenung nicht unbedingt ver-bunden. Viel Arbeit ist ein Genuss ( Vergleich zwischen Bergführerund Touristen). Das entscheidende Merkmal ist der Zweck.

Andere wollen in den Begriff * Arbeit" aufgenommen wissen, dassnur die sittliche Betätigung des Menschen zu Erwerbszwecken als Ar-beit zu betrachten sei: aber auch der Einbrecher ist ein Arbeiterln Rücksicht auf seine eigene Wirtschaft.

Die Bedeutung der Arbeit für die Volkswirtschaft hängt vonzweierlei ab:

1) von der Grösse der Fähigkeiten,die einem Volke zur Verfügung stehen;

2) von der Arbeitslust,diese Fähigkeiten zu Erwerbszwecken zu verwenden.

Von den Bedingungen der Arbeitskraft einer Nation. $ 7

Die GrBss e der Arbeitskraft einer Nation wird bedingt:

1) durc h die GyBsse^seiner Bevölkerung,denn sie ist nicht nur mass-gebend für die GrBsse der Bedürfnisse,die es zu befriedigen gilt,sondern auch für die Menge der Kräfte,die zu ihrer Befriedigung ver-fügbar sind. Die Bevölkerungsdichtigkeit ist also von eminenter Be-deutung. Sie wird bedingt:

a) durch den Geburtenüberschuss,

b) durch den Wanderreingewinn bezw. Verlust,

c) was für beides maasgebend lat: durch die natürliche Frucht-barkeit des Bodens,

d) durch die Berufsgliederung der Bevölkerung: in einem in-dustriellen Lande kann dichtere Bevölkerung sein als ln einemreinen Agrarland.