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MS 311 - Brentano I : [Allgemeine Volkswirtschaftslehre] ; [Vorlesungsskript WS 1910/11]
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12 Prohnpferden). Daher die grossen Vorteile,die die Beschaffung vonTagelöhnern an Stelle von Frohndienem den Grundherrn brachte.

Nämlich mit der Ersetzung der unfreien Arbeiter durch das Zeit-lohnsystem mit freien Arbeitern tritt das! psychologische Intresae anStelle des früheren physischen Zwanget Di$ Sorge entlassen zu werden,keine Beschäftigung mehr zu finden,dann brotlos zu sein. Somit derZeitlohn ein grosserer Sporn zur Arbeit als jedes Züchtigungsrecht desHerrn. Diese Wirkung auf den Arbeitseifer nur da, wo kein Arbeiterman-gpl herrscht. Da wo Arbeitermangel herrscht, besteht diese Sorge nicht;da nimmt man nach Beseitigung der Frohndienste Zuflucht zu einem System,das an das alte erinnert,zu dem sog. Justen-Verhältnls. Der Jnstewird für ein Jahr gedungen und erhält als Lohn ein Grundstück,das erfür eigene Rechnung bewirtschaftet und noch^diverse Naturalemolumente;also auch hier die Entlohung in einem Grundstück, auch hier hat er ge-wiseermassen seinen Lohn im Voraus und dementsprechend ist er eia fau-ler Arbeiter und deshalb gilt er als der teuerste. De r Zeitlohn, deran Stelle der alten unfreien Arbeitsverhältnisse getreten ist, be-steht darin, dass der Arbeiter seinem Arbeitgeber seine Arbeit ver-kauft,die er innerhalb eines bestimmten Zeitabschnittes ohne Rücksichtauf das erzielte Quantum leistet. Dieses System ist im Gewerbe als,dasich dieses früh von der Unfreiheit emanzipirt hatte. In der Landwirt-schaft findet es sich schon im 15. noch mehr im 14. saec. Allein zurZelt der Frohndienste bildet dieses Lohnsystem noch überall eine Aus-nahme. Es tritt nur da ein, wo die Bauern ihren Verpflichtungen zurLeistung von Frohndionsten enthoben wurden.

Im 18. saec. kam in England aber auch schon in Deutschland einneues Lohnsystem auf,das geeignet ist,die Arbeiter zu grosserem Ar-beitseifer anzuspornen durch das eigene Interesse des Arbeiters ander Arbeit: Das Stücklohn- oder das Akkord system. Die Arbeit, die der