Autograph 
MS 311 - Brentano I : [Allgemeine Volkswirtschaftslehre] ; [Vorlesungsskript WS 1910/11]
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Arbeiter verrichten soll, wird zerlegt in gleichartige sich wieder-holende Verrichtungen. Für jede Vornahme dieser Verrichtung wird einPreis festgesetzt und so oft der Arbeiter diese Verrichtung vornimmt,eo oft erhält er diesen Preis; sein Lohn bemisst sich also nach derZahl der so tarifirten Verrichtungen,die der Arbeiter vorgenommen hat.Daher auf seiner Seite das grössere psych. Interesse viel zu leisten.

In vielen deutschen Gewerben wurde dieses Lohnsystem staatlichverboten. Die Löhne waren behördlich geregelt und kein Meister durf-te mehr als das gesetzlich festgelegte geben. Sonst würden ihm dieArbeiter Zuströmen, deren dann seine Konkurrenten entbehrt hätten.

Wenn aber der Arbeiter mit Stücklohn beschäftigt wurde, verdiente ermehr Lohn als der von der Behörde festgesetzte war. Om dieselbe Zeitfing der Stücklohn an in England allgemein,und die damaligen Schrift-steller sehen darin die Ursache von Englands Ueberlegenheit gegenüberanderen Ländern.

Durch den Stücklohn^ wird die Arbeitsmenge gesteigert. So grossaber auch seine Wirkungen auf die Erhöhung der geleisteten Arbelts-menge ist, ist er1) nicht überall anwendbar und

B) seine Anwendung von grossen Missständen begleitet.

ad 1) nicht anwendbar,teils aus technischen,teils aus wirt-schaftlichen Oründen: die Voraussetzung seiner Anwendbarkeit ist, dasssich die Arbeit in eine Anzahl gleichartiger,sich wiederholender Ver-richtungen zerlegen lässt; wo das nicht der Fall ist, kann auch derStücklohn nicht angewendet werden, d.h. überall wo individuelle Lei-stungen verlangt werden. AAch in der Landwirtschaft weniger anwend-bar als ln der Jndustrie. Die Landwirtschaft ist eine Saisonarbeit,die bedingt, dass eine Anzahl von Arbeitern,die beschäftigt werdenmüssen, nicht nach Stücklohn bezahlt werden können.