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MS 311 - Brentano I : [Allgemeine Volkswirtschaftslehre] ; [Vorlesungsskript WS 1910/11]
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und dies Ist die Staatskraft. Der Staat ist der Geist des staatlichenKörpers.

Es ergibt sich aus dieser Auffassung die Produktivität derStaatskraft. Der Gesetzgeber und der Gesetzvollzieher ist nicht weni-ger produktiv, als der Land- und Oewerbsmann und deshalb püsse man denStaatsbeamten als mittelbaren Produzenten anerkennen.

Diese Theorie hat ihre Auferstehung gefeiert, als in den 70erJahren Adolph Wagner konservativer Staatssozialist wurde.

2) Der zweite Widerspruch kam von den Sozialisten ict Interesse derArbeiter; sie wiesen darauf hin, dass die Abweisung der Einmischungdes Staates unter gleichzeitiger Annahme des Eigentums als einer na-turrechtlichen nicht erst auf der Gesetzgebung beruhenden Kategorienichts anderes bedeute, als eine Auslieferung derjenigen, die kein Ei-gentum hätten, an die Eigentumsbesitzer. Das Eigentum sei aber eben-so erst auf Grund der Einmischung des Staates in das Wirtschaftslebenentstanden, wie auch heute noch eine staatliche Einmischung unent-behrlich sei.

Da kam die historisch- realistische Schule. Sie kann sich mitdem Gedanken,da8s der Staat ein selbständiger Produktionsfaktor sei,dem eine selbständige Produktivität zukommt, nicht befreunden. Denndie Produktivität beruht ja weder auf den sog. 3 Produktionsfaktoren,Natur, Kapital, Arbeit,noch auf dem Staat, sondern einzig und alleinauf dem menschlichen Geist, dessen Erkennen und Wollen aus den vor-handenen Produktionselementen neue Brauchbarkeiten herstellt.Abge-sehen davon ist neben dem Staat ausser Natur,Kapital und Arbeit auchnoch der gesamte jeweilige Kulturzustand ein Produktionselement,dessensich der Mensch da bedient, wo er neue Produkte herzuatellen bemühtist. Die Zahl der Produktionaelemente ist also noch nicht erschöpft,