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Das materielle ist das stärkere! es lässt das ideale nur so weitzur Geltung kommen, als es die jeweiligen Verhältnisse gestatten odervielmehr notwendig machen. Der ganze Verlauf der Geschichte zeigt dieSchwäche des idealen Prinzips.
Schon das Altertum hatte erkannt, dass die Sklaverei etwasWidernatürliches sei, da von Natur Sklave und Herr gleich sind. Weilwidernatürlich beruhe das Herrentum auf Gewalt und sei somit wider-rechtlich .Das war die Lehre der Philosophen,die Aristoteles,der dieSklaverei zu rechtfertigen Züchte, bekämpfte^.
Auch die Institutionen und Pandekten erklären, dass die Sklavereietwas Widernatürliches sei.
Dagegen haben sich Christus und die Apostel nicht direkt ge-gen die Sklaverei ausgesprochen und die Behauptung ist nicht richtig,dass die Kirche immer so gehandelt habe, als ob eie zur Aufhebung derSklaverei geüchaffen sei. Immer erst wenn die jeweiligen Verhältnissees notwendig machten,erfüllte die Kirche diese sog. Bestimmung.
Von der ersten Christengemeinde behauptete der hl. Chrysostomos,dass es dort keine Sklaverei gegeben habe, und es besteht kein Zweifel,dass nach der Lehre der Kirchenväter Eigentum am Menschen naturwidriggewesen sei. Chrysostomos erblickt im Sündenfall den Grund der Exi-stenz der Sklaverei. Die Christen wurden aber durch die Taufe vonder Erbsünde frei! daher in der ersten Christengemeinde weder Eigen-tum noch Sklaverei.
Die Geschichte des hl. Callistus zeigt, dass es im 2.aaec.p.Chr. noch angängig war, dass ein Christ einen anderem zum Sklavenhabe. Also auch hier die Sklaverei bei den Christen.
Noch weniger ändert das Christentum an der Sklaverei, als esStaatsreligion wurde; nur für die Lage der Christensklaven trat eineBesserung ein,indem die Kirche ihren Ehen Segen spendet und ihnen ein