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Das ist alao die erste sog. Arbeitstheorie,die das Eigentum erklärtals Ausfluss der Arbeit,d.h. der Persönlichkeit des Menschen, aller-dings mit dem Zusatz " soweit genug und von derselben Güte von etwasvorhanden ist für den Gemeinbesitz Anderer".
Diese Auffassung beherrscht das ganze 18.saec. Wir finden sieauch bei den Physiokraten; sie betrachten das Eigentum als berechtig-tes Ergebnis der Arbeit. So Mendelaohn, Ad. Thiers u.a.
Sozialisten und Kommunisten hatten es nicht schwer, dieseRechtfertigungsversuche zurückzuweisen: nicht aus der Arbeit des da-maligen Eigentümers,nicht aus der seines Rechtsvorgängers,sondern ausaugeeigneter fremder Arbeit sei das Eigentum hervorgegangen.Schonder hl. Hieronimus sagt: omnea divitiae ab iniquitate descendunt,dives aive iniquus, sive iuiqui heres. Das Eigentum entsteht fernerdurch WerterhBhung.
Die Sozialisten und Kommunisten widerlegten also die Ansicht derPhysiokraten,akzeptirten sie aber als Ziel der Zukunft.
Andere suchten eine naturrechtliche Basis für das Eigentum,indem sie es als die natürliche Erweiterung der Persönlichkeit desMenschen hinstellten. So Hans Hegel und dessen Schule. Aber die Nicht-eigentümer wurden hiedurch nicht beruhigt. Sie sagen: auch wir brau-chen die äusseren Dinge zur Ausbildung unserer Persönlichkeit.
Ein weiterer Rechtfertigungsversuch ging aus von dem Rechts-philosophen Stahl,der mit dem Kant'schen nahe verwandt ist, von demer sich durch eine mehr aristokratische Färbung unterscheidet. Ersagt: Eigentum ist der Stoff für die Offenbarung der Individualitätdes Menschen,aber nicht nur dies, sondern auch Stoff für die Er-füllung der sittlichen Pflichten des Menschen, besonders seinerPflichten gegen sich und seine Familie. Eigentum also nicht nur Mitte!zur Selbstzucht, sondern auch zur Berufserfüllung.