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MS 311 - Brentano I : [Allgemeine Volkswirtschaftslehre] ; [Vorlesungsskript WS 1910/11]
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und da das gerodete Land Sondereigentum wird, führen sie zu wachsenderUngleichheit des Besitzes. Es entstehen reiche und arme Leute. Aberimmer gibt es noch kein Oeld ausser Vieh,das als Umsatznittel gebrauchtwird. Der Tausch ist als Regel Naturaltausch.

Die öffentliche Verwaltung wird natürlich auch durch die be-stehende Wirtschaft bestimmt. Was diese braucht, wird unmittelbar innatura erhoben.

Zur Zeit Karls des Grossen trat nun eine Steigerung in den Be-dürfnissen der Öffentlichen Verwaltung. Er erstreckte die Grenzen sei-nes Reiches von Spanien bis Ungarn,von dar Nordsee bis zum Mittellän-dischen Meer. Fortwährende Kriegszüge finden in diesem grossen Gebietestatt. Der kleine Mann kann sich bei den hierdurch steigenden Anfor-derungen nicht mehr halten* er verzichtet auf seine Freiheit. Er be-gibt sich und sein Gut in den Schutz eines Reichen, der die Öffentli-chen Pflichten für ihn übernimmt. Der kleine Mann wird hierdurch derMann der urossen,es entsteht die ^Feuda lität. Die ganze volkswirtschaft-liche Organisation beruht jetzt auf Herrschaft und Abhängigkeit,ver-bunden durch die gegenseitige Treue zwischen Herrn und Mann.

Die Aufläsung dieser Wirtschaftsorganisation geht abermals vomMarkt " und zwar vom Entstehen der Städte,von dem in diesen entstehen-den Markt. Es entsteht die Stadtwirtschaft. Was ist die Stadt bei ih-rer Entstehung? Sie ist nichts anderes als eingez&untes Land. Sie be-steht aus einer Anzahl von Höfen, die nebeneinander liegen und diedurch einen Graben oder Mauern vom offenen Laad getrennt sind. Unterden Höfen ist winer.der zeichnet sich vor allem aus, das ist der Frohn-hof des Stadtherrn. Die anderen Höfe sind die kleiner Freier, dieLandwirtschaft treiben. Ebenso ist der Frohnh&f nichts anderes als derauf den Land, nur lat er meist grösser. Er umfasst eine grosse Anzahlabhängiger Personen.