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MS 311 - Brentano I : [Allgemeine Volkswirtschaftslehre] ; [Vorlesungsskript WS 1910/11]
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Diese städtische Geldwirtschaft,die entstanden ist unter dem Einflussder oben geschilderten AbsatzverhKltniase, fängt nun an, für dieöffentliche Verwaltung massgebend zu werden. Bis jetzt wurden alleLeistungen in natura erhöben; das war sehr mangelhaft. Da kommt nundie Geldwirtschaft auf. An die Stelle der feudalen mit Grundbesitzgelohnten Beamten treten technisch geschulte,in Geld gelohnte Beam-te in Zivil wie in Militär.

Es kam aber darauf an, dass man Geld hat und dieses Bedürf-nis führt in den monarchischen Staaten zur Fürsorge für die Volks-wirtschaft. Jetzt werden die den fremden Kaufleuten eingeräumtenPrivilegien widerrufen,um das heimische Gewerbe grosszuziehen.

In dieselbe Zeit fällt auch die Entdeckung von Amerika. Um neueUmsatzgebiete zu erreichen, strebt man nach Kolonien. Nunmehr findetdie Arbeitsteilung ihre Durchführung Innerhalb des einheitlichenWirtschaftsgebietes der Staaten. Sie unterwirft sich auch das Land,wo auch die Geldwirtschaft Eingang findet. Auch lockert sich diealte Feudalverfassung,die gutaherrlich bäuerlichen Verhältnisse be-ginnen zu schwinden. Die Dienstmiete tritt ein. Es erfolgt die Eman-zipation und von Eigentum und Person auf dem platten Land. Um einenjeden zu grösstmüglicher Leistung anzusgtannen ,sucht man sein Selbst-Interesse zu wecken; dieses wird massgebend,geregelt durch weitgehen-de Fürsorge des Staates.

Und nun abermals eine Veränderung im Markt; An^die Stelleder nationalen Märkte tritt mehr und mehr ein Weltmarkt. Die Regelungdes Wirtschaftlebens ist jetzt nicht länger haltbar. Nur der, derbesser und billiger produzirt als der andere,kann bestehen. DaherStreben nach Aenderung der Technik; die gestattet besser und zugleichbilliger herzustellen. Die Folge ist die völlige Emanzipation von