Oekonomische Politik( Brentano)
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XIII. Im Jahre 1893 betrag in Baden nach der Denkschrift „Die Belastung der landwirtschaftlichenBevölkerung durch die Einkommensteuer und die Verschuldung der Landwirtschaft im GrossherzogtumBaden“, Karlsruhe 1896, S. 36 die Real- und Personalkreditverschuldung der landwirtschaftteilendenBevölkerung nach geographischen Bezirken:
Zahl aller
Verschuldung in °/o desgeschätzten V ennögens-werts
Auf 100 M. fatiertesEinkommen entfallen
Bezirk
landwirtschaft-lichen Betriebe
der rem-landwirt-schaft-lichen Be-völkerung
der ge-mischtenBetriebe
Schuldzinsenim Durchschnittaller Betriebe
Pfinz- und Kraichgau
25 554
12,3
20,9
6,3
Mittlere Rheinebene
32 626
12,4
22,7
6,7
Bauland
18 628
13,2
22,1
6,4
Untere Rheinebene
25 156
14,5
25,4
7,3
Obere Rheinebene
18 013
16,0
27,2
9,3
Kaiserstuhlgebiet
3 905
16,3
21,7
8,5
Odenwald
8 867
17,1
30,8
9,2
Mittlerer und nördlicher
Schwarzwald 21049
19,5
36,2
10,7
Südlicher Schwarzwald .
15 770
25,8
37,7
11,2
Donaugegend
10 692
31,2
32,8
11,4
Seegegend
14 214
32,9
40,3
13,9
Hierzu wird bemerkt: Bemerkenswert ist, dass die in der vorstehenden Tabelle mit den höchstenVerschuldungsziffern auftretenden vier letzten geographischen Bezirke mit 61 725 landwirtschaftlichenBetrieben aller Kategorien (unter 194 474 Betrieben überhaupt) mit den Gegenden zusammenfallen, indenen an vielen Orten die Erbfolge in der Form der Uebernahme des landwirtschaftlichenAnwesens durch ein Kind — unter Abfindung der Geschwister — erfolgt.
XIV. In Bayern stellte sich 1894 das Prozentverhältnis der Immobiliarschulden zum Immobiliar-werte (Untersuchung der wirtschaftlichen Verhältnisse in 24 Gemeinden Bayerns) folgendermassen dar:
Gemeinden mit gleicher Teilung
Gemeinden mit üblicher Gutsübernahme durch einen Einzigen
Nr. i)
Gemeinde
t Prozentverhält-| nis der Immo-
J2 biliarschuldenzum Immobiliar-1 werte
Nr. i)
Gemeinde
! Prozenfcverhiilt-nis der Immo-^ biliarschulden; zum Immobiliar-j werte
Nr. ! )
Gemeinde
Prozentverhiüt-nis der Immo-J? biliarschuldenzum Immobiliar-i werte
i
1.
Hartershofen .
5,21
2.
Wollomoos
11,60
17.
Polling
29,92
3.
Trahweiler
12,24
8.
Eberfing
16,35
18.
Genderkingen .
34,78
4.
Trulben .
13,10
10.
Kondrau
20,93
19.
Zell . . .
35,82
5.
Oberessfeld
13,31
11.
Mönchsambach
22,52
20.
Bobengrün.
36,73
6.
Hassloch .
13,39
12.
Gesees .
23,64
21.
Nassenbeuren .
37,45
7.
Petersaurach .
13,85
13.
Schalldorf .
23,74
22.
Leibifing
39,52
9.
Mainbernheim
17,25
14.
Vorra .
28,10
23.
Paulushofen
39,72
16.
Rothenbuch .
28,78
15.
Missen .
28,17
24.
Sollbach
76,04
1) Nach dem Verschuldungsgrad angeordnet; es ergibt eich also, dass mit Ausnahme von 4 Gemeinden (Wollomoos,Eberfing, Mainbernheim und Rothenbuch) die Verschuldung in den Gemeinden, in denen die Guisübernahme durch einen Einzigendas tatsächlich yeübte.Erbfolgesystein ist, durchgebends höher ist als in den Gemeinden mit gleicher Teilung der Erbberechtigten.(Vergl. im übrigen Eick, Die bäuerliche Erbfolge im rechtsrheinischen Bayern. Stuttgart 1895.)
XV. Nach den Statistischen Mitteilungen über die Landwirtschaft in Bayern, nach Erhebungen von1894 — 1904, II, München 1905, S. 497 und 498 wurden in den Jahren 1895 bis 1902 als Ursache derZwangsveräusserungen angegeben „ungünstige Gutsübernahme, Ueberschuldung, Kapitalkündigung“ in
Vergantete
Zahl der Betriebeim Jahre 1895
Prozentsatz der aus
den Regierungsbezirken
Betriebe
1895—1902
besagten Ursachenverganteten Betriebe
mit vorherrschender
Pfalz
67
105 955
0,063
gleicher Teilung
Unterfranken
262
95 982
0,27
mit gemischtem Systemder Erbfolge
■ Oberfranken
275
70 418
0,39
Mittelfranken
495
69 402
0,71
mit üblicher Gutsüber-
Oberpfalz
476
64 397
0,73
nahme durch einen
Niederbayern
903
82 401
1,09
Einzigen
Oberbayern
718
92 261
0,76
Schwaben
513
82 969
0,62