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Ans einem Briefe des Missionärs Schonat.
Wir haben schon erwähnt, daß sich ans dem gescheiterten Hamburger Dampf-schiff „Helena Sloman" unter den Passagieren auch der nach Cincinnati zurückkehrendeMissionär Pfarrer Schonat befand. Ein Brief desselben aus Cincinnati vom15. Jan. (abgedruckt im Schlesischen Kirchenblatt) gibt eine anschauliche Schilderungder unglücklichen Katastrophe. Wir entnehmen ihm folgendes:
„Wir hatten Hamburg cun 26. October verlassen und waren in Southampton in England gelandet, von wo wir nach dreitägigem Verweilen am Feste „Allerhei-ligen" unsere Weiterreise fortsetzten. Nachdem wir den größten Theil unserer See-reise bereits hinter unS hatten, widerfuhr uns ein Unglück, das, wie der Capitän sichäußerte, unter tausend Fällen kaum einmal vorkommt. Wir verloren am 19. und20. November, von einem heftigen Sturme ergriffen, den Haupttheil an einem Schiffe:das Steuerruder, ganz und gar, und durch diesen Verlust auch alle Gewalt über dasSchiff... Alles, waö wir thun konnten, war, uns so viel als möglich in derFahrlinie zu halten, um so vielleicht einem andern Schiffe zu begegnen, das unS auf-nehmen und retten könnte. Anfangs trieb ein starker Südostwind uns der Insel Neu-schottland entgegen, von der wir ungefähr 2vl) englische Meilen entfernt waren, alsder Unfall uns betraf; viele Passagiere, welche die Gefahr nicht erkannten oder nichtbedachten, die auf's Neue für unö aus der Nähe des Landes bei heftigem Sturmeentstehen mußte, weil daS Schiff an der ersten besten Küste oder an den nächstenFelsenriffen scheitern konnte, schöpften Hoffnung auf Rettung; allein der Wind wen-dete sich und trieb uns hinaus in das weite Meer... Am vierten Tage sahen wirein Schiff in großer Entfernung und Alles freute sich auf Rettung; allein eS zog anunS vorüber, ohne uns vielleicht gesehen zu haben, und überließ unS unserm traurigenZustande. Von jetzt an wurde unsere Lage immer schlimmer. Das Schiff wurdeoder war früher^chon leck geworden, uud das Wasser drang stark in den unternTheil ein. Die Maschine, welche die Pumpen trieb, ging nicht mehr, und es mußtedaher die ganze Mannschaft, Seeleute und Passagiere, abwechselnd Tag und Nachtan den Pumpen arbeiten. Der Capitän wurde immer ernster und nachdenkender undin seinen Mienen zeigte sich nichts mehr von der frühern Heiterkeit. Da sollte dasalte Sprichwort aber wahr werden: „Wo die Noth am größten ist, ist Gott mit seiner Hilfe am nächsten" — und wo menschlicher Verstand und menschlicheMacht nichts mehr vermag, da wollte Gott zeigen, daß Er allein nur noch helfenkönne. Und diese Hilfe kam; freilich erst nach acht langen und bangen Tagen undNächten, und zu einer Zeit, wo die Meisten beinahe alle Hoffnung auf Rettung auf-gegeben hatten; aber sie kam mit der desto stärkeren Mahnung und Ueberzeugung füreinen Jeden, daß Gott in seiner anbetungswürdigen Barmherzigkeit auch noch ein MalErbarmen an uns gezeigt hat. Leider schien sich die Mehrzahl der Passagiere diesenGedanken nicht sehr zu Herzen zu nehmen; einige von ihnen (cS waren junge Deutsche ,Söhne auS den sogenannten bessern Familien!) waren leichtsinnig und verwegen genug,selbst in der Stunde der Gefahr ihre sogenannte Geistcsstärke darin zu zeigen, daßsie über Religion und über das, was andern ernst und heilig ist, ihren frechen Witzauöließen. Ein solches Betragen erfüllte aber einen jeden Bessergestnnten nicht nurmit Betrübniß, sondern mit Ekel, und zeigte nur zu deutlich, wie weit eS besondersin Deutschland mit einem großen Theile der sogenannten gebildeten, bessern Classe inder gegenwärtigen Generation gekommen. Ihre Bildung und Erziehung in Hausund Schule mag Alles gewesen seyn, nur keine christliche! Wenn Deutschlands Heilund Wohl von solchen Menschen und ihren Lehrmeistern abhängt, so muß man wohlan seinem Heile verzweifeln. Katholiken waren auf dem Schiffe nur wenige. Unterden Passagieren der ersten Classe war nur eine Familie. Die Mutter dieser Familie,eine brave, rechtschaffene und fromme alte Dame, trat eines Tages zu mir und sagtein ihrer Einfachheit laut, daß eS alle Umstehenden wohl hören konnten: H. P. S.,ich habe in der letzten Nacht die Gottesmutter so inständig gebeten,
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