Ausgabe 
11 (30.3.1851) 13
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geS Heil bedrohen. In zerbrechlichen Gefäßen tragen wir den Schatz unserer Tugend.Bald geht der Teufel, unser Gegner, wie ein brüllender Löwe umher, suchend, wener verschlinge, bald kleidet der Feind unsers Heils sich in einen Engel des Lichtes,um in die Schlingen der Sünde und des Verderbens uns zu locken. Ein Streit istdeS Menschen Leben auf Erden. Kampf, Mühe, Selbstverleugnung, Entbehrungund mancherlei Trübsal bleibt unser LooS hieniedcn, bis wir im Tode den Wander-stab unserer irdischen Pilgerschaft niederlegen. Der Knecht ist nicht über seinen Herrn;der Schüler nicht über seinen Meister. Mußte selbst Christus, unser heiligster Erlöser,leiden, und also in seine Herrlichkeit eingehen, wie könnten wir, die wir durch mannig-fache Sünden vor dem Auge des Allheiligen befleckt sind, uns beklagen, wenn auchwir durch viele Trübsale eingehen müssen in das Reich Gotles.

Darum, geliebte Diöcesanen! seyd nüchtern und wachsam. Kämpfet den gutenKampf deS Glaubens, ergreifet daS ewige Leben, wozu ihr berufen seyd. Arbeitet,nach deS Apostels Mahnung, als gute Kriegslcute Christi Jesu. Keiner wird gekrönt,wenn er nicht gesetzmäßig gekämpfl hat. Und welcher ist der KampfprciS, der amEnde der irdischen Laufbahn den treuen Kämpfer erwartet? Es ist nicht eine vergäng-liche, sondern eine unvergängliche Krone; es ist die Krone der Gerechtigkeit und desewigen LebenS, die der Herr denen hinterlegt hat, die einen guten Kampf gekämpft.Selig der Mann, der die Anfechtung aushält; denn, wenn er ist bewährt worden,wird er die Krone des Lebens empfangen, welche Gott denen verheißen hat, dieihn lieben.

Wer, geliebte Diöcesanen! wer wollte ermüden und verzagen in einem Kampfe,welcher nach bald vorübergehenden Mühen und Entbehrungen einen solch herrlichenund ewigen Siegeslohn unS in sichere Aussicht stellt? Wer wollte, nachdem er dieHand an den Pflug der christlichen Frömmigkeit und Tugend gelegt hat, treuloszurückschauen aus die eitlen Freuden der Sünde, deren kurzem, täuschenden Genusselange und bittere GewissenSqual auf dem Fuße folgt, die Gottes Wohlgefallen unddie Hoffnung deS ewigen LebenS uns raubet. Lasset euch nickt bethören durch ihrelockende Stimme. Die Sünde ist der schnödeste Undank gegen Gott unsern Schöpser,Erlöser und Heiligmacker: sie ist die Störerin unsres zeitlichen und ewigen Wohles.Vielmehr, wenn deine Hand oder dein Fuß dich ärgert, so haue ihn ab und wirf ihnvon dir; und wenn dein Auge dich ärgert, so reiße eS aus uud wirf es von dir.Bringet bereitwillig jedes, auch daS schwerste Opfer; entjaget jedem, auch dem lieb-sten Genusse, um vor der Sünde, dem größten der Uebel, euch zu bewahren, Prägeteurem Geiste und Herzen tief daS ernste Wort unsers Heilandes ein: was nützt eSdem Menschen, die ganze Welt zu gewinnen, wenn er Schaden leidet an seiner Seele.Vielfach, ja unaussprechlich hat der Herr in der Vergangenheit eures LebenS euchbeglückt und begnadigt, von dem Tage an, da ihr in der heiligen Taufe zur Kind-schaft Gottes und zu Mitgliedern seiner heiligen Kirche berufen wurdet, bis zu dieserStunde. Bewahret, geliebte Diöcesanen! was ihr empfangen habet, damit Niemandeuch die Krone raube. Stehet fest in liebethätigem Glauben. Ohne ihn ist eS un-möglich, Gott zu gefallen. Er ist der Sieg, in welchem wir die Welt überwinden.Bekennet standhaft in Wort und That euren Glauben vor den Menschen, kämpfetfreudig und beharrlich für Christus den Herrn, der nicht durch vergängliches Goldund Silber, sondern um den Preis seines kostbaren Blutes euch erkaufet und erlösethat. Er, der, die Sünde ausgenommen, uns in Allem gleich geworden, Er selbstist auf dem Wege des Kreuzes unS vorangegangen. Er hat uns ein Beispiel gege-ben, damit wir in seine Fußstapfen treten. Mit der Siegesfahne deS Kreuzes, mitdem Zeichen unserer Erlösung und seligsten Hoffnungen geht Er als treuer Führer,als ermunterndes Vorbild uns voran in den Kämpfen, auf den dunklen und mühe-vollen Pfaden dieses vergänglichen ErdenlebenS. Ihm folget nach. Zu Ihm blicketempor, dem Anfänger und Vollender unseres Glaubens, zu JesuS , der für die ihmvorgelegte Freude das Kreuz erduldete, die Schmach nicht achtete und nun zur Rech-ten des Thrones Gottes sitzet. Ja an Ihn gedenket, damit ihr nicht ermüdet und