Ausgabe 
11 (30.3.1851) 13
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treuen Glaubensgenossen durch meinen Abfall gegeben habe, nach Kräften wieder gutzu machen.

Dazu verleihe der allmächtige Gott mir seine Gnade und seinen Beistand.Neustadt, im März 1851.

Joseph Nitschke.

Mainz. Frankfurt .

Mainz , 18. März. So allseitig sich die Entrüstung unserer Bürgerschaft überdas am 10. d. M. durch A. Seebold in hiesiger SeminariumSkirche verübte Atten-tat geäußert, eben so groß ist auch die Theilnahme, welche dieselbe dem verehrtenRegens, dem Herrn Dr. Nickel, widmet. Von alleit Seiten und aus allen Kreisenerhält derselbe zahlreiche Beweise des Beileides und zugleich der Achtung, die demschändlichen Sacrilegium gegenüber auf alle besser gesinnten Bewohner unserer Stadtden günstigsten Eindruck hervorbringen, da eS sich auf diese Weise bestätigt, waS einehrenwerthes Mitglied der ersten Kammer zu Darmstadt äußerte: daß nämlich inMainz daS religiöse Gefühl noch icht erstorben sey. Mit den dankbarsten Gefühlenaber ward es aufgenommen, daß unter den Ersten, welche Herrn vi. Nickel nachdem auf ihn ausgeführten Mordansalle ihre Theilnahme versichern ließen, IhreKöniglichen Hoheiten unser allverehrter Großherzog nebst Hoch-dessen Frau Gemahlin nebst der ganzen Großherzoglichen Familie sich befanden,welche dem hochwürdigsten Bischöfe und durch diesen dem Herrn Regenö brieflich ihrBeileid bezeugten, wie denn über das Attentat Seebolds und die Behandlung derMainzer Geistlichkeit überhaupt in den höchsten Kreisen sich die größte Entrüstungausspricht. Kaum war in Darmstadt die verruchte That bekannt geworden, als auchschon von Seiten der Großherzoglichen Negierung eine Commission, bestehend auszwei Gr. Ministerialräthen, abgeordnet wurde und in Mainz erschien, sowohl umHerrn Dr. Nickel die Theilnahme der Regierung auszudrücken, als auch um anOrt und Stelle nähere Erkundigungen und etwaige Maaßregeln vorzubereiten.Von den a»S Mainz selbst am SchmerzenSlager des hochwürdigcn Herrn Regens sichEinfindenden erwähnen wir, außer Sr. bischöflichen Gnaden, welche täglich den Lei-denden mit ihrem Besuche erfreuten, nur die hohen Militär- und Civilbehörden unsererStadt und Bundcsfestuug, das hochwürdige Domcapel und den PfarrkleruS, nebsteiner Menge Bürger und Freunde des Herr» Dr. Nickel, die sich aus der Nähe undFerne hcrzudrängten, um auf die rührendste Weise ihre Theilnahme auszudrücken.Dieß Alles sind Erscheinungen, die ganz dazn geeignet sind, dem Auslande gegenüberden Ruf unserer Stadt in einem bessern Lichte erscheinen zu lassen, sie liefern nichtminder den Beweis, daß die Achtung vor der Religion und deren Dienern in unsermGroßherzogthumc eben so gut auf dem Throne wie in den verschiedensten Kreisen derbürgerlichen Gesellschaft sich immer noch in ungetrübtem Glänze wiederfindet. (M. I.)

Aus Frankfurt a. M. vom 23. März wird dem M. I. geschrieben:ZumBeweise, daß die Nohheiten unserer sogenannten civilisirten Generation nicht bei Ihnenallein zu Hause sind, mag Ihnen das Factum dienen, daß nnser Stadtpfarrer BedaWeber sich genöthiht gesehen hat, wegen der absichtlichen Störungen deS sonntäg-lichen FrühgottesdienstcS im Dome bei hiesigem Polizeigerichte Klage zn fuhren. ESdürfte nicht absichtslos geschehen, wenn in einer Zeit, wo gegen dieschwarze Pest"mit allen Mitteln der Hölle angekämpft wird, weil sie fast allein es ist, welcheden Umsturzplänen einer nichtswürdigen Partei muthig entgegen-tritt, auch frühere Erzeugnisse einer lügenhaften Schandpresse wieder auftauchen.So sieht man gegenwärtig dahier eine kleine Schriftder ostfränkische ReformatorAmbrosiuS" von Georg Lommel, Frankfurt 1847, cursiren. Schon der Name deSAutors, früher Bibliothekar in Würzburg , wird erkennen lassen, waS dem unkundigenVolke in einer sonst pikanten Schreibart geboten wird."

Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen.

Verlags-Jnhaber: F. C. Krem er.