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angehört und der Darstellung der Kreuzabnahme, so wie der Trauermette dieses Tagesbeigewohnt hatte. Ich gewahre in der That im Morgenlande eine große Hinneigungzum Katholicismus, indem die Türken die katholische Religion für gut halten, ihreGebräuche loben, und ihre Dogmen bewundern. Ich sah von der rührenden Ceremonieder Kreuzabnahme, welche Heuer in der KreuzanheftungsCapelle vorgenommen wurde,AlleS tics ergriffen: gestehe aber zugleich die Menge der in mir erwachten stürmischenGefühle; Mitleiden, Schmerz, Angst, Neue, Liebe, Dank, Glaube, Hoffnung derVerzeihung, beherrschten in Einem Momente daö bange Herz; der bedeutungsvolleTrauergesang, die geistreichen Vortrage, das Bild des verstorbenen Erlösers, seinKreuz, der Kreuzigungs- und Begräbnißort, ach, wie beredt sprachen diese zu mir,zu jedem Christen! wer könnte so hartherzig seyn, um sich nicht reumüthig zu zeigen?Mit der sinnbildlichen Darstellung der Einsalbung und Grablegung Christi nahm dieTrauerfeier ihr Ende. Am Charsamstag ward das Jubelfest der glorreichen Auferste-hung gefeiert, worauf das hohe Osterfest folgte. Die ganze Woche hindurch pontifi-cirte, in Abwesenheit des Herrn Patriarchen, der hochwürdige P. Custos, welcher dieOsterfeier mit einer salbungsvollen Predigt beschloß.
Die Jubiläumsfeier in der Diöeese Paffau.
1- Am Freilag den 28. März wurde nach dem abendlichen Aveläuten durch einviertelstündiges Geläute aller Glocken der Beginn der Gnadenzeit des Jubiläumsverkündet, welches mit dem 29. April AbenlS endet. Am darauffolgenden Sonntagesollte eine auf den Jubiläumsablaß bezügliche Predigt mit Hochamt gehalten werden,so wie während der JubiläumSzeit selbst an allen Sonn- und Festtagen Nachmittagsin allen Pfarr- und denjenigen Filialkirchen, in welchen herkömmlich sonntäglicherGottesdienst gehalten wird, der Rosenkranz mit der Allerheiligcnlitanei und den tref-fenden Gebeten vor ausgesetztem hochwürdigsten Gute zu beten ist. Auch hat unserhochwürdigster Herr Bischof die Anordnung getroffen, daß im Dome vom Palmsamstagebis zum Ostermontage Abends eine Anzahl Redemptoristen und Capuciner für dieStadt und Umgegend eine Mission abhalten, und es werden während dieser Tagetäglich vier Predigten im hohen Dome gehalten werden. Hiedurch widerlegt sichthatsächlich die Behauptung im Volksboten vom 6. October v. I, als wäre derBischof von Passau daS Hinderniß, daß keine Missionen mehr gehalten würden.Auch der Herr Rector des Gymnasiums beabsichtigt seinen Studenten vor dem Beginneder Osterferien eine Misston, richtiger vielleicht Studenten-Erercitien, durch einenWeltpriester halten zu lassen. Es ist sehr zu wünschen, daß dieselbe Erfolg habe;allein so lange Professoren fortfahren, das Abstinenzgebot lächerlich zu machen, überdie Schwarzröcke zu lästern, die bischöfliche Denkschrift durchzuziehen u. dgl,, wird fürEntkräftimg der allcnfallsigen Früchte schon gesorgt seyn. Die beste Mission für dieJugend wäre nach meinem Dafürhalten ein ächt katholischer Unterricht, und dieJugend würde dann bald religiöser gestimmt seyn.
Noch etwas Anderes möchte ich Ihnen berichten, was ich wenigstens für einengroßen Fortschritt des kirchlichen Lebens in unserer Stadt halte. Im Jahre 1634herrschte in Passau die Pest, und der fromme Sinn der Bürger hatte zur Danksagungfür das glückliche Aufhören derselben ein vierzigstündiges Gebet in der Stadtpfarrkirchezu St. Paul gestiftet, welches am Passionssonntage und den beiden nächsten Tagenabgehalten wurde. Allein durch die Unbilv der Zeiten war diese Andacht seit demJahre 1803 au.f das zehnstündige Gebet am Passionstage beschränkt worden. Heuernun wird dasselbe auf das Ansuchen einiger gut gesinnter Bürger durch die Bemühungunsers berühmten StadtpfarrerS Herrn I)r. Maß! wieder in der frühern Ausdehnunggehalten. Veranlassung gab die voriges Jahr hier herrschende Sterblichkeit. Eswerden sich freilich Jene, welche in der „Sion" ihre „liturgischen Bedenken" überdas oftmalige Aussetzen des Allerheiligsten niedergelegt, ereifern, so oft sie lesen, daßdas hochwürdigste Gut drei Tage und sogar an Werktagen ausgesetzt wiro, und sie