Ausgabe 
11 (13.4.1851) 15
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Man begnügte sich aber nicht damit, die Armen materiell zu unterstützen, siewurden auch von Vereinsmitgliedern in ihren Wohnungen besucht, in ihrem Thun und Lassen überwacht, und so viel als möglich moralisch gehoben, und sicherlich wurdeihnen dadurch noch mehr genützt, als durch die gespendete Gabe.

Der Verein erfreut sich der Bestätigung von Seiten der höchsten kirchlichenAutorität, und ist erst jüngst vom heil. Vater Papst Pius IX. mit Ablässen begnadigtworden. Er hat auch bereits an mehrern Orten, wie in Straubing , und selbst indem entfernten Köln und zu Gmünd in Württemberg Filialvereine.

Wenn je ein Institut geeignet ist, die Wunden der Zeit heilen zu helfen, so istes hier gegeben. Wem daher immer an einer bessern Zukunft gelegen ist, der mögesich an unsern Verein bethciligen. Den Armen muß geholfen werden, dann hilft Gott auch den Reichen. Der Arme muß wieder einsehen lernen, daß in den vornehmenund bessern Ständen ihm wohlwollende Herzen schlagen, dann wird er die Reichen undVornehmen nicht mehr hassen und zu ihrem Untergange sündhafte Verbindungen ein-gehen, sondern sie als Wohlthäter lieben und mit Blut und Leben vertheidigen.Daß hiezu der Vincentiusverein ein geeignetes Mittel ist, zeigen seine Statuten.

Man hört überdieß so vielfältig über den Straßenbettel klagen. Auch gegendieses Uebel böte der Vincentiusverein ein Heilmittel. Würde ein Jeder jene Gaben,die er im Laufe eines Jahres an so manchen unwürdigen Armen verschwendet, sam-meln und an den Vincentiusverein abgeben, so könnte er mit Fug unv Recht denBettel im eigenen Hause abstellen. Der Verein würde aber durch die reichlichenMittel, die ihm auf solche Weise zuströmen, bald in der Lage seyn, allen wahrhaftDürftigen seine Hilfe angedeihen zu lassen.

Mögen diese Andeutungen jene Beherzigung finden, wie sie die Wichtigkeitdes Gegenstandes verdient.

Der Ausschuß des St. Vincentiusvereins in RegenSburg.

vr. Wiser, Kanonicus, d. Z. Vorstand.

Berichte über Missionen.

C o b l e n z.

----- Koblenz, 2. April. Die Zeit der dahier abgehaltenen Missionen ist nunvorüber. Sie wurden heute Abend, nachdem die Pfarrei zu Unserer lieben Frausich in feierlicher Processton und in Begleitung der sämmtlichen Pfarrgeistlichkeit undder Patres Missionäre nach der St. Castorkirche begeben, durch eine ans dem freienPlatze vor dieser Kirche gehaltene Predigt des RectorS S.Müller geschlossen, hieraufdas Tedeum angestimmt und zum Schlüsse der sacramentalische Segen ertheilt. Beidiesem Schlußakte mögen wenigstens 7800(1 Gläubige anwesend gewesen seyn.Ein erhabener Anblick und zugleich das beste Zeugniß für die Aufnahme, für daSWirken der ehrwürdigen Väter. Möchten alle die guten Vorsätze, welche in der kur-zen Zeit gefaßt worden sind, treulich gehalten werden. Doch wenn dieses auch nurbei Vielen, ja sollte es sogar nur bei Wenigen der Fall seyn, so wäre das schonGrund genug, uns über die Mission zu freuen, und Gott für die gespendeten Gna-den zu danken. So sehr man in unserer Stadt auch an einen recht fleißigen Kirchen-besuch gewohnt ist, so muß man es doch gesehen haben, um zu glauben, wie großder Andrang zu den Predigten, zu den Beichtstühlen der Patres gewesen. Von demEmpfange der heiligen Sacramente kann man sich einen Begriff machen, wenn ver-sichert wird, daß beiläufig zwei Drittheile aller Communicanten dieselben in dem kur-zen Zeitraume von zwölf Tagen empfangen haben. Koblenz hat bei dieser Gelegen-heit bewiesen, wie treu es an dem Glauben seiuer Väter festhält, und wie empfänglichdie Herzen seiner Bewohner für die Heilswahrheiten der katholischen Kirche sind, unddie wenigen Feinde dieser Wahrheiten haben zu ihrer Beschämung gesehen, wie wenigHoffnung sie haben, unser Volk von dem Wege der Wahrheit, der allein zum Leben