Ausgabe 
11 (13.4.1851) 15
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führt, abzubringen. Möge Gott auch sie zur Besinnung, zur Besserung bringen;möge er auch ihnen seine göttliche Gnade zu dieser Bekehrung schenken.

Von den Vorträgen deö Pater Gemminger ist alles entzückt, und kann ich nichtumhin Ihnen ein Beispiel mitzutheilen, was dieser eminente Kanzelredner über dieGefühle seiner Zuhörer vermag. Bei der Aufrichtung des MissionSkreuzeS hatte der-selbe zum Gegenstande der Predigt sich die Aufgabe gestellt, die beiden feindlichenHeerlager, daS der Bösen unter Anführung des Vaters der Lüge, daS der Gutenunter unserm göttlichen Heiland, dem Geiste der Zuhörer vorzuführen. Im erstenTheile schilderte er nun auf unübertreffliche Weise die Eigenschaften des Bösen, seineSoldaten, seine Fahne und seinen Sold den Sold der Sünde. Hier schon bliebkein Auge thränenleer, als er eine gefallene Unschuld im Wahnsinn beim AuSgangeder Kirche erscheinen läßt, und nachdem alle vergebens nach der Ursache der Erschei-nung fragen, endlich ein alteS Mütterchen sich vordrängt, der Menge zuruft: dasist der Sold der Sünde. Im zweiten Theile jedoch erreichte die Rührung den höchstenGipfel. Nachdem er die Eigenschaften deö guten Feldherrn Wahrheit im Munde,die Wohlthat in der Hand, die Liebe im Herzen auf unsern Heiland angewandt,auseinandergesetzt und gezeigt hatte, wer seine Soldaten, was seine Fahne, waö seinSold der Lohn der Tugend sey, suhr er fort: Nun, meine liebe Christen,nahet für euch die Zeit der Entscheidung. Welchem der beiden Feldherren wollet ihrfolgen? Wollet ihr dem guten Feldherrn folgen, so antwortet mir mit einem kräftigen:Ja. Nun, wollet ihr unserm göttlichen Heiland folgen? Was folgte? Ein ein-stimmigesja" der Männer. Und die Frauen? Die weiten Räume der Kirchehallten von ihrem lauten Schluchzen nieder, und lange dauerte es, bis die Ruhe soweit hergestellt war, daß fortgefahren werden konnte. Seine heute Morgen »ach derGeneralcommunion der Männer gesprochenen Abschiedsworte werden uns ewig unver-geßlich seyn. Dank ihm, herzlichen Dank ihm und allen den guten Vätern für daS,was sie in der kurzen Zeit an unS und für uns gewirkt haben. Gott begleite sie,Gott segne ihr Wirken, und mögen sie sich eben so gern unser erinnern, wie wirstets mit Wonne auf ihr Hierseyn zurückblicken werden.

Osnabrück .

Osnabrück, 26. März. Die am l6. d. M. von den hochwürdigen Jesuiten PP. Burgstahler, Mar Klinkowström und Mair im hiesigen Dome begonnene VvlkS-mission ist am gestrigen Festtage, Maria Verkündigung, beendigt. Während derMission wurden an jedem Tage, mit wenigen Ausnahmen, drei Predigten und außer-dem an den ersten Tagen für die Zöglinge des katholischen Gymnasiums und dieVolksschüler am Dome und an St. Johann Religionsvorträge gehalten. Nicht bloßdie Katholiken auS jenen beiden Stadlkirchspielen, sondern auch die auö den benach-barten Landkirchspielen strömten in langen Zügen zum Gotteshause, worin zu früherMorgenzeit schon die Andächtigen zum Gebete sich versammelten. Die Theilnahmean den Vorträgen der Missionäre war eine ganz allgemeine. Dazu waren vomfrühesten Morgen bis zum späten Abende die Beichtstühle von Andächtigen umstellt;die Zahl derer, welche im Dome und in St. Johann die heiligen Sacramenteempfingen, kann man auf 6000 schätzen. Die Rührung der Zuhörer bei den Kanzel-vorträgen, der gestärkte Eifer der Katholiken für ihre heilige Religion, so mancheserhebende Zeichen einer reumüthigen, aufrichtigen Bekehrung lassen mit Sicherheiterwarten, daß der nächste Zweck der Mission: Belehrung, Befestigung im Glaubenund Aussöhnung mit Gott, bei den meisten Theilnehmern erreicht sey. Hoffen wir,daß davon die weitere Folge sey, daß bei recht Vielen eine vollkommene Besserungeintritt. Mit diesem Wunsche schloß in einer eindringlichen, rührenden Rede derhochwürdigste Herr Weihbischof Dr. Lüpke die Mission, und hierin, so wie in denDank, den er den hochwürdigen Herren Missionären darbrachte, stimmen alle hiesigenKatholiken aus vollem Herzen ein. Ueber die hochwürdigen Herren Missionäre istnur eine Stimme der vollsten Befriedigung. Ihr Vortrag war klar, bestimmt, über-zeugend und ansprechend; verständlich dem Landvolke und zusagend den gebildeteren