Ausgabe 
11 (13.4.1851) 15
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Ständen. Sie haben eS verstanden, Allen zu genügen. Kein Mißton hat die heiligeFeier gestört. Wohl hat sich Osnabrück nach jenem unheilvollen Friedensschlüsse von1648 die FriedenSstadt genannt; allein ich glaube, daß die gute Stadt noch nie soviele Herzen voll Frieden besessen hat, als wie beim Schlüsse dieser Volksmission.(D. Vollst).)

Heiligen st ad t.Heiligenstadt , 26. März. Auch das Eichsfeld erfreut sich der Wohlthatder heiligen Missionen. Gestern wurde hier eine Mission geschlossen, welche am 13.begonnen hatte, und welche gewiß in der Erinnerung unserer Stadt unvergeßlich bleibenwird. Dieselbe ist von den hochwürdigen Vätern der Gesellschaft Jesu , Ketter er,Dann und von Waldburg-Zeil abgehalten worden. Täglich wurden in unsernbeiden schönen gothischen Pfarrkirchen abwechselnd drei Predigten gehalten und vonTag zu Tage wuchs die Theilnahme und Begeisterung der hiesigen Bewohner. Dieungeheuchelle Frömmigkeit und herzgewinnende Liebe der Väter, die VerstandesschärfedeS Herrn P. Ketterer, die Herzlichkeit deS Herrn P. von Waldburg-Zeil , und dieglühende Begeisterung deS Herrn P. Dann wirkten unwiderstehlich auf den Geist unddas Herz der Zuhörer, und bei den Tausenden, welche an der Mission Theil genom-men haben, ist nur Eine Stimme über die Vortrefflichkeit des Misstonsinstituts über-haupt und den ausgezeichneten Erfolg der hier abgehaltenen Mission insbesondere.Alle Stände, und die höheren am meisten, wetteiferten in der Theilnahme, und beidem gestern gehaltenen Schlüsse konnten die weiten Räume der Kirche die Menschcn-masse nicht mehr fassen. Der Besuch der Beichtstühle zeigte insbesondere, wie zer-knirscht die Herzen waren, und welches große Vertrauen die Herren Missionäre alsBeichtväter genießen, lim die Wirksamkeit der Mission für die Zukunft zu sichern,haben die Väter zur Theilnahme an dem Missionsvereine eingeladen, und an demEifer der Jugend, sich in den Verein einschreiben zu lassen, sieht man, welchenEinfluß die Mission auf dieselbe geübt hat. Namentlich haben sich die Zöglinge deshiesigen Gymnasiums und des katholischen SchullehrerseminarS bei der Mission so aus-gezeichnet, daß der Herr P. Ketterer sich bewogen fand, dieß bei der Schlußpredigtöffentlich anzuerkennen. Hier in Heiligenstadt und auf dem Eichsfelve herrscht imGanzen noch ein gläubiger, gotteSfürchtiger Sinn. Die Versuchungen und Verfüh-rungen sind in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts jedoch so groß gewesen, daß fürden Fortbestand dieses gläubigen, gotteSfürchtigen Sinnes sehr zu fürchten ist. DieHoffnung, daß die Mission zur Weckung und Belebung deS guten Sinnes recht vielbeitragen werde, scheint mehr als gerechtfertigt zu seyn, und ich glaube, daß wirunter den jetzigen Auspickn getrost die zweite Hälfte dieses Jahrhunderts antretenkönnen. (D. VolkSh.) _

Bonifaciusverein.

Rottenburg . Seitdem der edle Graf Joseph von Stolberg das Project einesBonifaciuSvereineS bei uns persönlich beteieb, ist darüber fast Alles verstummt, obgleichdie Idee in Vieler Herzen einen guten Anklang fand. In der letzten Zeit aber ver-lautete, daß für den Bonifaciusverein doch etwas Reelles geschehen soll. Bisherflössen alle für Missionszwecke'eingehenden Gelder der Diöcese, die in den letztenJahren auf eine bedeutende Summe gestiegen waren, in den großen Verein zurGlaubensverbreitung in Lyon. Nicht weil man die dem letzteren Vereine von andererSeite her gemachten Vorwürfe, als ob er vorzugsweise französische Interessen verfolgte,für wahr hielte, fand doch der hochwürdigste Bischof von Rottenburg für gut, sichmit den in der Diöcese bestehenden Vereinen für auswärtige Missionen an den Lud-wigSverein in München anzuschließen, jedoch mit der ausdrücklichen Bestimmung, daßder dritte Theil der eingegangenen Missionsbeiträge für arme, unter Protestantenlebende Katholiken in Deutschland (Bonifaciusverein) verwendet, ein Drittheil nachLyon geschickt und der Rest im Interesse deS Ludwigs-MissionSvereineS verrechnetwerde. (N. S.) _

Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen.

Berlags-Znhaber: F. C. Krem er.