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Petrus nachahmen. Als dieser dem Volke, das den Tod Christi gefordert und ihndem Barrabas nachgestellt hatte, denselben Jesum Christum als den Welterlöser undGottessohn predigte, da sprach er offen zu ihnen, und verbarg es ihnen nicht, waSsie gethan hatten. „Der Gott Abraham's, der Gotl Jsaak'S, der Gott Jakob'S , derGott unserer Väter hat seinen Sohn Jesum verherrlichet. Diesen habt ihr zwar über-liefert und verläugnet vor dein Angesichts deS Pilatus, der da urtheilte, ihn loSzu«lassen; und ihr habt den Heiligen und Gerechten verläugnet, und verlangt, daß maneuch den Mörder schenkte. Den Urheber des Lebens habt ihr getödtet, welchen Gotteuch erweckt hat von den Todten, deß sind wir Zeuge." So sprach der heiligePetrus, aber voll Liebe und Erbarmen setzte er hinzu: „Und nun, ihr Brüder, ich
weiß, daß ihr es aus Unwissenheit gethan habt..... So thut nun Buße und bekehret
euch, damit eure Sünden getilgt werden." O, meine Brüder, die ihr ehemals mitunS Kinder derselben Mutter, der Kirche wäret, ich darf es euch nicht verbergen,auch ihr habt Jesum Christum verläugnet, und den Urheber des Lebens durch cuernUnglauben in euerm Herzen getödtet, — aber ich weiß, ihr wußtet nicht, was ihrthatet, sonst hättet ihr es nicht gethan; nun aber fürchtet euch nicht, kehret zurück,damit eure Sünde von euch genommen werde.
Ja ich muß reden, gerade um der Verirrten willen, und noch mehr um Dererwillen, die zwar noch nicht den letzten Schritt, der sie von Christus und seiner Kirchetrennt, gethan haben, die aber vielleicht, von Verführungen umstrickt, bereits amRande des Abgrundes stehen.
Ihr wißt längst, Vielgeliebte in Christo unserm Erlöser, wovon ich rede. Allefeindlichen Bestrebungen gegen die katholische Kirche in dieser Diöcese vereinigen sichgegenwärtig in jener Partei, welche sich die „Deutschkatholische" nennt. AIs dieseSecte vor sechs Jahren entstand, da gaben die Verbreiter der neuen Lehre vor, siewollten katholisch bleiben, und nur einige Mißbräuche beseitigen. Deßhalbnahmen sie den Namen „Deutschkatholisch" an. Darum wurden Viele irregeführt, die mit Schauder von dieser Partei zurückgetreten wären, wenn man ihnengleich Anfangs gesagt hätte: wir wollen nichts Anderes, als Alles läugnen, wasalle Gerechten im alten Bunde seit Anbeginn gehofft, was die ganze Christenheit seitachtzehnhundert Jahren als das Höchste und Heiligste geglaubt und geliebt hat.Zwar ist inzwischen die Wahrheit mehr und mehr an das Licht gekommen, allein nochimmer sind nicht Wenige von einer unbegreiflichen Verblendung befangen. Deßhalbmuß ich nunmehr deutlich und bestimmt auSsprechen, was der sogenannte Deutsch-katholiciSmus ist, und in welchem Verhältniß er zur katholischen Kirche und zumChristenthume steht.
Vor Allem verwahre ich mich gegen daS Recht dieser Partei, den Namen„Deutschkatholiken " zu tragen. Wo immer Menschen auf Erden beisammen wohnen,ist es Ordnung und Gebrauch, daß ein Name, in dessen Besitz eine Gesellschaft, einreligiöser, ja sogar ein Handelsverein sich befindet, nicht von einem neu entstehendenVereine angenommen werden darf. Was einer Handelsfirma gewährt wird, hättewahrlich der katholischen Kirche nicht vorenthalten werden sollen, einer Kirche, dieihren Namen und ihr Recht so tief in die Geschichte Deutschlands verwebt hat. Nurdie eine heilige, katholische, apostolische Kirche, die unter der Oberleitung des Nach-folgers deS heiligen Petrus unter den Völkern der deutschen Zunge besteht, hat daSRecht, den Namen der deutschen katholischen Kirche zu tragen.
Dann aber erhebe ich, als Wächter des katholischen Glaubens von Gott bestellt,vor Euch Allen meine Stimme und erkläre, daß die religiöse Gemeinschaft der soge-nannten Deutschkatholiken gar nichts gemein hat mit der katholischen Kirche ; daß siein Allem das gerade Gegentheil der katholischen Kirche ist; daß der sogenannte Deutsch-katholicismus nicht bloß in dem einen oder andern Puncte von ihr abweicht, sondernder vollendete Abfall von dem gesammten Lehrgebäude der katholischen Kirche , dervollendete Abfall von dem wirklichen und wahren Christenthume, ja daS entschiedeneAntichristenthum ist. Keine Irrlehre hat seit dem Anfange des Christenthums der