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diese Auffassung! Ist es denn ein ungebührlicher Zwang, wenn der Hausvater fordert,daß Jeder, der in seinem Hause wohnen will, sich auch der Ordnung des Hausesunterwerfe? Ist eS ein ungebührlicher Zwang, wenn der JSraelit verlangt, daß einMitglied der Synagoge eben ein Jude und kein Christ sey? Ist eS gegen die Frei-heit, gegen die Liebe, ist es ein ungebührlicher Gewissens- und UeberzeugungSzwaug,wenn ein politischer Verein nur Gleichgesinnte, d. h. nur Solche, die sich zu densel-ben politischen Grundsätzen bekennen, als Mitglieder zuläßt? Gewiß nicht! Und weß-halb nicht? Weil eS jedem Kinde klar ist, daß ein Verein, der sich gewisser Grund-sätze wegen versammelt, nur bestehen kann, wenn die Mitglieder in den Grundsätzeneinig sind. Nun wohlan, so gebe man ehrlich der katholischen Kirche , waS manjedem HauSvater, jeder Synagoge, jedem politischen Vereine zugesteht, und nenne nichtdas in der katholischen Kirche Glaubens- und Gewissenszwang, was man überallals ein Naturgesetz jedes Vereines anerkennt. Wir wollen Niemanden zwingen, indie katholische Kirche einzutreten oder in ihr zu verbleiben, wir fordern aber vonJedem, der als Mitglied der katholischen Kirche angesehen sevn will, daß er dieewigen Wahrheiten der Kirche glaube, und daß er vor Allem das Princip, auf demdie Kirche ruht, die Lehre von der göttlichen Autorität und Unfehlbarkeit der Kirchevollständig anerkenne; wir fordern daS Recht, jedem Katholiken, der die Grundsätzeund Glaubenslehren, also das Dogma der Kirche verwirft, sagen zu dürfen, daß erAlles seyn kann, nur kein Mitglied der katholischen Kirche . Wie weit ist es durchdas lügenhafte Geschrei der Feinde der Kirche über Gewissenszwang bei uns gekom-men? Gibt eS noch einen Verein auf Erden, der es, wie die Kirche, dulden muß,daß Menschen, die vor der ganzen Gemeinde als Ungläubige oder gar als Feinde derKirche dastehen, von denen eS bekannt ist, daß sie von der katholischen Kirche nichtsan sich haben, als den Platz für den Namen in einem katholischen Taufregister, sichnicht nur katholisch nennen, sondern gar an der Leitung der wichtigsten Angelegen-heiten der Kirche Antheil nehmen? Gibt eS noch einen Verein auf Erden, wo eSgeschehen kann, daß eine ganze gläubige katholische Gemeinde es oft dulden muß,daß Männer als Vorstände an der Verwaltung der äußern Angelegenheiten der Kirche,oder als Lehrer an dem Heiligsten, an der Erziehung der Kinder Antheil nehmen,die alle Gebote der Kirche verachten und ihren Glauben verspotten? Wahrlich, daSdarf nicht so fortdauern, ich bin es dem katholischen Volke schuldig, das nicht zudulden. Wer nicht katholisch glaubt und lebt, dem bin ich berechtigt es zu sagen,er mag Priester, Vorstand, Lehrer oder Laie seyn; er kann dann werden waS er will,er kann nur kein katholischer Priester, Vorstand, Lehrer oder Laie seyn. Das ist einNaturrecht für jeden Verein, ein Recht, ohne welches kein Verein bestehen kann, unddie Kirche, die, ganz abgesehen von ihrer göttlichen Einsetzung, an Alter und recht-mäßigem Bestände alle andern Vereine so weit überragt, kann diesen in dem natür-lichsten aller Rechte, dem Rechte der Selbstvertheidigung und Selbsterhaltung, nichtnachstehen.
Die möglichen Anklagen der Gegner dürfen mich also nicht abhalten, meinePflichten als Wächter des Glaubens zu erfüllen.
Dagegen hätte eine andere Erwägung mich vielleicht bestimmen sollen, noch zuschweigen. Unter denen, die in den letzten Jahren von dem Glauben der Kirche sichgetrennt haben, gibt es so viele, die nur der Verführung und schwerer Versuchungunterlegen, die nur durch Unwissenheit und Irrthum zu viesem Schritte verleitet sind.Hätte ich eS da nicht der Zeit und der Gnade Gottes überlassen sollen, bis auch siezurückkehrten, wie schon so manche, die mit dem Glauben den Frieden ihres Herzenswieder gefunden haben? Muß ich nicht fürchten, durch meine Worte, die ihnen viel-leicht hart scheinen, sie zu verletzen, zu reizen, abzuschrecken, und dadurch ihre Bekeh-rung zu erschweren? O möge Gott mich und meine Worte davor bewahren. Ich redenicht, weil ich ihnen Böses sagen will, sondern weil ich vor Gott weiß, daß ich sieliebe, weil ich die Pflicht habe, ihnen die Wahrheit zu sagen und ihnen den Abgrundaufzudecken, in den sie gerathen sind. Ich möchte daS Beispiel des heiligen Apostel