Ausgabe 
11 (4.5.1851) 18
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Irrthum und Fabel, und die heilige Schrift selbst für ein von Falschheiten undAberglauben wimmelndes, überdieß vielfach unächteS und verfälschtes menschlichesMachwerk.

Mit der ersten Wahrheit, daß Christus wahrer Gott und wahrer Mensch ist,steht die andere in wesentlicher und untrennbarer Perbindung, daß er nämlich derErlöser der Menschheit von der Sünde und der Verdammnis; ist. JesuS Christus istnicht bloß ein Lehrer der Wahrheit und das Vorbild aller Tugend, er ist unendlichmehr, er hat durch seine Menschwerdung und seinen Opfertod am Kreuze die sündigeWelt mit Gott versöhnr und unö die Vergebung der Sünden und die heiligmachendeGnade erworben, ohne welche es nicht möglich ist, Gott zu gefallen und die Selig-keit zu erlangen. Dieses ist das wahre Evangelium, die große Freudenbotschaft,welche die Apostel zu allen Völkern getragen, an die alle Völker geglaubt, in welcherdie Menschheil Frieden und Trost und Leben und Seligkeit gefunden. Christus, undzwar der Gekreuzigte, der uns mit Gott versöhnt und unsere Schuld getilgt hat,indem Er, der Schuldlose, für uns Schuldige zum Sühnopfer geworden ist, der unSgeliebt und sich selbst für uns dahin gegeben hat, durch dessen Wunden wir geheiltsind. Auch diese Wahrheil läugnet die deutschkatholische Secte in der Art, daß siezwar das WortErlöser" undErlösung" gebraucht? aber die Sache verwirft.Und waS setzt der Deutschkalholicismus an die Stelle dieser gnadenreichen Wahrheitvon unserer Erlösung durch den Sohn Gottes? die Behauptung, daß der Menschder Erlösung, der Gnade und Erbarmung, welche Gott uns in seinem Sohne geschenkthat, gar nicht bedürfe, daß der Mensch sein eigener Erlöser sey. Diese Selbstver-blendung, unsere Sündhaftigkeit und ErlösungSbedürfligkeit nicht zu erkennen, dieseunbegränzte Selbstgerechtigkeit, nicht als ein Gnadeflehenver, sondern als ein Gerechterund Berechtigter Gott gegenüber zu treten; diese Vermessenheit, die Sündenvergebungund das ewige Leben nicht als eine unverdiente Gnade von Gott zu hoffen, sondernals ein Recht von ihm zu fordern; diese stolze Verachtung der unergründlichen Erbar-mung, welche der Vater in seinem eingebornen Sohne uns anbietet, und dieses selbst-genügsame Vertrauen auf seine eigene Gerechtigkeit ist dem Geiste des Christenthumsschroff entgegengesetzt, der tiefste Widerspruch gegen dessen innerstes Wesen, ist dievöllige Umkehr deS Verhältnisses, in welchem das Geschöpf zu seinem Schöpfer, derSünder zu dem heiligen Gölte steht. Diese Lehre aber, daß der Mensch sein eigenerErlöser sey, ist die Grundlage der neuen Secte, und dadurch steht sie in innigerVerbindung mit jener ersten teuflischen Lüge, aus der alle Sünde entsprungen ist.Damals sprach der Lügner von Anbeginn zu dem Menschen: Du wirst dein eigenerGott seyn; und jetzt heißt es: Du wirft dein eigener Christus, dein eigener Erlöserseyn. Jesum Christum den Welterlvser brauchest du nicht. O unglückseligerZustand eines Menschen, der dieser Lüge glaubt, der den berauschenden Becher deSgeistigen Hochmuthes in sich hinabtrinkt und in stolzer Selbstgenügsamkeit den gött-lichen Erlöser seiner Seele von sich stößt und sich selbst sein Heiland zu seyn träumt,indeß auf ihn das Wort deS Herrn Anwendung leidet: Du sprichst, ich bin reich,habe Ueberfluß und bedarf nichts, und weißt nicht, daß du elend und erbärmlich bist,und arm und blind und nackt?

(^nsetzung folgt.)

Berichte über Missionen.

Kiederich, 15. April. Ich bin Ihnen und Ihren Lesern noch einen kurzenBericht schuldig über den Fortgang und Schluß der hier abgehaltenen Mission.Wenn schon gleich von Anfang Niemcuiv, der das katholische Volk des RheingaueSnäher kennt und genau von einigen Schreiern zu unterscheiden weiß, an einemschönen Erfolge zweifelte, so wagte doch Keiner die schönen Hoffnungen zu hegen,die sich verwirklicht haben; auch die kühnsten wurden weitaus übertreffen. Von Tag