Ausgabe 
11 (25.5.1851) 21
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dächtigt worden, daß man sich sogar nicht scheut, den, seiner Abstammung nach Ehr-furcht gebietenden Namen Jesuiten als die schimpfliche Nebenbezeichnung für solcheverwerfliche Menschen zu gebrauchen, welche unter dem täuschenden Scheine edlerAbsichten schlechte Zwecke verfolgen. In welcher empörenden Weise diese schmählicheEntehrung des von der katholichen Kirche einer durch sie eingesetzten Anstalt verliehe-nen Namens zugleich sowohl den Namen des heiligen Stifters des Christenthumsentheiligt, als die katholische Kirche der Verachtung Preis gibt, soll hier eben sowenig ausgeführt werden, wie auch die UnHaltbarkeit aller Gründe, durch welcheman die Verfolgungen der Jesuiten zu rechtfertigen sucht. Je mehr eS gelang, daSWirken dieses Ordens der eigenen Beurtheilung des unbefangenen Publicums zu ent-ziehen, desto leichter war selbstredend die Häufung aller erdenklichen Verunglimpfungen.Daher wird eS erklärlich, wie noch in der jüngsten Zeit das deutsche Parlament zuFrankfurt in die zur. Beglückung des gesammten deutschen Vaterlandes aufgestelltenGrundrechte der Volksfreiheiten den Satz aufnehmen konnte, daß dieJesuiten und andere katholische Orden für ewige Zeiten ausDeutschland verbannt bleiben sollen. Dieser Beschluß, gefaßt vonden als frei gewählt betrachteten Vertretern der, einer freien Selbstregierung fähiggehaltenen deutschen Nation, war ein Blatt aus demjenigen Kranze der Freiheiten,den gleich beim ersten Ausbruche der Stürme des Jahres 1348 die deutschen Frei-heitsherolde (von Struve und Genossen im Vorparlamente zu Frankfurt ) jubelndemporschwangen und welcher mit Aufhebung der stehenden Heere begann, so wie nachvielen anvern Aufhebungen mit Aufhebnng der erblichen Monarchieen schloß.

Als nothwendiger Theil der erstrebten und mit so schweren Opfern erkauften,allseitigen Freiheiten wurde also von den Vertretern eines Volkes, dessen Charakter-Festigkeit, Ehrenhaftigkeit und Gerechtigkeit so vielfach gerülnnt wird, die ewige Ver-bannung der Mitglieder kirchlicher Institute erklärt, welche die vielen MillionenKatholiken mit ihrer Kirche als deren glänzende Zierde und mächtige Stütze zu ver-ehren berechtigt und gewohnt waren.

Wie Gott einst nach dem Sündenfalle die ersten Menschen aus dem Paradieseverbannt hatte, so wollten nun deren Nachkommen Gottes Diener und mit ihnenseine Kirche und ihn selbst wenigstens aus Deutschlands Gauen verbannen. Sterb-liche Menschen maaßten sich in solcher Weise eine Verfügung an, welche wie GotteSStrafgerichte ewig dauern sollte, und sie scheuten sich hiebei nicht der lächerlichenInkonsequenz, die Verbannung vieler Diener der katholischen Kirche als Mittel zurSicherheit des Eigenthums und der Personen, wie zur Begründungdes Wohlstandes, der Bildung und der Freiheit für Alle, ohneUnterschied der Geburt, des Standes und des Glaubens zu erklären.

Die hochherzige, freisinnige deutsche Nation gestattete Allen, sich zu allenerlaubten Zwecken zu vereinigen; sie gestattete Allen, AlleS durch Wort und Schriftungehindert zu lehren, auch von dem Schlechtesten fürchtete sie keinen Mißbrauchdieser Freiheiten, nichts schien ihr gefährlich, nichts verderblich, als nurkatholische Orden, deren Beruf es ist, die Menschheit über ihre Bestimmung aufErden zu belehren. Daher mußten diese Orden jener allgemeinen Freiheiten verlustig,ja selbst ihre Eristenz für unzulässig erklärt werden.

Bewußt oder unbewußt, machten Alle, welche sich an jenem Verbannungs-Decrete betheiligten, sich zugleich des frevelhaftesten Angriffes auf die katholische Kirche ,ihrer schmählichen Entehrung und Knechtung schuldig.

Die Kirche aber und ihre Orden warteten duldend aus die Dinge, die da kom-men würden, fest vertrauend auf die unerforschlichen, aber ewig weisen Fügungender göttlichen Vorsehung und wohl wissend, wie wahr immer der Satz bleibt, daßder Mensch bloß denkt, Gott allein aber lenkt. Und wahrlich Gott hat in wunder-barer Weise die Geschicke jener Verbannten, wie auch der Verbannenden gelenkt.Schwer sind die Letztern getäuscht worden in den Erwartungen, die, wenn auch vonVielen in milder Form aufgefaßt, doch auf nichts weniger gerichtet waren, als auf