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Bekanntlich war das Mittelalter nicht so schreibfertig, wie unsere Zeit, amwenigsten auf dem Gebiebe der Kunst: man bediente sich der Lapidar-Schrift imeigentlichsten Sinne des Wortes, man schrieb durch Bauten und Kunstwerke. Somüssen denn die auf das Bauhüttenwesen speciel bezüglichen Urkunden, von welchennur sehr wenige vor die Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts zurückreichen, mit denDenkmälern und dem Gesammtleben des MittelalterS zusammengestellt werden, umeiniger Maßen ein Bild des Gegenstandes zu gewähren. Was zunächst die Urkundenanbelangt, welche offenbar nur das Althergebrachte firiren sollten, so kann ich nichtumhin, den Wunsch laut werden zu lassen, daß der bei dem geehrten Veteranenunserer nationalen Kunst, Herrn Sulpiz Boisser6e, beruhende Schatz recht bald Ge-meingut werde. Bis jetzt ist die reichste Sammlung die von' Georg Kloß zum Zweckeder Aufhellung der Geschichte der Freimaurerei veranstaltete; 5) auffallender Weisescheint Schnaase in seiner Darstellung des Hüttenwesens *») keine Notiz davon genom-men zu haben. Alle diese Steinmetzen-Satzungen, von der ältesten bekannten, durchHalliwell publicirten englischen auS dem vierzehnten Jahrhundert (die Yorker von926 darf unbedenklich ins Reich der Fabel verwiesen werden) an, durch die straß-burger Ordnung von 1459, die Torgauer von 1462, die Baseler von 1497, dassogenannte Bruderbuch von 1563, die querfurter Ordnung von 1574 hindurch, erge-ben, daß praktische Religiosität, Sittlichkeit und Ehrbarkeit als die Grundpfeiler derHütte angesehen wurden.
Ihre Mitglieder, die Meister, Parlirer und Gesellen waren, als Ganzes, derHaupthütte untergeben, deren Vorsteher, als „oberster Richter deS Steinwerkes", inletzter Instanz der autonomisch constituirten Genossenschaft Recht sprach. SolcherHaupthütten gab eS vier im deutschen Reiche: die Hütten zu Straßburg, zu Köln ,zu Wien und zu Zürch , welcher letzteren indeß die Berner den Rang streitig machte.Die erste Stelle behauptete fortwährend die straßburger Hütte, deren Gebiet, wie esin ihrer Ordnung heißt: „den Rheinstrom von Konstanz hinab bis gehn Coblenz, undwas obwendig der Mußel ist, und Frankenland und Schwabenland" umfaßte. DaSBruderbuch, welches in dieser Hütte lag und periodisch gelesen weiden mußte, beruftsich zum öfteren auf päpstliche und kaiserliche Bestätigungen, deren letzte Kaiser Karl VI.im Jahre 1713 ertheilte. Die Loßreißung StraßburgS vom deutschen Reiche machteallererst jener Herrschaft ein Ende, welche Mainz vergebens an sich zu bringen trachtete.Ein ReichStagsbeschluß von 1727 untersagte förmlich jeden Verkehr mit der Hütte zuStraßburg , einstmals dem strahlendsten Sterne am deutschen Kunsthimmel. Sogeht der Verfall der Kunst mit dem der Nationalität Hand in Hand!
(Schluß folgt.)
(Aus dem Aachener „Echo der Gegenwart.")
Kein Wort hat seiner Abstammung nach mehr Anspruch, nur zur Bezeichnungeines erhabenen, verehrungswürdigen Gegenstandes gebraucht zu werden, als derName Jesuit , weil dieser Name unmittelbar abgeleitet ist von dem heiligsten NamenJesu, in welchem sich nach der heiligen Schrift beugen sollen alle Kniee im Him-mel, auf Erden und unter der Erde. Mit Recht erwartet man daher Großes voneiner Genossenschaft, welcher die römisch-katholische Kirche den Namen Jesuiten oder Gesellschaft Jesu deßhalb beigelegt hat, weil deren Bestrebungen Vorzugs,weise auf die allseitige Verbreitung der wahren Lehre Jesu gerichtet sinv. Die füreinen so erhabenen Zweck gestiftete Genossenschaft ist aber, so lange sie bestanden hat,den manchfachsten Verfolgungen ausgesetzt und ihr Wirken in so hohem Grade ver.