Eilfter Jahrgang.
Sonntags-Beiblatt
zur
Augsburger Pojtzeitung.
31. August
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SS.
1851.
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So nahe bei Heidelberg wollte ich mich die Mühe nicht verdrießen lassen, dasWirken der Missionäre, worüber so mancherlei boshaft und dummgläubig gefabeltwird, persönlich und in der Nähe anzusehen. Schon auf der Eisenbahn konnte ichwahrnehmen, daß das Erscheinen der Jesuiten in Heidelberg die Gemüther des Vol-kes weithin ergriffen haben müsse, indem einige im Wagen sitzende Conducteure diePredigten zum Gegenstande ihrer DiScussion gemacht hatten. „Ich versichere euch,sprach einer, die Rede, welche ich gehört, kann Jeder hören, er mag glauben waSer will." — „Ja, so machen sie's immer am Anfange, bis sie die Leute kirr gemachthaben; warte nur bis zum Ende, da wirst du noch schöne Sachen hören." DieseSchlußrede, wie eS mir schien von dem Vorgesetzten der Conducteure herrührend,machte dem mir interessanten Gespräche ein Ende; das AuS- und Einsteigen derPassagiere brachte die Leute auseinander und nur der Eine, dem die Rede der Je-suiten zugesagt hatte, befand sich noch bei mir im Wagen. Auf mein Befragenunterrichtete er mich gern, daß die Patres Haßlacher, von Zeil und Roh dieMission abhielten und zwar vierzehn Tage lang mit drei Predigten täglich; und daßdie Leute recht fleißig hineingehen, wenn auch das „Frankfurter Journal" daS Gegen-theil mittheile. Ich erfuhr so noch Manches über die Mission, das ich jedoch nichtanführen will, weil eS mir in dem Munde meines Gewährsmannes nicht bestimmtgenug scheint. Das aber bewies mir diese Unterredung, daß die Begierde ihr Heilzu wirken noch in vielen Menschen vorhanden ist und nur angeregt zu werden braucht,trotz aller Bemühungen, die sich Bosheit und Unglaube in unsern Tagen gegebenhaben, um die Menschen, namentlich der untern Classen von Gott abzuwenden.
So kamen wir in Heidelberg an und ich mußte mich sehr eilen, um zur erstenPredigt zurecht zu kommen. Trotz dem Festtage Mariä Himmelfahrt und der Abhal-tung der Mission merkte ich in diesem Theile der Stadt wenig davon. Es ist diesesein trauriges Vorrecht der gemischten Gemeinden; während die Einen ihren Gottlobpreisen, verrichten die Andern die lärmendsten Handthierungen, und so war esauch insbesondere störend während der Predigt, daß das Geräusch einer nahenSchmiede jedes Wort auf eine höchst unangenehme Weise begleitete. Erst in derNähe der Kirche war auch der äußere Eindruck eines katholischen Feiertages nicht zuverkennen. Soldaten in ihrer besten Uniform blank aufgeputzt, ehrsame Bürger inihrem Sonntagsstaate, die Männer aus dem nahen Neckarthale von Schlierbachund Ziegelhausen , mit den langen dunkelblauen Röcken, die Weiber halb städtischhalb ländlich herausstaffirt und darum oft unschön, aber doch festtäglich gekleidet,die Bauern aus dem Odenwalds im blauen Camisol und mit der Pelzmütze trotz derfast unerträglichen Hitze, ihre Weiber mit den dunklen Mützen und faltenreichen