Ausgabe 
11 (31.8.1851) 35
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allen Denen verzieh, die ihn beleidigt, die ihm persönliche Schmach zugefügt haben,da blieb kein Auge thränenleer. Ich konnte auch nicht widerstehen, obschon ich nichtleicht weine; solch' gewaltigen Eindruck der Rede hatte ich noch nicht erfahren, undich schäme mich dessen nicht. Gewiß Tausende haben in diesem Augenblicke mit mirdaS Gelübde gethan sich an ihren Feinden nicht zu rächen, sondern ihnen zu verzeihen,wie auch wir von Gott dereinst Verzeihung hoffen.

Lassen Sie mich hier schließen. Ich kehrte vollkommen befriedigt zurück undbedaure nur durch meine Geschäfte gehindert gewesen zu seyn, auch die dritte Pre-digt zu hören, die Pater Roh halten sollte. Dann bitte ich wegen meiner Aus-führlichkeit um Entschuldigung und werden Sie mir solche wohl angedeihen lassen,da Sie mit mir gewiß der Ansicht sind, daß durch solche Missionen die religiöse undsomit auch die politische Regeneration der Menschheit angebahnt und durchgeführtwerden kann. (M. I.)

Die Kirche und drei Gegner derselben.II.

Die Revolution ist aber nicht die einzige Gegnerin, welche mit frisch aufge-raffter Kraft gegen die Kirche in die Schranken tritt. Der Protestantismus stelltsich ihr als Kampfgenosse hie und da zur Seite, und appellirt an die Macht, dieihn bisher getragen, die aber so unmächtig wie er selbst geworden ist, an den glau-bensindiffererten, durch das ätzende Gift der Revolution an Knochen und Mark ange-fressenen Staat. Zagend nur wagt er an gewissen Orten zur Aufrichtung derStandarte eines protestantischen Militärstaates zu rathen; noch bescheidener ist derRath, welchen die Pastorenconferenz in Berlin gegeben hat, neben den Missionenunter Juden und Heiden auch besondere protestantische Misstonen in katholischen Lan-den zu begründen; kühner tritt er da auf, wo der Staat noch kräftiger ist, in Eng-land und Schweden . Die Verfolgung der Katholiken in dem letztern Lande stehtin solchem Widerspruche mit dem gesammten Tagesgelärm über politische und confes-sionelle Freiheit, daß man glauben sollte, eS werde in allen Landen und GegendenEuropa'S ein einstimmiges Anathema über den Eingriff in ein solches sogenanntesUrrecht der Menschheit ausgesprochen und die Glaubensbarbarei in Schweden an denPranger der öffentlichen Verdammung, vielleicht selbst durch ein Manifest des Revo-Iutionscomit6's in London , gestellt werden. Allein diese Leute kennen ihre Kampf-genossen gegen den gemeinsamen Feind zu gut, und hüten sich wohl, dieselben inihrem blinden Fanatismus mit ärgerlichen Lehren über Indifferenz in Glauben undSitten in Verfolgung ihres, der Revolution mittelbar oder unmittelbar förderlichenZieles zu stören; sie lassen sie darum ruhig gewähren, und schweigen. Und mit ihnenschweigt der ganze Chor solcher im protestantischen Heerlager, welche zu modernenToleranzpredigern sich aufgeworfen haben, und eine Versetzung dieser Toleranz schondarin finden wollen, wenn ein Katholik es wagt, ihre Projecte über eine äußereVerkittung von Katholicismus und Protestantismus mit sanfter Hand bei Seite zuschieben und ihnen die einzige Standarte noo siAno vinLes zu zeigen, unterwelcher der Sieg möglich ist, die auf dem Felsen Petri ruhende Kirche.

Der AnglicanismuS mit allem seinem Mammon, seiner Verkörperung miteinem mächtigen Staate, seinem Hasse gegen die katholische Kirche hat bei der durch-greifenden Schwäche und Abstumpfung seines geistigen Sinns und Wesens nicht dieKraft, die in seinem Schooße aufwogende katholische Bewegung zurückzudrängen.Die letzten Abstimmungen im Parlamente, namentlich das Verbot der Verkündigungvon Erlassen des kirchlichen Oberhauptes denn hierauf allein war im Grunve derTheisinger'sche Antrag gerichtet beweisen zwar, daß er gesonnen ist, die letztenReste der übriggebliebenen Kraft in den Kampf zu tragen; sie werden aber wederden Gegner, der andern Gefahren kühn ins Auge schaute, einschüchtern, noch seinen