Ausgabe 
11 (28.12.1851) 52
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des Werkes, noch mehr aber von dem innern Antrieb des heiligen Geistes, durchganz Frankreich für die Dauer von zwei Wochen öffentliche Gebete für England an-ordneten. Außerdem noch haben sich alle Bruderschaften des unbefleckten HerzensMaria, die von jener in Paris abstammen, für dieses Werk eingeschrieben. UndIrland, Belgien, Spanien, Deutschland und die Katholiken der andern Nationenhaben ebenfalls die edelste Bereitwilligkeit gezeigt, sich diesem großen Unternehmenanzuschließen, mit Beseitigung aller nationalen und bürgerlichen Differenzen und Ab»Neigungen. Und der Herr hat nicht ermangelt und ermangelt auch jetzt nicht, soviele Gebete für einen so hohen Zweck zu erhören. Zum Beweis hiefür dient, waSsich zur Zeit jenes Rundschreibens des Cardinal Wiseman zutrug; denn eS geschahfast unmittelbar nach den von den Bischöfen Frankreichs angeordneten Gebeten, daßman eine berühmte Persönlichkeit, deren Namen wir aus würdigen Rücksichten ver-schweigen, mit seinen Genossen in den Schooß der Kirche zurückkehren sah. Auchwar eS gerade beim Beginne dieses Werkes, als man jene Bewegung zum Katholi-cismus auf der Universität Orford bemerkte, die so berühmt geworden ist nicht blosin jenem Lande, sondern wir können sagen, in der ganzen Welt; so daß man vonda an bis jetzt mehr als 200 Geistliche der anglicanischen Kirche zählt, die zurkatholischen Einheit zurückgekehrt sind, außer einer großen Zahl Laien auS den höch-sten Ständen, wie unS fast jeden Tag in den öffentlichen Blättern berichtet wird.

V. Wohl können auch andere Ursachen zu einem so glücklichen Erfolge mitge-wirkt haben, aber nichtsdestoweniger ist eS gewiß, daß auf die Gebete immer solcheBekehrungen gefolgt sind, so daß man mit Grund annehmen kann, diese seyen dieFrucht jener gewesen. Weßhalb wir immer größere Erfolge hoffen können, wenn wirKatholiken uns alle vereinigen, zum Herrn zu beten, der ohne alle Hilfe menschlicherWeisheit durch seine Gnade schon so merkwürdige Bekehrungen bewirkt hat. DerErfolg deS Gebetes ist unfehlbar gewiß, wie unS Jesus Christus unser Herr imEvangelium versprochen hat, besonders wenn eS mit guten Sitten vereint ist, welchesdaS zweite allgemeine Mittel ist, daS wir für diesen Zweck vorschlagen. Wenn wirKatholiken mit Eifer nach jener Heiligkeit strebten, die unser geliebter Erlöser vonunS fordert, dann würden jene Porurtheile verschwinden, die unsere getrennten Brü-der gegen unS haben, dann würden wir, auch wenn wir schweigen, die eindringlich-sten Predigten halten, viel beredsamer, als die bestgegliederten Reden. Auf vieseWeise haben die ersten Christen die Heiden zum Glauben angezogen, die wenig nachden Beweisen fragten, aber erschüttert wurden von dem heiligen Wandel unsererBäter, wie eS die Geschichte bezeugt; sie erkannten die Christen nicht an ihren Wor-ten, sondern an ihren Werken, und pflegten zu sagen:Sie sind gütig, sie sindbarmherzig, also sind sie Christen," zum hohen Ruhme für unsere heilige Religion!

VI. Laßt unS also, ihr Katholiken der ganzen Welt, uns erheben für diesesheilige Unternehmen, das sicher gelingen wird zur höchsten Verherrlichung Gottes undder heiligen katholischen Kirche, zur Freude der seligsten Jungfrau und Mutter GotteSMaria, der Engel und Heiligen im Paradiese, zu unserem eignen größten Verdienste,nicht blos für die selige Ewigkeit, sondern auch noch für dieses zeitliche Leben, wieeS unS der Herr im Evangelium versprochen hat:Suchet zuerst daS Reich Gottesund seine Gerechtigkeit, und alles Uebrige wird euch zugegeben werden." (Matth . 6, 33.)

VII. Es ist nicht die Absicht der Beförderer dieses Werkes, Gebete nach Zahlund Form vorzuschreiben. Sie erinnern blos daran, daß die Liebe solche Uebungeneinzugeben vermag, welche keine Feder beschreiben kann. Jedenfalls wird es sehr gutseyn, zu dem Ende Gott durch die seligste Jungfrau Maria alle Werke aufzuopfern,die wir verrichten, und so auch die geringsten und gleichgiltigsten Handlungen zuheiligen. Um jedoch den vom heiligen Vater verliehenen Ablaß zu gewinnen, ist esnothwendig, ein Ave Maria zu beten, oder irgend ein anderes frommes Gebet, daSfür den Zweck geeignet ist, wie aus dem Rescript des heiligen Vaters vom 9. Mai1350 hervorgeht. ES ist dieses ein Ablaß von 300 Tagen, den man so oft gewinnt,als man ein Ave Maria oder ein anderes Gebet verrichtet. (V. H.)