Ausgabe 
11 (28.12.1851) 52
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angekauft, wo sich nur irgend ein Bedürfniß herausstellte, wurde auf dessen Befrie-digung gedacht. Allmälig erschienen auch die Surrenden und Hirtenbriefe der hoch-würdigsten Ordinariate, womit sie die neue Mission und ihre große Aufgabe denGläubigen ihrer Diöcesen bekannt gaben, und sie zur Unterstützung derselben auf-forderten, und waS das Erhabenste und Trostreichste war, von allen Seiten meldetensich Männer, Priester und Laien, welche aus Liebe zu Gott und ihren Nächsten zurMitreise nach Chartum und zur Milwirkung an dem schweren Werke der Missionsich erboten. ES bedürfte keiner Ermunterung, keiner Anreizung, sondern im Gegen-theile mußte manches hochherzige Anerbieten zurückgewiesen werden, weil die physischeKraft zu fehlen schien, oder andere Gründe sich gegen die Annahme erhoben. Nurfünf Priester und drei Laien wurden vorläufig der Mission beigesellt. Auf solcheWeise schien für die gegenwärtigen Bedürfnisse der Mission in Chartum und für dieGründung der Mission im Lande der Bari genügend gesorgt, wenn gleich freilichauch hierin im Laufe der spätern Monate noch manche bedeutende Lücke sich heraus-stellte; allein noch drückte den Pater Knoblecher eine schwere Sorge. Wie stand eSum die Zukunft seiner Mission? Durfte sie auch in der Folge auf ähnliche Zuflüsserechnen, oder sollte er, falls dieselben versiegten, auf's Neue die langwierige Reisenach Europa antreten, und seine Gemeinde verwaist zurücklassen? Ohne die Hoff-nung fernerer Unterstützungen war sein Gebäude auf Sand gebaut, ein glänzenderAnfang, ohne auf ein lohnendes Ende rechnen zu können. Da berieth er sich miteinigen gläubigen Männern, und sie beschlossen, im Vertrauen auf den BeistandGottes und den unerschöpfliche» Glauben und den Liebeseifer des katholischen Volkes,einen Verein zu gründen, welcher, ähnlich dem Vereine zur Verbreitung des katho-lischen Glaubens in Frankreich, dem Ludwigsvereine in Bayern , dem Leopoldinen-verein in Wien, die Förderung der Mission in Centralafrika , die Bekehrung der Negerwie ihre Befreiung von den Gräueln der Sclaverci zum Zwecke hätte. Als Patronindes Vereines wurde die jungfräuliche Mutter des Herrn, die Mutter der Kirche,unsere und der armen Neger Mutter gewählt, dieselbe, deren Fürbitte die Erstlingeder Mission angerufen, daß sie den Tag ihrer Taufe erleben möchten. Am 3. Sep-tember, am Tage der Geburt Mariä wird daS Fest des Vereines gefeiert. AlSProtector deS Vereines wurde Se. Eminenz der durchlauchtigste Cardinal Fürst zuSchwarzenberg, Fürsterzbischof von Prag erbeten, auch sind bereits die Einleitungengetroffen, daß der Verein von Sr. Heiligkeit mit jenen Ablässen und Gnaden aus-gerüstet werde, welche ähnlichen Unternehmungen verliehen zu werden pflegen, damitersichtlich werde, daß eS sich um ein Werk der christlichen Barmherzigkeit im GeisteGottes und seiner Kirche handle, und damit jeder Einzelne, der für dasselbe thätigist, wisse und bekenne, daß all sein Wirken eitel und nutzlos sey, wenn eS nicht vonder Gnade Gottes und dem Verdienste Christi getragen und gehoben wird. DieMittel des Vereines sind milde Beiträge und Gebete. Man wird Mitglied desselben,wenn man auch nur einen Beitrag von 5 kr. des Monates leistet, in der Verpflich-tung zum Gebet sind alle Mitglieder einander gleich. Ein Comite, dessen Gliedervom Protector bestätigt seyn müssen, besorgt die Angelegenheiten deS Vereines unddie Vorladung desselben mit der Mission, deren Agenten in Europa er vorstellt.Die Vereinsstatuten sind übrigens dem gegenwärtigen Aufrufe beigefügt. NachdemPater Knoblecher auch diese Angelegenheit geordnet hatte, verließ er Wien im Junil. I., und begab sich über München und Innsbruck , an welchen beiden Orten erabermals ansehnliche Unterstützungen erhielt, nach Rom . Innigst erfreut war derheilige Vater in seiner alle Kirchen deS Erdkreises umfassenden Sorgfalt über dieneuen Aussichten der schon für verloren gehaltenen Mission von Centralafrika undüber die Liebe und den Eifer, die Oesterreich und Deutschland für die Sache desGlaubens gezeigt hatten: über eine Stunde dauerte die Audienz, welche er am10. August d. I. dem Bringer der frohen Kunde bewilligt hatte. Die Aufhebungder Mission wurde zurückgenommen, Pater Knoblecher zum apostolischen Provicarernannt, und neuerdings mit der Leitung deS VicariatS beauftragt. Nun konnte