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des Bestandes der Mission für die Zukunft handelt eS sich darum, die Vorschüsse zutilgen, welche in der letzten Zeit Behufs deS bereits erwähnten Ankaufes zweierNilschiffe und deren vollständiger Ausrüstung gemacht werden mußten, und in Char-tum ein HauS frommer Frauen zu gründen, welche die gleiche Sorgfalt, welche die
^ Missionäre den von ihnen losgekauften Negerknaben widmen, den armen Negermäd-chen widmen würden, welche bis jetzt dem doppelten Elende deS HeidenthumS undder Sclaverei hilflos überlassen werden mußten. Darum ist unsere Bitte auch ganzvorzugsweise an die gläubigen Frauen gerichtet; sie sind Mütter, und werden darum
'die armen Kinder der Neger nicht in der Noth verlassen, sie bedürfen des Schutzesund der Fürbitte unserer himmlischen Mutter, und werden darum einem Vereine nichtferne bleiben, der unter deren besondern Schutz gestellt ist. Die Mission von Central-Asrika und unsere Mitbrüder, die armen Neger, denen sie gewidmet ist, nochmalsdem Schutze GotteS , der Fürbitte seiner jungfräulichen Mutter und der Hilfe allerGläubigen anempfehlend, zeichnen wir im Namen deS Herrn. — Wien , den 10. Okto-ber 1851. Das Comitc- des Marienvereins zur Unterstützung der Mission in Central«Afrika : A. Meschutar, I. Altmann, Moriz Graf FrieS, Carl v. Hammer, Dr. C. F.Hock, M. L. Horn», Dr. F. Hurter. vr. Marian Koller , Heinrich Graf O'Donell.
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Religiöses Leben in Tirol.
Zum Superior eines FranciScanerklosterS im Jnnthale kam zur Mittagszeit einWohlgekleideter Bauersmann und bat inständig um eine „Suppe". Da die äußereErscheinung deS ManneS eher Wohlhabenheit als Armuth verrieth, glaubte derPater an ihn die Frage stellen zu müssen, ob er denn wohl auch in Wirklichkeit sodürftig sey, daß er sich nicht einmal eine Suppe kaufen könne. Darüber wurde derBauer verlegen und rückte erst nach längerem Schweigen mit der Sprache heraus.„Ich bin," sagte er, „ein vermöglicher Bauer aus Obstaig im Oberinnthale. Ichhabe eine Wallfahrt nach Absam gemacht und mir gleich Anfangs vorgenommen,auf der Hin- und Rückreise um Alles, waS ich brauche, zu betteln, damit ich selbsterfahre, welch trauriges LooS den armen Leuten bescheert ist, und damit ich dann inZukunft desto lieber Almosen gebe." — Ein edler Entschluß, den ich meinerseits alseinen fernern Beweis für den tiefen religiösen Ernst unter dem Volke Tirols betrach-tete. Dieser sittliche Ernst ist überhaupt ein charakteristischer Zug der Bevölkerung,namentlich der Oberinnthaler, die wohl auch der äußern mißlichen Verhältnisse wegeneben nicht zum Scherzen aufgelegt seyn können. Besonders Priester haben Gelegen-heit, sich von dem hohen Ernste deS Volkes in religiösen Dingen zu überzeugen.An den Vigilien vor hohen Festragen wird auf vielen Dörfern von Seite der Erwach-senen bis 3 Uhr Nachmittags gefastet, die vierzig Tage der Fastenzeit kommt auchnicht ein Bissen Fleisch auf den magern Tisch deS Landmannes; an den höchsten Fest-tagen ist die Kirche von 4 Uhr Früh bis 1l) Uhr voll der Andächtigen, hingegenstehen die Gasthäuser leer. In der That ein kräftiger Kern, an dem sich unsere ver-gnügungssüchtigen und verweichlichten „starken Geister" spiegeln können. — AuS demGesagten wird begreiflich, daß sich in Tirol nur derjenige Priester halten kann, demeS mit seinem Berufe vollkommen Ernst ist. Während an andern Orten dem Geist-liehen manche Schwäche nachgesehen wird, findet er in Tirol die strengste Beurtheilung,so daß ihm, wenn er des Ehrgefühls noch nicht baar geworden, nichts anders übrigbleibt, als das zu seyn, wozu ihn der Herr berufen hat. Ein gutes Zeugniß fürVolk und Klerus.
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Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen.
VerlagS-Jnhaber: F. C. Kremer.