Ausgabe 
13 (2.1.1853) 1
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geborner Neuburger, deſſen Primiz in ſeiner Vaterſtadt ſeit 70 Jahren wieder dieerſte war, als Stadtpfarrer zum heil. Geiſt ernannt wurde Leonhard Mayr wurdenun Stadtpfarrer zu St. Peter und verwaltete dieſes Amt, ſo wie die Stelle einesDekans der Kapitel Neuburg und Burgheim, volle 47 Jahre mit apoſtoliſchem Eifer.Er war in jenen Zeitläuften, die über dieſe Kapitel hereinbrachen, die Stütze derkeimenden Pflanze der katholiſchen Kirche in dieſer Gegend und ſorgte mit väterlicherLiebe für ihr Gedeihen. Nicht gering waren die Schwierigkeiten, die er zu bekämpfenhatte. Die eben damals noch herrſchende Lehre Luthers, der Streit mit den Prädi-kanten, die unermüdet auf die katholiſche Religion und deren Diener ſchmähten, dieſchrecklichen Scenen des dreißigjährigen Krieges, der auch hier ſeinen Schauplatz hatte,Hunger und Seuchen, waren eben ſo viele Dornen ſeiner mühevollen Laufbahn, alsſie ihm Gelegenheit gaben, ſeinen Eifer und ſeine Standhaftigkeit im vollſten Maaßezu zeigen. Aber ſtark im Geiſte und ſtandhaften Muthes wandelte nicht nur ſelbſtauf dieſer Bahn, indem er ſich mit Feuereifer allen Zweigen der Seelſorge im Beicht-ſtuhle, am Krankenbette und auf der Kanzel, wo er durch ſeine prunkloſe, aber dieHerzen mächtig anſprechende Beredſamkeit ſich auszeichnete, widmete, ſondern auch nochſeine Amtsbrüder ſtärkte.

Es war nämlich im Frühlings-Kapitel des Jahres 1623, am 15. April, alsdie Mehrzahl ſeiner Amtsgenoſſen auf dem Lande ſich erklärten, wegen Zwiſtigkeitenund Zwietracht mit ihren Gemeinden, wegen zu geringen Einkünſten und Aenderungder Münze, ihre Stellung verlaſſen zu wollen und fortzuziehen. Dekan Mayr hielteine Rede von der Geduld, bat ſie mit Thränen von dieſem Entſchluſſe abzuſtehen,ermunterte ſie zur Ausdauer und verſprach ihnen, ihre Klagen dem Herzoge ineiner Vorſtellung zu überreichen. Gerührt durch vieſe Lebe und apoſtoliſchenEifer, gelobten ſämmtliche Geiſtliche ſtandhaft auszuharren, und ſo war er der Hirtſeiner Gemeinde, auch hier das Beiſpiel der übrigen Hirten und beſaß die Liebe unddas Vertrauen feiner Kapitularen bis zu ſeinem Tode im vollſten Maaße. Neben dergewiſſenhafteſten Erfüllung ſeiner Berufspflichten beſtrebte er ſich auch vorzüglich, diewaährend der Reformations⸗ und Kriegszeiten in Verfall gerathenen Kirchen wiederempor zu bringen und zu verhertlichen, wozu er alles verwendele, wäs er von ſeinempfarrlichen Einkommen, das damals noch ſehr unbedeutend war, erübrigte.

So ſtellte er die ihres Daches beraubte und dem völligen Untergange nahendeSt. Andreaskapelle wieder her, der eingefallene Thurm ſeiner Pfarrkirche wurdegrößtentheils auf ſeine Koſten, ſo wie wir ihn gegenwärtig ſehen, aufgeführt, undbei dem Baue der St. Martinskapelle in Neuburg arbeitete er ſelbſt eigenhändig mit.Als 1632 das Kirchlein des heil. Veit in Treidelheim von den Schweden gaͤnzlichverwüſtet, das Zimmerholz herausgeſchlagen und verbrannt wurde, ja ſogar zur Zeitdes Proteſtantismus ſchon zu einem Wohnhauſe mit zwei Wohnungen umgewandeltworden war, ſo nahm ſich auch hier Leonhard Mahyr dieſer Kirche an; ſobald es dieZeit geſtattete, entſchloß er ſich zur Erbauung derſelben, nachdem bereits der DekanGeorg Wagner zu Renardshofen dieſelbe ſammt dem Platze, Garten und Zugehörum 32 fl gekauft hatte; aber an der Ausführung des guten Werkes der Auferbauungdurch ſeinen Tod am Montag nach Quinquageſtma 1639 verhindert wurde ZurBeſtreitung der erforderlichen Baukoſten hiezu verkaufte Mayr am 2. Dezember 1689den hiezu gehörigen Garten an Peter Utz um 30 fl., verwendete den halben Theil zumBaue, gab den andern halben Theil dem Meßner, ber zehn Jahre unentgeldlich gedienthatte, und gab überdieß noch 120 fl. zur Erbauung des Kirchleins her, wie dießeine von Dekan Mayr ſelbſt geſchriebene Erzählung nebſt Kaufbrief darthut. Ebenſo ließ er im Jahre 1688 Golt und ſeinem hochgeehrten Patron zu Ehren den Chordes Kirchleins zu Leisacker, einer Filiale der Pfarrei Bittenbrunn, um die Summevon 100 fl. von Neuem erbauen.*) Er hielt ſich ein eigenes Tagebuch, das noch

Siehe Dekanatsbuch des Capitels Burgheim 1798 gütigſt mitgetheilt von Herrn DekanAnton Paula.