Ausgabe 
13 (2.1.1853) 1
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vorhanden ist und worin er nicht nur eine genaue Aufzählung der merkwürdigenEreignisse der Stadt, sondern auch seiner Pfarrei, alle derselben gemachten Vermächt«nisse, gestifteten Jahrtäge ,c. verzeichnete.

Einen glänzenden Beweis seines hellen Verstandes und seiner Nächstenliebe gaber dadurch, daß er eS wagte, laut gegen die unmenschlichen gräuelhaften Herenpro-cesse, wie sie damals Sitte waren, seine Stimme zu erheben, um diese Unglücklichenzu retten, und schon dadurch allein steht er als Heller Glanzpunct in der Nacht daund verdient der Nachkommen Hochachtung. Er bot, um diesen Unmenschlichkeiten einEnde zu machen, Alles auf und verfaßte zwei Schriften hierüber, welche den Titelführen:Bedenken welche Leonhard Mayr Pfarrer zu St. Peter wegen Görg Müllersextrs juäioilll revoostione.? gethan und darin fürS Andere, als er sonstcn sogar dieseSach durch viele Kalumnien an Ihre fürstl. Durchl. gebracht, seyn diese zwei Beden-ken verfaßt worden."

Am Schlüsse einer VisitationS-Relation vom Jahre 1630 beklagt er dieß mitfolgenden Worten:?roFi-<zssu8 eum gggis acinue perivulosu5, si ninil cliesnt «vcle-5igstioi, oommisssrii nimi5 eruäeliter proovclunt, si klivgnt sliczuiil, riormittunt c»m-nino jaoero in zczuslonlius» ut cliurnitste tempori8 8pe clvl'ioignt^ et clegperant."

Jammerschade daß diese zwei Bedenken nicht mehr vorhanden sind, wir würdendaraus ersehen, mit welchem Eifer dieser unermüdete Seelsorger sich dieser Unglück-lichen angenommen.

Um diesen verdienstvollen Mann noch näher zu kennen, stehe hier der Schlußeiner seiner Predigten, die er 1651 am Montage nach Oculi bei dem Jahrtage und

Spende des Herzogs Georg des Reichen hielt:......'. Zweitens, empfehle ich

euch bei diesem Nementc» meine selbst geringe Person demüthigst an. Ich bin gleichim Anfange der Reformation anno 1617 am Vorabend der heil. Apostel Peter undPaul Hieher gekommen, und seither beständig 34 Jahre hindurch bei euch geblieben;in vielen Widerwärtigkeiten, betrübten Zuständen, in der Thcurung, im Hungerund Kummer, in drei grassirenden Pestilenzen und andern gefährlichen Krankheiten,sonderlich durch lauter schwere KriegSjahre mit Leibs- und Lebensgefahr, bin nie voneuch gewichen, sondern durchaus verharrt. Alle Sonn- und Feiertage habe ich Amt,Predigt, Christenlehre und Vesper gehalten, die Sacramentc allein ohne Helfer ge-spendet. Es sind in diesem Zeitraume 2857 gestorben, habe auch außer der Pestzeit,allen Alten und Jungen eine Leichenerhortation, «wie auch bei den Siebenden undDreyßigsten Jahrtägen und sonsten bei 3500 Predigten gehalten, über 100 Büchleinund Traktätlein drucken lassen, habe bei 2500 Kinder als'eure Leibesfrüchte getauftund zu Erben Gottes gemacht. Ist mehr als die Hälfte in der Unschuld abgeschiedenund ohne Zweifel selig, welches mein größter Gewinn und Trost seyn kann. Ichhoffe dieselben im Himmel ewig zu sehen und weil derjenige, welcher ein Kind tauft,sowohl als die Gevatter, eine geistliche Verwandtschaft mit des getauften KindeSEltern bekommen, bin ich auch dießfalls fast mit euch allen versippschaftet, wie ihrmit mir. Mmentote, seyd meiner also eingedenk. Ich habe meine beste Jahreszeitund Kräfte bei euch zugebracht und eingebüßt, daher billig das Recht zu bitten, seydmeiner eingedenk. Hingegen wie uns allen Priestern in der hl. Messe zwei Mementoanbefohlen sind, eins für die Lebendigen und das andere für die Todten, so solltihr wissen, daß ich in 12000 heil. Messen, so ich allhier gelesen und wohl eben soviel gehört, 5) wie auch iu allen meinen Tagzeiten und Gebeten, Euer vor Andern,als mir anvertrauten Seelen, sonderlich eingedenk gewesen und hinfüro noch mitGottes Hilfe die übrige Zeit meines LebenS eingedenk seyn werde und dienen so langeich kann."

Aber auch seine Tage waren gezählt. Am 5. Juni 1665 starb dieser frommeund edle Mann, reich an Jahren und Verdiensten in einem Alter von 75 Jahrenund wurde in seiner Pfarrkirche bei St. Peter begraben. Nahe am St. Johannes-

-) Er wohnte täglich der ersten heil. Messe in der Hofkirche Morgens S Uhr bei.