Ausgabe 
13 (2.1.1853) 1
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Altar steht man seinen einfachen Grabstein mit folgender Inschrift:Lxo I.sor»sr6u,I^ls^r sscoräo5 vei, veipgrsequv 8ervulus indiznus, vixi so anno UVXL. Viver«clesii »llno IVuno jseeo in pulverem reversu8 meum. 1u Isotor 8tsn8,

noäie mea fgta iezi8, ers« torte jgoskis, o,uo6 tibi tune peteres, ksc mo6o, me<mejuvs pro me. kerventer ors, beno vive brevi 8equerv, clisoere vivere 6um viviz,ljiscere mori brevi moriturus." ^)

Zwei Jahre vor seinem Tode machte er eine Stiftung zu einem Jahrtage, dieeinen nicht unbedeutenden Beitrag zu seiner Charakteristik bildet. Sie lautet: .Memo-riale, betreffend ein Jahrtag bei der Pfarrei St. Peter allhier, für mich EndesUnterschriebenen."

Obwohl ich allbereit in der Pfarr St. Michael in meinem Vaterland für michund meine nächste Verwandte zu einem Jahrtag erkleckliche Mittel verordnet, auch beiden hiesigen FranciScanern, denen der meiste Theil meiner Bücher zukommen solle, zueinem Jahrgedächtniß ersprießliche Mittel verordnet, auch beider Pfarr und geistlichenBruderschaften 150 fl. angelegt, durch Unser Lieben Frauen Dreyßigst und hl. Advent-zeit die tägliche Litanei zu beten; also habe ich wollen allhier keinen weitern Jahr-tag stiften; sonderlich weil ich erfahren, daß zu Neuburg bei Haltung der Jahrtägc,auch für wohl verdiente Leute eine schlechte Andacht ist, und heißt: aus den Augen,aus dem Sinne. Weil ich aber bei dieser Pfarrkirche und Stadt gleich 1617, vomAnfang der Reformation, über 46 Jahre die Seelsorge und Gottesdienst allein inallen Sachen die beste Zeit meines Lebens zugebracht, und allda mein ewiges Ruhe-beltlein und Begräbnis) begehre, also vermache ich von meiner Verlassenschaft zu einemJahrtag 30 fl., die sollen am sichern Ort angelegt von dem ZinS in der Woche mei-nes AbsterbenS an einem gelegenen Tag mehr Messen gelesen, dafür den Priestern1 fl. dem Meßner 15 kr. und der Kirche 15 kr. bezahlt werden. Bitte bevnebenS eSwollen sich meine hochgeehrten Nachfolger an dieser so geringen Stiftung nicht ärgern,sondern beobachten aus ven von mir beschriebenen Acten dieser Pfarrkirche, was ichvon Jahr, zu Jahr theils prokurirt, theils auch ex propriis prästirt, endlich in denJahren, als die Kirch und Thurm von Neuem erbaut, ich 3 Jahr eine Uhr gehal-ten, über 1000 fl. hergegeben, viel Sorg, Mühe und Kümmerniß überstanden, diegeistlichen Bruderschaften helfen anstellen und fonpflanzen, über 150 kleine und großeTraktätlein drucken lassen, 6 Kapellen, welche die Unkatholischen zu Wohnhäuserngemacht, die Inwohner im Kriegswesen solche verlassen, die Soldaten ruinirt, wiederrestaurirt, theils dotirt und mit nothwendigen Paramenten eingerichtet. So habe ichferner bei dieser Pfarr nicht wenig leiden müßen, 3 Pestilenzen, schier immerwährendeKriegSpreßuren, ganze Armaden bei 10mal allhie logirt, Kontribution, Quartier,Theurung und HungerSnoth mehrmal gehabt. Im hohen Münz Valor 3 Jahr wenigempfangen, item das Korn alles erfroren. Im Krieg 163133 gar schlechter Em-pfang, 163537 jährlich nur 100 Thaler, wie jeder Priester auf dem Land, andernviel Jnkommodität zu geschweige,,, und immerwährenden großen Anlauf von allhiesigenund fremden Armen, bei allen diesen oft und sonderlich in meinem Alter ein schlechtenDank und Erkenntniß gespürt. Verhoffe aber, von meinem großen Gott und Herrn,ohne dessen sonderbare Gnade ich nichts vermöchte, neben den zeitlichen empfangenenGnaden und Gutthaten auch daS ewige Leben und Krone. Dieses meinen Nachkom-menden pro iokoringtione. Neuburg 16. Aug. 1663. Leonhard Mavr, Pfarrer zu St. Peter."

Nebst diesem stiftete er einen Jahrtag zu Traidlheim, der jährlich am 17. Junigehalten wurde, vermachte dem Jesuiten -Collegium 30 fl. und einige seltene Bücher,o wie den armen Studenten 100 fl. und 134 Bände zur Benützung.

So war in Kürze das seelsorgliche Wirken eines Manneö beschaffen, der gewißverdient, der Vergessenheit entrissen zu werden. C. Boehaimb.

') Die Pfarrkirche zu St. Peter in Neuburg . Neuburger Collectaneenblätter XVII. Jahr-gang, 1851.

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