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.y»»s,p7(!v^ nw^kinEnicht selbst getäuscht ist; ob er die Frage mit aller Aufmerksamkeit, deren er fähig ist,erwogen hat und ob er hauptsächlich sich durch den Stolz nicht hat verblenden lassen;denn für den Stolz gibt eS keine Gnade.
Aber hierum handelt eS sich in der That nicht; man verrückt den Standpunctder Frage, um sie zu verwirren. Es handelt sich keineswegs darum, waS ein Mensch,der im guten Glauben auf dem Wege der Wahrheit zu seyn glaubt, zu erwartenhat, wenn er sich in Wirklichkeit auf dem deö Irrthums befindet; noch einmal, Gott wird ihn richten, und eS ist höchst sonderbar, daß wir so große Furcht haben, Gott wisse nicht aller Welt gerecht zu werden. ES handelt sich darum, und nur einzigallein darum, zu wissen, was dem Menschen obliege, der zu irgend einer Religionsich bekennt, und die Wahrheit an einem andern Orte erblickt. Dieß ist die Frage,und es ist weder vernünftig noch ehrlich, sie umzuwandeln, um eine ganz gleichgiltigezu prüfen, da wir alle darüber einig sind, daß ein Mensch, der seine Religion ohneUeberzeugung ändert, ein Feigling, ja selbst ein Schurke ist.
Dieß angenommen, wer würde so vermessen seyn, zu behaupten , daß der Mensch,dem sich die Wahrheit offenbart, dieselbe hartnäckig von sich weisen soll? ES gibt nichts 'so furchtbares als die Herrschaft eines falschen Grundsatzes, welche auf einem unSliebgewordenen Vorurtheil sich befestigt hat; mittelst der mündlichen Verbreitung wirder eine Art Orakel, welches sich die besten Geister unterwirft. Zu dieser Zahlgehört derjenige, welchen ich in diesem Augenblick prüfe: er ist daS Kissen, welchesder Irrthum erfunden hat zur Ruhe des KopfeS und zum bequemen Schlaf.
Die Wahrheit ist, was man auch immer sagen mag, nicht so schwer erkennbar.Jeder ist ohne Zweifel vermögend „Nein" zu sagen, aber daS Gewissen ist unfehlbarund sein Stachel läßt sich wever entfernen, noch abstumpfen. WaS thut man also,um sich bequem einzurichten, und um zugleich der Trägheit zu genügen, die nichtprüfen will, und dem Stolze, der nicht widerrufen will? Man erfindet den Grundsatz,daß kein Ehrenmann seine Religion ändern dürfe, und hiermit beruhigt man sich,ohne bemerken zu wollen, waS doch so einleuchtend als möglich ist, daß diese schöneRedensart zugleich widersinnig und gotteslästerlich ist.
Eine Abgeschmacktheit! denn kann man sich wohl etwas Ungereimteres, derNatur eines vernünftigen Wesens Widersprechenderes denken, als das bestimmte undim Voraus abgelegte Glaubensbekenntniß, die Wahrheit zurückzuweisen, wenn siefich darbietet? Man würde denjenigen ins Irrenhaus schicken, welcher eine solcheVerpflichtung in Bezug auf menschliches Wissen einginge; aber mit welchem Namensoll man denjenigen bezeichnen, der sie in Rücksicht auf die göttlichen Wahrheiteneingeht?
Welch eine Gotteslästerung! denn eS ist buchstäblich ganz dasselbe, als wennman ausdrücklich zu Gott sagte: „Ich lache über daS, was du sagst; offenbare soviel, als du willst: ich bin als Jude, Mohamedaner, Götzendiener u. f. w. geboren,ich will es bleiben. Meine Richtschnur in diesem Puncte ist der Breiten- undLängengrad. Magst du auch immer daS Gegentheil befohlen haben, mich kümmerteS wenig." i.'i nvitzilz^
Sie lachen, gnädige Frau! es ist hierbei weder Uebertreibung noch rhetorischeFigur, es ist die reine Wahrheit; urtheilen Sie darüber mit ruhiger Ueberlegung.In Wahrheit, eS handelt sich hier um ein nichtiges Ehrgefühl und eine Verblendungdes Stolzes in einer Angelegenheit, welche daS Gewissen und daS Seelenheil betrifft.
Ich bleibe aber hierbei nicht stehen, ich mache mich anheischig zu beweisen,daß selbst die Ehre, wie wir sie in der Welt auffassen, sich keineswegs einemReligionswechsel entgegenstellt. Zu diesem Zweck müssen wir auf den Ursprungzurückgehen.
ES sind jetzt achtzehnhundert Jahre, seit eS in der Welt eine katholische Kirche gibt, die immer geglaubt hat, was sie jetzt glaubt. Ihre Gelehrten werden Ihnengesagt haben, daß wir Neuerungen eingeführt; achten Sie aber darauf, daß, wennwir wirklich Neuerungen eingeführt hätten, es jedenfalls befremden muß, wie vieler
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