Ausgabe 
13 (20.2.1853) 8
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dicker Bücher, die übrigens vollständig Seitens unserer Schriftsteller widerlegt sind,eS zur Beweisführung bedürfte. O mein Gott! Um zu beweisen, daß Sie Protestanten,die Sie erst seit gestern cristircn, wetterwendisch find, bedarf er nicht solcher Anstren-gungen. Eines der besten Bücher eines unserer größten Männer enthält die GeschichteIhrer Unbeständigkeit. Die Glaubensbekenntnisse folgten aufeinander, wie die Blätterauf den Bäumen einander folgen, und heute würde man in Deutschland gesteinigtwerden, wenn man behaupten wollte, daß die AugSburger Konfession, die doch daSEvangelium des ikten Jahrhunderts war, die Gewissen verpflichte.

Doch lassen Sie unS allen Schwierigkeiten entgegengehen, und mit der allenSchismen, die heute die Welt theilen, vorhergehenden Epoche beginnen. Im AnfangedeS Men Jahrhunderts gab eS in Europa nur Einen Glauben. Betrachten Sie diesenGlauben als eine Vereinigung der positiven Dogmen. Die Einheit Gottes, dieMenschwerdung, die Dreieinigkeit, die wirkliche Gegenwart; und um die Sache nochklarer zu machen, wollen wir annehmen, daß es fünfzig solcher positiven Dogmen gebe.Alle Christen glaubten also zu jener Zeit fünfzig Dogmen. AIS die griechische Kirche dieAusströmung deS heiligen Geistes vom Sohne und die Suprematie des Papstesläugnete, hatte sie nur noch acht und vierzig Glaubenspuncte, und Sie sehen daraus,daß wir immer das glauben, was sie glaubt, wenn gleich sie zwei Dinge läugnet,die wir glauben. Ihre Secten deS ißten Jahrhunderts gingen weiter und läugnetennoch mehrere andere Dogmen; aber diejenigen, welche sie beibehielten, haben wirmit ihnen gemein. Mit einem Worte, die katholische Religion glaubt alles, waS dieSecten glauben; dieser Punct ist unbestreitbar.

Diese Secten, wie sie auch immer beschaffen seyn mögen, sind also keine Reli-gionen; sie sind Negationen, d. h. nichts durch sich selbst; denn sobald sie bejahen,find sie katholisch.

ES folgt hieraus bis zur größten Evidenz, daß der Katholik, der zu einer Secteübertritt, in Wahrheit apostasirt, weil er seinen Glauben wechselt, und das heuteläugnet, waS er gestern noch glaubte, wahrend der Sectirer, der in die Kirchezurückkehrt, im Gegentheile keinem Dogma entsagt, uud nichts läugnet von dem, waSer glaubte. Er glaubt im Gegentheil daS, waS er läugnete, und dieß ist ein großerUnterschied.

In allen Wissenschaften ist es ehrenvoll Entdeckungen zu machen, und Wahr-heiten kennen zu lernen, die unbekannt waren. Sollte sonderbarer Weise die Wissen-schaft her Religion, die dem Menschen allein zu wissen nöthig, hievon eine Ausnahmemachen? Der Mohamedaner, der Christ wird, geht von einer positiven Religion zurandern über. ES kann also seinem Stolze Ueberwindung kosten, positiven Dogmenzu entsagen, und zu bekennen, daß derselbe Mahomet, den er als einen von Gott gesendeten Propheten betrachtete, doch nur ein Betrüger sey.

Ganz anders verhält eS sich mit dem, der von einer christlichen Secte zurMutterkirche zurückkehrt. Man verlangt von ihm nicht, einem Dogma zu entsagen,sondern bloß einzugestehen, daß eS außer den Dogmen, die er glaubt und die wirglauben, noch andere gibt, die ihm unbekannt waren, nichtsdestoweniger aber dochwahr sind.

Jeder verständige Mensch muß den ungeheuren Unterschied zwischen diesen beidenVoraussetzungen wahrnehmen.

Nun bitte ich Sie, Ihren Geist folgender Betrachtung zuzuwenden, die wohlder Aufmerksamkeit werth ist. Warum ist der Grundsatz, daß man nie seine Religionwechseln darf, bei uns wie eine furchtbare Gotteslästerung verdammt? Und warumist dieser Grundsatz wie ein EhrenauSspruch bei allen getrennten Brüdern geheiligt?Ich überlasse Ihnen die Sorge hierauf zu antworten.

Dieß ist eS, waS ich Ihnen über diese gewichtige Frage zu sagen hatte. Ichbediene mich, wie Sie sehen, weder deS Lateinischen noch deS Griechischen; ichappellire nur an den gesunden Menschenverstand, welcher so laut spricht, daß ihm zuwiderstehen unmöglich ist. Wenn Sie hierüber nur wenig nachdenken, so können Sie