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Arbeiter stets etwas von jener heidnischen Sclaverei beibehalten wird, welche daSst'ebor der Nächstenliebe verschwinden machen wollte. Es haben nicht die Menschendiese Feier des siebenten TageS eingesetzt, auch nicht der pn'esterliche Despotismus hatsie der Gesellschaft auserlegt: sondern es ist der Gründer der Gesellschaft selbst, derUrheber der Natur, welcher, nachdem Er alle Wesen geschaffen hatte, den Tag Gottesvon dem Tage deS Menschen trennte, diesen der Arbeit und Plage bestimmte und sichjenen vorbehielt zur Danksagung und zum Gebete, und unsern ersten Eltern eben-sowohl verbot, diesem Tage etwas zu entziehen, wie Er ihnen untersagte, die Handan die Frucht vom Baume des Lebens und TodcS zu legen. ES war dieß keine neueEinsetzung, welche der Herr auf Sinai verkündete, als Er das dritte Gebot auf einesteinerne Tafel niederschrieb. Er bestätigte nur auf eine feierlichere Weise die den Kin-dern Adams durch das natürliche Gesetz auferlegte Pflicht der Ruhe unv des Gebetes.In der That ist der für Gott erschaffene Mensch sich ihm gänzlich darzugeben schuldig.Er ist ihm eine doppelte Verehrung schuldig, die seiner Seele durch innerliche Anbetungund die seines Leibes durch äußerlichen Gottesdienst. „Und gleichwie die Natur, sagtder Katechismus des heiligen Conciliums von Tn'ent, für die zum Leben deS mensch-lichen Körpers nöthigen Verrichtungen, als: Schlaf, Erholung, Nahrung, gewisseZeiten vergeschrieben hat, eben so hat sie ihm auch vorgeschrieben, wenn er seineSeelcnkräste durch Betrachtung göttlicher Tiuge wieder beleben solle." Die Verpflichtung,den Tag des Herrn zu halten, ist demnach mit dem Menschen geboren; auch habendie verschiedenen Nationen der Welt, welche sich in eine Unzahl von abweichendenReligionen trennten, sich alle dann vereinigt, Fest- und Opfertage zu feiern.
Indem Gott die Industrie wie den Ackerbau schuf und über die ihren Händenentströmenden Werke den Menschen jene Macht gab, welche uns mit Bewunderungund Erstaunen erfüllt, konnte Er nichts anderes vorhaben, a.s sein Bündmß mit demvernünftigen Geschöpfe inniger zu machen. Wenn Er das Füllhorn seiner Wohl-thaten über die Erde auSgoß, so durfte Er dagegen mit Recht beanspruchen, daß einZusammenklang von Danksagung und Lobpreisung zu seinem Throne emporsteige. Erkonnte unmöglich wollen, daß die in ihrer größten Ausdehnung begriffene Industrieeine unüberschreitbare Scheidewand zwischen Himmel nnd Erde setze, und daß derMensch desto mehr sich von ihm trenne, je mehr Einsicht und Macht er von seinerFreigebigkeit erhalte. Nein: Er konnte nicht zu Gunsten der Industrie das Rechtveräußern wollen, an dem Tage, den Er sich vorbehielt, unsere Verehrung zu em-pfangen, ebensowenig Er dem Menschen er auben konnte, dem ihm zustehenden Rechtezu entsagen, von der Erfüllung der Dankcöpflicht gegen seinem himmlischen Vater nichtzu lasse». Das sind heilige, göttliche und nu»schliche Rechte, denen keine Verjährungetwas anhaben kann. Die Entheiligung des Sonntags ist somit ein Frevel gegenGott und gegen die Menschheit.
Möchte cS Gott gefallen, daß dieses sociale Verbrechen nicht unsere henligeIndustrie entehre, und daß die durch des Menschen Geist mit vollen Händen auSge-streuten Wunder nicht verdunkelt werden durch diese schimpfliche Verachtung der RechteGotleS und deS Rechtes seines vernünftigen Geschöpfes! Aber im Wirbel dieserallgemeinen Welterschütterung, welche die Industrie verursacht, indem sie ganze Volks-massen auf Wege, Flüsse, Meere schleudert und sie nach allen Richtungen der Erdehin fördert, ohne ihneu weder bei Tag noch bei Nacht einen Moment der Erholungzu gönnen, kann da das Gebet leicht sein Stündlein finden? Giebt es da für dieIndustrie einen Gott geweihten Tag? Erkennt sie daS Recht an, daS jeder Menschans dieser Erde hat, von Zeit zu Zeit seine Arbeiten zu unterbrechen, um sich die Stirnezu trocknen, sich zu seinem Schöpfer zn wenden und sein Knie vor ihm zu beugen?Horchet, geliebteste Brüder, des Sonntags! an den Pfcrtcn unserer Tempel höret Ihrden Hammerschlag deS Arbeiters, das Brausen der Maschine. Begebet Euch auf diePlätze unserer Städte, blitzesschnell geht der Bote an Euch vorüber, Geschäftsbriefeauszutragen und die mit Gewerbsproducten überladenen Wagen könnet Ihr zu jedemAugenblick' aus der Berkehrstraße sich kreuzen sehen. Wird vielleicht die Glocke, welche