Ausgabe 
13 (3.7.1853) 27
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die Gläubigen zum Opfer und zum Sauge geheiligter Loblieder ruft, diese Bewegungund all dieß rege Treiben aufheben? Nein, die Glocke tönt nicht für die Industrie,bei diesen Lauten, welche in der Seele cineS wahre» Christen so fromme und ernsteGedanken erwecken, hält sie weder den Schwengel noch die Spule aus; sie würde keinenFaden abbrechen, um diesem Rufe der Kirche zu folgen. Auch weiß der unter diegierige Hand der Industrie gebeugte Arbeiter nicht mehr die profanen Tage von dengeheiligten zu uuterschcideu, er wird jeder NeligionSübung, jeder heiligen Versammlung,jeder Theilnahme an den geistigen Gütern der Kirche fremd. Und bald jeden Glanbcnan die geoffenbarten Wahrheiten i'erlierend, endigt er damit, sie als Märchen, womitman seine Kindheit unterhielt, zu betrachten,

Ihr fühlet <ine schmerzliche Ueberraschung, geehrte Fabrikanten, wenn Ihr denArbeiter in den Händen derjenigen, die von Zerstörung der Gesellschaft träume», einso lenksames Werkzeug werden sehet. Aber indem Ihr ihnen unsere Versammlungenim Herrn versaget, seyd Ihr selbst diejenigen, welche ihnen den Eingang zu denfinstern, unterirdischen Wegen der Demagogie öffnen, wo sie die Mittel verabreden,wie sie mit den Gesetzen, der Religion, den Hausgenossen, jeder Obrigkeit und jederOrdnung fertig werden. Und indem Ihr den Sonntag entweihet und sie zwingt, Euchuachzuahmen, seyd Ihr es, die ihneu die Waffen in die Hände geben, deren sie sichgegen Euch bedienen und mit denen sie Euer Vermögen, Euer» Handel und EueruGtwcrbSfleiß zu einem Schutthaufen machen werden. Und indem Ihr ihnen nichtZeit lasset, hinzugehen, die Stimme des Seeleuhirten zu hören, löschet Ihr gewissemmaßen für sie jeden guten und heiligen Gedanke» auS. Die Arbeiter verlangen vonEuch eine» Tag der Woche, um ihre Kräfte herzustellen, ihre ermüdeten Glieder ruhe»zu lassen, den Familiengeist wieder anzufachen, die frommen Gefühle ihrer Kindheitwieder zu beleben, den geheiligten Tisch wieder zu sehen, an dem sie eine so göttlicheRuhe kosteten: das ist ein Recht, welches sie zurückfordern. Und Ihr versaget ihnenden Tag, den Gott sich ausbedingle nnd über welchen Ihr nicht zn verfügen habt.Und Ihr bedrohet sie mit Entziehung des täglichen BrodeS, wenn sie cS wagen, eine»Moment die Wcrkftätte zu verlassen, um Gott und der Kirche zu gehorchen! Siewürden doch arbeitsamer, mäßiger, rechtschaffener, anhänglicher zurückkehren. Aberdurch uuchristlichc Forderungen zwingt Ihr sie zu wilden Sitten, welche einst die Bar-barei der Jahrhunderte der Unwissenheit weit hinter sich zurücklassen werden, weilihnen der Glaube nicht bleibt, welcher der Entfesselnng der Leidenschaften Einhaltthun kann.

Wir können hier nicht umhin, von einem berühmten englischen NcchtsgclchrtcnWorte zu entlehnen, die unseru Betrachtungen zn Hilfe kommen. Eine protestantischeFeder hat selbe zur Schande der Katholiken lmserer Zeit geschrieben:Der Sonntag,sagt Blackstone in seinen Bemerkungen über englische Sitten, ist ein Tag für gegen-seitige Unterhaltung und geselligen Umgang, welche beitragen, die Sitten der nieder»Classen zn mildern, die sonst in eine Art von Wildheit und in einen Geist von roherGewinnsucht ausarten würden; der fleißige Handwerksmann ist dann wieder fähiger,seine Beschäftigung von neuem zu ergreifen und sie in der folgenden Woche mit Kraftund Heiterkeit fortzusetzen; dieser Gebrauch prägt den Gemüthern das Gefühl ihrerPflichten gegen Gott ein, das so nöthig ist, um gute Bürger zu bilden, welches jedochabnehmen und erlösche» würde, wenn man sich ohne Unterlaß mit der Arbeit beschäf-tigte, ohne zu bestimmten Zeiten crmahnt zu werden, dem Schöpfer den ihm schuldigenDienst zn erweisen." 5) Dieses moralische Sinken hat für uns begonnen, gclicbtcstcBrüder; es handelt sich darum, dasselbe zu hemme». Die Unwissenheit in der Reli-gion verbreitet schon ihr Dunkel, selbst über deu aufgeklärtesten Theil der Gesellschaft.Die Gleichgültigkeit für Glaubenssachen umnebelt uns von allen Seiten. Man muhdieses Dunkel zurückdrängen und deu Glauben, der allein das Glück der Familie und

') >V. Mgcliswne, Lomment. sur les lois -mxlsisez, trsckuit psr IV. öl. Okompre1'. V. p. 134.