Ausgabe 
13 (24.7.1853) 30
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von achtzehn Jahren, in sich gekehrt, den Kopf in die Hand gestützt, am Fensterstehen. Er fragte nach der Ursache ihrer Blässe nnd ihres Ernstes, nnd sie erzählteihm folgenden Traum:

»Ich befand mich in einem großen, prächtigen Saale voll glänzender Beleuch-tung, lieblicher Wohlgerüche, bezaubernder Musik. Tanzende Paare schwebten durchden Saal, ich selber unter ihnen, voll Jubel und Lust. Draußen war eS Nacht undder Slurm schlug gegen die Fenster. Auf einmal war es mir, als schrillten die Tönewild durcheinander der Boden wankte nnter meinen Fußen, die Kerzen flackertenhoch auf, beleuchteten mit grünem Schimmer leichenhafte Angestchter und erloschen.ES war Nacht. Weiche Hände hoben und trugen mich, ich weiß nicht, wie lange.Endlich fiel eS mir wie Schuppen von den Augen, ich sah Licht, ein wunderbaresklingendes Strahlenmeer. Auf einem mit Demanten besäten Throne saß Einer, dessenAngesicht ich nicht erkennen konnte. Ringsum standen leichte, blitzähnliche Gestaltenin Gewändern weiß wie der Schnee, die mir zuwinkten nnd ihre Arme nach mirausstreckten. Unter dem Throne aber entsprang ein Strom, klar wie Krystall. Un-willkürlich wendete ich meine Blicke hinab ich erblickte mich selbst, aber mir schau-derte. Immer unheimlicher ward mir zu Mnth. Das Licht blendete, aber wärmte michnicht. Die Töne, die ich hörte, waren sanst und lieblich, aber sie machten michschwermüthig. Viltre Thränen rollten mir aus den Augen. Wo bin ich? fragte ichangstvoll."

Du bist im Himmel," erwiderte eine sanfte Stimme.Wer hat michHieher gebracht?,rief ich hastig. Ich kann hier nicht auShalte.i. Bringtmich wo anders hin! ......... Und ich war wo anders. Ich lag auf weichen Pol-

stern in einem matt erleuchteten Zimmer. AnS der Ferne tönte das Schleifen desTanzes, daS fröhliche Tosen der Musik. Eine unbeschreibliche Lebenslust ergriff mich.Magnetisch zog eS mich in die fröhlichen Reihen. .Ich erhob mich, ich riß die Thüreauf da sah ich... mich selber bln'ch im Sarge liegen. Dumpf tönten zwölfSchläge.... ich erwachte."

Kalter Schweiß rann von meiner Stirn ich lag in meinem Bett eSwar Mitternacht der Himmel mit unzählichen Sternen fchante in mein einsamesSchlafgemach. Gott sey Dank, ich hatte nur geträumt!......." !M

Nur geträumt!" erwiderte der Geistliche nach einer P,mse.

Freilich, Träume sind Schäume," fuhr sie fort,doch kommt mir dieser Traumheut sehr ungelegen. Ich fürchte, er wird mir den ganzen Abend verderben."

So gehen Sie heule noch in Gesellschaft?" ^

Freilich, aber bloß zu einem kleinen Familienlall, bloß auS Rücksichten____

Sie halren doch das Tanzen an sich nicht für Sünde?"

An sich nicht," versetzte der Gnstliche,Aber Sie wollen heut tanzn» ?"

Natürlich," antwortete sie etwas gereizt.Ich muß ja wohl mein BalcrDWihtA?S "7n<tt 5Z) .inS7ZÄ uz m»>k'!,n ,,!chii,H n;ntt M chii» ?,<k izImmöM

Nun dann sey Gott mit Ihnen! Freuen Sie sich so, daß Sie einmal dieHimmelsfreude aushalten könmn! Auf Wiedersehen!"

Das ist der Traum. Daran ist nichts Sonderliches. Und wie weiter?Die Sache ist kurz:

-Das junge Mädchen fährt nach dem Ball. In dem Jubel des Festes tritt derschauerliche Traum immer mehr und mehr in den Hintergrund. Bald gibt sie sichganz der Lust des Augenb ickcs hin. Aber nicht lange, da trägt man die Ohnmäch-tige in ein Nebenzimmer. Was in ihrer Seele vorgegangen, weiß Niemand. Dieum sie Beschäftigten hörten nur die angstvoll hcrausgestoßenen Worte- Ich kanneS hier nicht aushalten, bringt mich wo anders hin!" Darauf schlugsie die Augen auf. Sie fühlte sich vollkommen wohl nnd kräftig. Mit Hastverlangt sie in den Saal zurück, mit Leidenschaft stürzt sie sich in daS GewühldeS. TanzeS.

Aber siehe da, als die MittcrnachtSstunde schlagt, sinkt sie von neuem um