Dreizehnter Jahrgang.
Sonntags-Beiblatt
zur
Augslmrger Pojheitung.
31. Juli. ^ AK. !853.
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Die ruffische GtaarSkirche*).
Auch die russische Kirche will ihren Ursprung in das Zeiralter der Apostel zurück-führen. Nach einer alten Ueberlieferung soll der heil. Andreas am Don und inder Gegend von Kiew die Lehre des Evangeliums verkündet haben. Doch in dengroßen Stürmen der Völkcrzüge des fünften und sechsten Jahrhunderts verloren sichgar bald die schwachen Anfänge des Christenthums bei den Russen und sie fielen schnellin ihren alten Götzendienst zurück. Erst im neunten Jahrhundert fing das Evangeliuman, dauernde Wurzel in Rußland zn schlagen, erwuchs hie und da bald kräftig, baldschwach unter mannigfachem Wechsel der Zeit, bis ihm endlich im zehnten Jahrhundertder Götzendienst ganz weichen mußte. Wir können füglich eine zweifache Bekehrungdieses LanveS zum Christenthume annehmen, die theilweise Bekehrung nach derMitte deS neunten und die ganze nach der Mitte des zehnten Jahrhunderts, beidedurch katholische Bischöfe der griechischen Kirche bewirkt. Dervon dem Schismatiker PhotiuS so hart verfolgte Patriarch Jgnatius schickte umdas Jahr 867 die ersten christlichen Missionäre nach Rußland . — Die eigentlicheund wahre Bekehrung Rußlands znm christlichen Glauben fällt in die Zeit, die zwischenPhotius und Cerularius verfloß, also in eine Zeit, wo die griechische und latei-nische Kirche auf das innigste verbunden war; — und als nun der fromme FürstWladimir l. das Christenthum annahm, wmde der Sieg des Kreuzes über dasHeioenthum allgemein. Er ließ dürch Herolde im ganzen Lande ausrufen: „ESerscheine morgen am Ufer des Dnjcpr Jedermann, Arm und Reich, Herr und Knecht,das ganze Volk, und lasse sich taufen." Wladimir erschien, umgeben von einemglänzenden Gefolge von Bojaren und Priestern, und hieß das Volk auf ein gegebenesZeichen in den Fluß treten, um die heil. Taufe zu empfangen. „Die Großen standen,"so erzählt Nestor, „bis an den Hals, andere bis an die Brust, die Knaben naheam Ufer im Wasser; Väter und Mütter hielten ihre Kinder aus den Armen; diePriester standen auf Flößen und lasen die Taufgebete ab; Wladimir aber lag amUfer auf den Knieen, betete und dankte Gott ." — Auch die Großfürstin Olga,die Gemahlin Igors, hatte das Christenthum angenommen und aus Verehrung verheil. Helena, der Mutter Constantins, ihren Namen Olga gegen den von Helenavertauscht. — — Im Sinne der Eintracht unv des Friedens mit dem Nachfolgerdes heil. PetruS zu Rom wirkten die Großfürsten und die ersten Metropoliten Nuß-lands für die Vervreitung und Befestigung des Christenthums in diesem Lande. 'ImJahre 1037 wurde die Kathedralkirche zur heil. Sophie in Kiew nach dem Musterder gleichbenannten Kathedrale zu Konstantinopel durch den Großfürsten Jaroölaw
*) Vergl. Verfolgung und Leiden der katholischen Kirche in Rußland ; von einem ehemaligenrussischen StaatSrath. Schaffhausen 1343. — Die neuesten Zustände der katholischen Kirche beioerRitus in Polen und Rußland ; von einem Priester aus der Congregation des Oratoriums des heiligenPhilippus Neri. Augsburg , 1S41.