Ausgabe 
13 (31.7.1853) 31
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zur Würde einer Metropolitankirche erhoben. Kurz darauf erneuerte sich das grie-chische Schisma unter dem gottlosen Michael CerulariuS; und weil Rußland mit Konstanrinvpel, dem eigentlichen Herde des SchiSmaS , in naher Verbindungstand, mußte nothwendig das von dem aufrührerischen Patriarchen von Konstantinovclgegebene Aergerniß sehr verderblich auf die russische Kirche einwirken und dieselbe mitin das Schisma verwickeln. Dennoch aber hat die russische Kirche ihre Einheit mitder römischen länger erhalten, als ihre Schwester, die griechische. Der fünfte Metro-polit von Rußland , der sanfte Hilarion, der zur Zeit des abtrünnigen Cerula-riuS der russischen Kirche vorstand, war auf dem Concil zu Kiew von den russischenBischösen ohne alle Mitwirkung des Patriarchen zu Konstantinopel gewählt worden.Er, so wie die fünf folgenden Metropoliten, bis auf Nikolaus I. (W96 bis 1106),waren, obschon Griechen, dennoch dem griechischen Schisma des Michael Cerula-riuS fremd und bekundeten dagegen eine innige Freundschaft mit der Kirche von Rom und ihrem Oberhaupte. Daher nahmen auch die päpstlichen Gesandten, der CardinalHubert, und Petrus , Erzbischof von Amalphi, nachdem sie im Jahre 1054 denCerulariuS in Kvnstautinopel öffentlich seiner Vcrrnchtheiten überwiesen und ihnrrcommunicirt hatten, dann aber vor dem Wütherich die Flucht ergreifen mußte», ihrenWeg durch Rußland , wo sie die gastfreundlichste Aufnahme fanden.

In die Zeit der völligen Einheit der russischen mit der lateinischen Kirche fälltnun auch die Abfassung aller Kirchenbücher, deren sich die russische Kirche beim Gottes-dienst im Ganzen noch bis auf den heutigen Tag bedient. Viele derselben sind vonMännern verfaßt, die ganz mit der römischen Kirche vereint waren, und von ihr zudieser Arbeit sogar den Auftrag erhalte» hatten. So ist daö große Menäum derrussischen Kirche, eines der Hauptbücher des öffentliche» Gottesdienstes, welches dieGebete und Gesänge und Ceremonien für alle Sonn- und Festtage des Jahres enthält,vom heil. Cyril, dem Bruder des heil. Methodius, die beide zu Rom starben unddie Apostel der Slaven und Bulgare» waren, versaßt worden.

Wegen der i» der ersten Zeit »och immer bestehenden Einheit der russischenKirche mit Rom nahm auch der mächtige Großsürst Jsäslaw, um sich gegen seinenblutdürstigen Bruder im Besitze des Reiches zu erhalte«, seine Zuflucht znm PapsteGregor VII. und flehte ihn in seiner Bedrängniß um Schutz und Hülfe an. DerSohn des Großfürsten kam selbst nach Rom und trug dem Papste demüthig des VatersBitte vor. Gregor nahm sich mit aller Liebe und Wärme deS bedrängten Groß-fürsten an. Unverzüglich sandte der Papst seine Gesandten ab und stellte die Eintrachtzwischen dem Großfürsten und seiuem unwürdigen Brnder wieder her, so zwar, daßJsäslaw bald wieder in sein väterliches Erbe zurückkehren kounte. Gregor VII. begleitete den juugm Herrschersohn mit einem rührenden nnd väterlichen Schreiben vom15. April 1075, in welchem er ihm im Namen des Apostelsü-sten PetrnS die Herr-schaft über Rußland ertheilt, mit dem Wunsche, daß dieser ihn uud seinen Vatersammt ihrem Reiche durch seine mächtige Fürbitte bei Gott beschütze, sie im BesitzedeS Reiches bis an ihr Ende glücklich erhalte und nach vollenderein Leben ihnen ebenso beim König deS Himmels die ewige Glorie erflehen wolle. Der Papst versicherteserner beide seines Wohlwollens und verheißt ihnen in allen gerechten Gesuchen seineund deS heiligen apostolischen Stnhles wirksame Hülfe und Verwendung. Inderselben Zeit, wenige Tage nachher, erließ Gregor VII. gleichsalls an den mäch-tigen Polenkvnig BoleSlav I. ein Schreiben, in welchem er ihn auffordert, demKönig der Russen mit aller Liebe zu begegnen nnd ihm die entrissenen Schätze zurückzu erstatten.

Diese Einheit der russischen Kirche mir der lateinischen hat sich unter manchemWechsel und Schicksal bis in'ö fünfzehnte Jahrhundert erhalten. Die Spuren von einemdurchgreifenden Schisma zwischen beiden Kirchen sind selten und lassen sich nur ineinzelnen Männern nachweisen. Russische Gelehrte und hochgestellte Männer, sowohlim Klerus als im Staate, haben alles Mögliche aufgeboten, um das Schisma ihrerKirche fo viel wie möglich in die früheste Zeit hinauszusetzen. Doch die dafür