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vorgebrachten Beweismittel sind größtentheilS unterschoben, verfälscht und in späterenZeiten, wo der Haß der griechischen Kirche gegen die lateinische leider anch auf diessische übergegangen war, verfaßt.
Vor dem Jahre 1118 läßt sich mit Sicherheit keine Spur von einer Trennungder russischen und römischen Kirche nachweisen. Um diese Zeit war Nieephör I.Metropolit von Rußland. Er richtete ein Sendschreiben an den Großfürsten Wla-dimir II. unter dem Titel: „Ueber die Lateiner und ihre Trennung von der morgcn-ländischen Kirche." Nicephor war ein gcborner Grieche, im Jahre 1106 vomPatriarchen von Konstantinopel zum Metropoliten von Rußland geweiht, und hattehier jenen traurigen Haß gegen die römische Kirche eingesogen, den er später auch indie russische Kirche zu verpflanzen bemüht war. — Jedoch nahm der russische KleruSnicht allgemein Antheil an dem feindlichen Geiste deS abtrünnigen Metropoliten . Dennlateinische Priester wirkten und arbeiteten noch immer ungestört an der Seite russischerPriester. Verehrt doch heute noch die russische Kirche den frommen Mönch Anto-'niuS, der Römer genannt, der von Lübeck auö nach Rußland gekommen war, dasnach ihm benannte AntoniuSkloster ungefähr zwei Werstc von Nowgorod gründeteund von dort auS mit den Seinigen unermüdlich für die Ausbreitung des Christenthumswirkte. Die russische Landeskirche und die rnthenisch - um'rte feiert das Andenkendieses großen Dieners Gottes am 6. August. AntoniuS starb 1147. Sein Klosterhar den Stürmen von sieben vollen Jahrhunderten getrotzt und segensreich gewirkt bisauf unsere Tage.
Wie man von Konstantinopel auS, angetricben von Haß und Leidenschaft gegenden Primat, immer auf die LoSreißung der russischen Kirche von der römischen hin-arbeitete, so waren die Päpste unermüdlich thätig für die Erhaltung der Einheit,Sobald sich irgend ein Hoffnungsschimmer zeigte für die Aussöhnung und Wiederver-einigung mit Konstantinopel, suchte man auch Rußland znr Einheit zurückzuführen. —Als der große Papst Jnnocenz III. so glücklich war, den griechischen Kaiser Ale-riuö nnd den Patriarchen von Konstantinopel Johannes LomateruS im Jahre1201 mit der römischen Kirche zu vereinen, schickte er auch seine Legaten nach Ruß-land , und lud die Prälaten dieses Landes in liebevollster Weise zur Aussöhnung uudWiedervereinigung ein. In seinem Sendschreiben gedenkt der Papst der strengen Züch-tigung uud Noth, welche über das griechische Kniserreich gekommen ist, mit folgendenWorten: „Und wer weiß, ob sie nicht wegen ihrer Rebellion nnd ihres Ungehorsamsbestraft und zur Beute geworden, auf daß ihnen die Noth Verstand leihe, und siejenen im Unglück erkannten, den sie im Glücke nicht kennen wollten. Deßhalb, theuersteBrüder und Söhne, schicken wir euch unsern geliebten Sohn, den Cardinal Wilhelm,einen gelehrten, tugendhasten, weisen und umsichtigen Mann, der wegen seiner großenVerdienste meine und meiner Brüder Achtung besitzt, auf daß er die Tochter zurMutter und das Glied zum Körper zurückführe, uud der auch von mir alle Vollmachterhalten, auszurotten und zu zerstören, anzubauen und zu pflanzen, was er nur immerin euren Gegenden gut befinden wird,"
Jetzt entwickelten auch die beiden neuen Orden, die Gott der Kirche durch denheil. Dominikus und Franciskus gegeben-- hatte, eine besondere Thätigkeit inRußland . Vorzüglich wirkte der heil. Hyacinth Odrowaz, einer der ersten undwürdigsten Jünger des heil. DominikuS und der größ e Wnnderthäter seines Jahr-hunderts, unermüdlich für die Verbreitung der katholischen Kirche in Rußland . InKiew fand er mit seinen drei Ordensbrüdern, Godin, Florian und Venedikt,die freundlichste Aufnahme, verweilte daselbst vier volle Jahre seit 1222 bis 1227und gründete das schöne Kloster znr heil. Jnngsrau, dessen Leitung bei seiner AbreiseGodin übernahm. Durch seine Worte und Wunder belebt, nahmen viele Priesterzu Kiew , die natürlich alle der griechischen Kirche angehörten, das Kleid deS neuenund um die Kirche bald hochverdienten Dominikanerordens. — — Um diese Zeitwaren auch vom heil. Stuhle mehrere FranciSkaner zu den Tartaren gesendetworden, um sie znm Christenthum«: zu bekehren. Sie nahmen ihren Weg über Masovien