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und Volhynien. In Wladimir, der Residenzstadt , hatten sie mit dem Fürsten Daniel,den Bischöfen und Bojaren deö Reiches mehrere Unterredungen. Alle zeigten sichgeneigt, den Papst als ihren Herrn und Vater anzuerkennen und die römische Kircheals ihre Mutter und Lehrmeister«!, Daniel ließ sofort seine Gesandten mit Briefenan den Papst abgehen, um die Vereinigung der russischen Kirche mit der römischenzu betreiben, »l>d Jnnocenz IV, sandte darauf mit den nöthigen Vollmachten denfrommen und gelehrten Minoritcn Johann von Carpino nach Wladimir, Da-niel und sein Bruder Wassilko vereinigten sich mit der katholischen Kirche . —Die FranciSkaner arbeiteten unermüdlich in den russischen Staaten, lehrten, katechi-sirten und tauften die Gläubigen, ohne auch nur den geringsten Widerstand seitensdes russischen Landes-KleruS zu finden.
Die mit großer Mühe zu Stande gebrachte Einheit suchten die beiden ränke-vollen Metropoliten Pimen und Photias wieder zu zerstören. Pimen wnrdeaber wegen seiner Schlechtigkeit auf einem Concil feierlich abgesetzt nnd ende«e imJahre 1389 sein Leben im Gefängniß. Sein Nachfolger aber, Cyprian , war einanfrichtiger Freund der römischen Kirche; zu seiner Zeit traten alle russischen Bischofs-stühle Lithauens zur Union über — Bald jedoch drohte der Same des SchiSmaS,welchen Pimen unter den KlernS ausgestreut, den aber Cyprian gleich bei seinemAuskeimen erstickt hatte, neue Wurzel zu fassen. Zum Unglück für die russische Kirchebestieg wieder der herrschsüchtige Grieche, PhotiaS, durch die unerlaubtesten Mittelund ehrlosesten Handlungen den Mctropolitenstuhl. Er war cin schlauer, unterneh-mender, und mehr für weltliche als kirchliche Angelegenheiten besorgter Mann, unddabei ein geschworner Feind der römischen Kirche. Seine hohe Würde diente ihm nurdazu, um seinen Schatz durch die widerrechtlichsten Mittel zu fülle»; er erlaubte sichErpressungen und Gewaltthätigkeiten aller Art gegen Klcruö und Volk, Als aber dasMaaß der Bosheit voll war, wurde Photiaö auf einer Versammlung zu Kiew imJahre 1414 wegen seines Hochmuthes und wegen der schmutzigsten Habsucht seinerWürde entsetzt.
In dieser Zeit wurde auch der Metropolitenstuhl von Rußland in den vonKiew und Moskau getrennt; der erstere regierte die im Süden, der letztere die imNorden di'es>S Reiches gelegenen Bisthümer.
Mehr aber als bei allen frühern Versuchen schien die Aussöhnung der griechischenund lateinischen Kirche durch die Bemühung des PapstcS Eugen IV , auf dem Concilzu Florenz im Jahre 1438 — 39 zn Stande zu kommen. — Der edle PatriarchJoseph zu Konstantiiiopel war von dem ansrichtigsten Wunsche der Vereinigung durch-drungen und suchte deßhalb zugleich die russische Kirche für die vollständige Aussöh-nung zu gewinnen. Er ernannte daher, weil die Stühle zu Kiew und Moskau durchden Tnd deS Photias und Gerassim erledigt waren, den eben so gelehrten alsfrommen Jsidor, den er selbst zum Bischof geweiht hatte, zum Metropoliten vonganz Rußland, sowobl für Kiew, als Moskau . Jsidor begab sich im Frühjahr1437 nach Moskau , wo ihn der Großfürst mit allen Auszeichnungen und Ehren aufdaS liebevollste aufnahm. Im Einverstäiidm'ß mit dem Patriarchen von Konstantinvpelsuchte er den Großfürsten zum Beitritt zur Union zn bewegen, und bat sich von ihmdie Erlaubniß ans, dem allgemeinen Concil beizuwohnen, welches vom Papste inFerrara zur endlichen Vollbringung dieses langersehnten Werkes gehalten werde,Jsidor verließ, da ihm der Großfürst, wenn auch ungern, die erbetene Erlaubn,')ertheilt hatte, am 8. September 1437 Moskau und langte in Begleitung eines glän-zenden Gefolges von Geistlichen, Bojaren und andern Großen deö Reiches, über hundertan der Zahl, am 18. August 1433 in Ferrara an. Der griechische Kaiser und seinSohn, der Thronerbe, der Patriarch von Konstantinvpel nnd die übrigen Metropoliten,Erzbischöfe, Bischöfe und Archimandriten waren bereits mit einem glänzenden Gefolgevon 753 Personen im Monat Februar und März dieses JahreS in Ferrara eingetroffen,und wurde vom Papste, dem deutschen Kaiser Albrecht von Oesterreich, den Car-dinälen, Bischöfen und mehreren Fürsten des Abendlandes mit ungewöhnlicher Pracht