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empfangen. Gleiche Ehrenbezeigungen erhielt auch Jsidor mit den Seinigen. —Wegen der Pest mußte das Concil von Ferrara nach Florenz verlegt werden; inFlorenz wurden aber sofort die Sitzungen wieder eröffnet, die vom 26. Februar biszum 26. Juni 1439 dauerten, an welchem Tage die Union beider Kirchen zu Standekam. Um dieses glückliche Ereigniß durch eine große Feierlichkeit zu verewigen, wurdedie Union erst am Tage der heil. Apostelfürsten Petrus und Paulus bekannt gemacht.Der Papst selbst hielt daS feierliche Hochamt und nachdem es geendet und die übliche»Gcbeie und Danksagungen für den glücklichen Ausgang des Concils verrichtet waren,läS der Cardinal Julius Cäsarini, Bischvs von Sabina, das Unionödecret inlalcinischer und Bessarion in griechischer Sprache vor.
In heiliger Freude und Danlbarkeit verließen die versammelten Väter Florenz .Papst Eugen IV. hatte mit einer Großmuth, die keine Gränzen kannte, und seinPrivatvermögm und die Schätze deö Staates überstieg, alle Auslagen gedeckt, die nurimmer zu einem so langen Unterhalte einer so glänzenden und zahlreichen Versamm-lung nöthig waren, so zwar, daß er am Ende seine kostbare Jusul dem HerzogCosimo verpfänden mußte. Der Kaiser und sein zahlreiches Gefolge war aus KostendeS Papstes gekommen und kehrte wieder auf dessen Kosten zurück. — Jsidor vonKiew und Moskau , den gleichfalls der Papst für seine Bemühungen, da er auf demConcil neben Bessarion die ausgezeichnetsten theologischen Kenntnisse entwickelt undden größten Eifer für die Union erwiesen, vielfältig ausgezeichnet und in einer Bullevom 17. August 1439 zum päpstlichen Legaten g Istere für Lithauen, Livland undRußland , und am 4. December desselben JahreS gemeinschaftlich mit Bessarionzur Cardinalwürde erhoben hatte, kehrte hocherfreut über die geschehene Vereinigungnach Nußland zurück.
Wenn nun aber, ungeachtet aller Opfer, Mühe und Arbeit seitens der römischenPäpste, dennoch später das Schisma in der ärgerlichsten Weise sich erneuerte, so fälltdie ganze Schuld dieser fnrchibaren Sünde allein auf Rußland zurück. — Der eifrigePapst Eugen IV. , so wie seine Vorgänger und Nachfolger konnten der ganzen ge>trennten griechischen Kirche und ganz Rußland mit vollem Rechte die Worte deS Er-lösers zurufen, die er weinend über Jerusalem sprach: „Jerusalem, Jerusalem, diedu tödtest die Propheten und steinigst, die z» dir gesandt werden! Wie oft habe ichdeine Kinder versammeln wollen, wie eine Henne ihre Küchlein versammelt unter ihreFlügel! Und du hast nicht gewollt." Matth . 23, 37. Wer wüßte nicht, daß auchdie hinzugefügte Drohung des Herrn: „Siehe, ener HauS soll euch wüstcgelassen werden" — an Rußland in Ersüllung gegangen? (Mimst. S.-Bl.)
Leben des ehrwürdigen Johannes Grande .
(Fortsetzung.)II.
Johannes widmet sich der Uebung der Barmherzigkeit.
Als Johannes eines Tages vl'n seiner Einsiedelei in die Stadt ging, sah erzwei Bettler krank am Wege liegen. Der Anblick dieser in ihrem Elende von AllenVerlassenen durchschnitt ihm daS Herz, uud er fühlte sich mächtig angetrieben, ausallen Kräften ihnen beizustehen. Er suchte und fand für sie ein Obdach, uud trugsie auf seinen Schultern hin. Dann eilte er in die Stadt, um milde Gaben zusammeln, und kehrte zurück, um seine Kranken mit aller Liebe und Sorgfalt zu pflegen.ES kamen bald noch andere, die derselben Hülfe bedürftig waren, und Johannes»ahm sich ihrer mit gleicher Theilnahme an. — Er fand in dieser Uebung der Barm-herzigkeit, durch welche er denjenigen, der unsere Schwächen und Krankheiten aufsich nahm, nachahmen konnte, vielen Trost und eine heilige Freude. Aber auch dieRuhe, mit welcher er bis dahin in seiner Einsamkeit der Betrachtung himmlischer Dinge