Ausgabe 
13 (31.7.1853) 31
Seite
246
URN (Seite)
  
 
Einzelbild herunterladen

246

und der Sorge für seine Seele obgelegen, schien ihm überaus kostbar. Er fürchtete,daß die Nähe der Menschen und der Verkehr mit ihnen, die mancherlei Sorgen undBeschäftigungen, denen er sich in einer solchen Lebensweise unterziehen mußle, derReinheit seine Seele gefährlich werden und ihn des Umgangs mit Gott beraube»möchten. Indessen wußte er wohl, daß die Wege, auf welchen Gott seine Dienerführt, verschieden sind; daß jene, die Er zur Thä'igkeit unter den Menschen beruft,durch seinen Beistand auch inmitten äußerer Beunruhigung den Frieden der Seele undden Geist deS GebeleS bewahre!, können: und daß diejenigen, welche Er in die Ein-samkeit führt, auch in ihrer Abgeschiedenheit nicht aufhören, durch ihr Gebet-, ihreBuße unv alle gute» Werke den Nächsten znm Heile zu leben, Alles kommt »urdarauf an, daß wir in der Wahl deS WegeS, den wir gehen, durch den Geist Gottesgeleitet werden. Daher war denn auch Johaimcs, seildem diese Zweifel seine Seelebeunruhigten, auf nichts so sehr bedacht, als durch heißes Gebet und Ucbnnz frommerWerke sich Licht von ode» zu erwerben. Es warv ihm gegeben, und zwar auf solcheWeise und in solchem Maaße, paß ihm kein Zweifel übrig blieb, er sey berufen, unterseinen Mitmenschen zur Linderung ihres mannigfaltigen Elenvs zu wirken,

Statt sich also, wie er gesonnen gewesen war, noch tiefer in die Einsamkeit zubegebe», und, wo möglich, vor der Menschen Augen ganz zu verbergen, begab sichnun Johannes in die volkreiche Stadt Xerez ans der Gränze Andalusiens an derMeereöenge von Gibraltar gelegen. Als er derselben ansichtig wurde, fühlic er seineganze Seele von tiefem Frieden und süßem Troste erfüllt; er wußte, daß Gott dieseStadt zum Schauplatz seiner Wirksamkeil bestimmt hatte, und zweifelte nicht, daßsein Wirken voll Mühe und Leide» seyn werde; aber im Gefühle jenes Friedens schiensein Kampf ihm schwer Ehe er jedoch seinem neue» Berufe gemäß thätig zu seynt'egann, gestaltete Gott nochmals dem Versucher, sich ihm zu nähern. Johannesward plötzlich von einer hefligen Traurigkeit und großem Wiverwillen an allem, waser unternehmen sollte, befallen; es kam ihm vor, als habe er den Weg verloren undirre weit von Gott in der Finsterniß umher- Nach langem Gebete cillc er in dieKirche der Franziskaner und eröffnete einem dieser Väter seinen ganzen Seelenzustand.Derselbe ermähnte ihn, an der Wahrheit deS Berufes, den er glaubte von Gott empfangen zu haben, nicht zu zweifeln, und ihm trotz der innern Pein, die baldvorübergehen werde, zu folgen. Jed.ch rieth er ihm, für jetzt statt der Kranken verGefangenen sich anzunehmen. Johannes war folgsam, und ohne Verzug begab ersich in das Gefängniß, um die Ausscher zu bitten, daß es ihm erlaubt sey, die Ge-fangenen zu besuchen nnd ihr Elend durch Gaben, die er für sie sammeln w-rde, zumildern. ES ward ihm gestattet, und noch nicht lange hatte er unter diesen Unglück,liehen auf jene Weise gewirkt, als er auch schon das Vcrlrauen der Wärter sich inhohem Grade erworben hatte, daß er nun nicht mehr bloß nach Wohlgefallen ein-und ausgehen, sondern anch ii» Gefängnisse selber wohnen durfrc, damit er nämlichbei Tag und Nacht, sobald irgend ein Vorfall seine Hülfe fordere, in der Nähe sey.Wie war er nun bemüht, daS Tagwerk, das Gott ihm angewiesen, mit Eifer zuvollbringen! Zuerst trachtete er durch Liebe und Theilnahme sich das Zutrauen dieserUnglücklichen, die von der menschlichen Gesellschaft verstoßen, ihre Tage in finstererTraurigkeit verleben, zu gewinne». Er brachte ihnen e>fc Erquickuugen und erwirktenicht selten irgend eine Linderung ihres Looseö, So öffnete er sich den Weg zu ihremHcrzcu, und die Worte des Trostes und der Hoffnung, die er sprach, fanden Ein-gang. Er belehrte sie, in der Strafe, die übrr sie verhängt war, eine barmherzigeFügung GotlcS zu erkennen, der sie nämlicki in diesem Leben strase, um ihrer in derEwigkeit zn schonen; er ermähnte sie, die Zeit, die Golt ihnen gegeben, in sich zukehren, nicht unbenutzt zu lassen, unv durch die Demuth und Geduld, womit sie,lemer Fügung sich unterwerfenihr hartes Schicksal ertrügen, seiner Gnade sich wiederwürdig zu machen, und so sich den Weg aus dem Kerker in den Himmel zu eröffne».Bei vielen verfehlten so liebevolle und vem Werken der Tugend begleitete Wvrte ihreWirkung nicht; aber es gab auch manche verhärtete Seelen, die gegen alle Vorstel-