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Tractat: „das Kreuz, von dem hochw. Herrn I. C. Ryle," worin die Verehrung desKreuzeS bei den Katholiken „als profan, gotteslästerlich und abgöttisch" bezeichnetwird. Anfangs sprachen die Blätter von einem vergitterten Kerker der Inquisition ,worin die junge Dame schmachte; acht Tage später mußten dieselben Blätter melden,sie wohne in einem hübschen, mit Bildern verzierten Zimmer, werde gut behandeltund dürfe täglich mehrere Stunden bei ihrer Mutter in deren Hotel zubringen. Derenglische Geschäftsträger Scarlett erklärte selbst, der sanatischen Närrin sey nicht zuhelfen; sie habe wissentlich und muthwillig das Gesetz übertreten und müsse die Folgedavon tragen. Bon dem närrischen Eigensinne der jungen Dame legt übrigens derSchlußact der Komödie Zeugniß ab; denn es bestätigt sich, daß sie, als man ihr dieFreilassung ankündigte, den toscanischen Behörden das Recht bestritt, sie ohne Proceßfreizulassen, und daß sie eine schriftliche Bescheinigung darüber forderte, daß sie nurder Gewalt weichend das Gefängniß verlassen habe.
„Wir hoffen, schließt das „Chronicle", die Geschichte wird fanatischen jungenDamen etwas Raison beibringen. Die toscanische Regierung wird klug genug seyn,die krankhafte Sucht nach einem Pseudo-Martyrthum nicht zu nähren; der nächsteTractatenvertheiler wird wohl einfach über die Gränze gebracht werden, ohne auch nureine Woche lang in den protestantischen Blättern vergöttert zu werden. Was aberden öffentlichen Anstand und die Ehre unserer Nation angeht, so ist eS doch zu arg,daß wir von jedem sanatischen Qncrkopf compromittirt werden, der durch kein fremdesLand reisen kann, ohne die Religion seiner Einwohner zu schmähen. Durch solcheNarrheiten, wie die der Miß Cunuinghame, wird das Verhältniß befreundeter Höfegestört, Zeit und Geld vergeudet, Mißtrauen und Argwohn gegen alle reisenden Eng-länder erzeugt und die Diplomatie in Verlegenheit gebracht, — Alles znr Befriedigungder krankhaften, närrischen Eitelkeit eines Frauenzimmers."
Die „Esperanza" hat das Testament des berühmten katholischen Staatsmannes,Don Juan Donoso Cortes, Marquis von ValdegamaS , veröffentlicht. ES ist das-selbe datirt: Madrid , den 23. December 1848. Es wird darin bestimmt, daß vonseiner Nachlassenschast sofort 20,000 Realen vorweg genommen werden sollen zuSeelenmessen und Werken der Milde. Dann folgen zwei Paragraphen, welche lau-ten: „Ich empfehle den Meinigeu, besonders meinem Bruder Don Francisco, dieWittwe und die Kinder unseres verstorbenen Bruders Don Pedro als ihre Schwesterund ihre eigenen Kinder zu betrachten, welche sich bemühen werden, im Leben ihremVater uachzueisern, der wie ein Gerechter lebte und wie ein Heiliger starb. SeinLeben wie sein Tod waren der Gegenstand meiner Thränen, ich weine noch heutebei dem Gedanken an ihn. Ich kann nicht vergellen, waS er für mich gethan,durch Gottes Gnade wurde er das Werkzeug meiner Bekehrung, und durch GottesBarmherzigkeit werden eS seine heißen Gebete seyn, welche mir die Pforten desHimmels öffnen. — Ich verbiete ausdrücklich jeden Prunk bei meiner Bestattung;die Eitelkeit mag sich genügen lassen an der Herrschaft über die Lebenden, denTodten aber soll sie den Frieden gönnen. Vorzüglich verbiete ich, daß bei meinerBestattung jene profane und wollüstige Musik gemacht werde, die uusere Kirchen inKomödienhäuser verwandelt hat. Donoso Cortes ."
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