Ausgabe 
13 (20.11.1853) 47
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unsere Buchdruckerei in Jerusalem ?" Meine Herren! diese Bnchvrnckerei der Francis-caner ist ein rein österreichisches Institut, darin auch kein einziges französischesTheil ungszeichen steckt, und für dessen Erhaltung allein Se. Majestät der Kaiservon Oesterreich durch das General-Commissariat jährliche 300(1 fl. C. M. zn über-senden geruhen! Diese Druckerei, deren Errichtung vor sieben Jahren begonnen ward,hat bereits früher unter Leitung des Sebastian, nun des ?. Andreas, zweierOesterreicher. über hundert größere und kleinere Werke uud Schriftchen inlcueinischer, italienischer und arabischer Sprache zu Tage gefördert, die gratis oder imAustausch gegen die von der Londoner Bibelgesellschaft verbreiteten Bücher den Ver-langenden hingegeben werden. Sie ist immer vollauf im Dienste der Kirche beschäf-tigt, und daraus erklärt es sich, wenn sie keine französischen Blätter und Brochurenzu drucken vermag. Ich könnte vielleicht hie und da dem Argwohn verfallen, daßich als Patriot dem französischen Treiben gegenüber meine Feder schärfe, erlaube miraber dießfallS die Berufung auf manche Urtheile gewiß rechtlich gesinnter Franzosenselbst! Man blättere nur zur Güte in den Souvenirs 6v I'Oriont par lo Vieomw!)e Narcellus Paris 1839, oder ziehe Pujoulat's Aeußerungen zu Rathe, welcherbeklagt, daß Frankreich ungeachtet oder besser: trotz seines Prolectorateö fürdie lorra ssnota so viel, als gar nicht, bestehe! Gleiches Bedauern äußerten einigeder jüngst angekommenen französischen Pilger, die dadurch, so wie durch ihrBenehmen überhaupt, von ihrer edleren Gesinnungsweise Zeugniß geben und sich sovon der Mehrzahl ihrer Reisegefährten rühmlich unterschieden, welche vergessen zuhaben schienen, daß sie in den Konventen, die sie besucht, nur von dem Almosender FranciScaner lebten, und als Danksagung für eine zu ihrer Bequemlichkeit gemachteAuslage von etlichen tausend Piastern, wenigstens mehr Rücksicht für die im Orientmit aller Sorgsalt rein gehaltenen Turassen, welche die Bestimmung haben, dasRegenwasser in die Cisternen zu leiten, hätten haben sollen! Es kann den betreffendenHerren Franzosen eben so wenig zur Ehie gereichen, daß sie bei ihrer Abreise vonJerusalem nach Nazarelh mit dem Gedanken umgingen, die aus ihrem Vaterlandemiipilgerndcn Priester, sehr würdige Charaktere, von ihrer Reisegesellschaft auszu-schließen; so wie ich, gelind bemerkt, sehr offenherzig nennen muß, wenn einerder Herren auf die Frage eines Franciscaners, ob sie sich einen Präsidentenerwählt, zur Antwort gab:Ja wohl; aber glücklicher Weise keinen Pfaffen!"

Miß Cunninghame.

Die Affaire der Miß Cuuninghame hat zwar bald ihr Ende gefunden undgehört bereits der Geschichte an; eS kommen aber nachträglich noch einige neue Datazu Tage, wodurch die Berichte, welche die Postzeitung nach englischen Blättern gege-ben, vervollständigt und zum Theil rectificirr werden; und um die Sache ganz wahr-heitsgetreu der Geschichte zu überliefern, kommen wir noch einmal auf die Sache zu-rück. Unsere Hauptquelle ist dasMorning Chronicle", unter den Londoner Blätterndas am wenigsten katholikenseindliche und in religiöser Hinsicht das achtbarste.

Am 25. September meldeten die Blätter zuerst, Miß Cunnighame, eine schot-tische PreSbyterianerin aus der Familie desReformators" John Knor, sey in Tos-cana verhaftet. Ihr einziges Verbrechen sey die Verbreitung von italienischen Bibelnund von einer italienischen Uebersetznng von Buuyan'sPilgerfahrt", eines in England beliebten protestamischen aScetischen Buches. Es hat sich aber jetzt herausgestellt,daß sie weder Bibeln, nochPilgerfahrten" vertheilt hat, sondern verhaftet ist, weilsie Tractätchen vertheilt hat, die voll Angriffe gegen die katholische Religion sind.Die Blätter, welche sich sehr warm derMariyrin" angenommen haben, sind unvor-sichtig genug gewesen, dieß selbst auszuplaudern. Der Bruder der Miß Cunninghametheilt in einem derselben mir, sie habe Tractate von Ryle vertheilt; ein anderes Blattsagt uns, einer der Tractate heißeIs vvrs ervee". Nun haben wir aber einen