Ausgabe 
13 (20.11.1853) 47
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besagter Herr Doctor! Lasseil Sie sich indeß nun auf den Schreck hinauf eine Fort-setzung meiner statistischen Uebersicht noch geduldig gefallen. Die Väter vom heiligenLande unterhalten 15 Knaben- und 9 Mädchenschulen, in denen 36 Lehrer und 19Lehrerinnen, welche theils dem Laien-, theils dem Ordensstande angehören, sich mitdem Unterrichte von 1306 Schulkindern in der Religionslehre, dem Lesen, Schreiben,Rechnen und auch der italienischen Sprache befassen. (Die Schulkinder erhalten auchKost.) Außerdem sorgt die Custodie auch für den Unterricht mehrerer jungen Leutein den verschiedenen Handwerkskünsten und unterhält sie 198 Armenhäuser, welche siean Dürftige zur Wohnung verleiht. Die Zahl der armen Familien, welche imverflofsencu Jahre sich ihrer Unterstützung erfreuten, betrug 493, und die Summehilfsbedürftiger Individuen 1469. Man darf in Wahrheit sagen, die Franciscanerbeweisen ihren Pstcgbefvhlenen im heil. Lande eine Liebe, die über alles Lob erhabenist! Sie bezahlen für die Armen die Geldstrafen, die ihnen auferlegt worden, dieSteuern, die sie an die Regierung bezahlen müssen; täglich theilen sie Brod aus andie Armen, Suppe an die Kranken, geben den Dürstigen Hemden, Schuhe und Stoffzu Kleidern, senden den Leidenden den Arzt des Klosters und reichen ihnen alle Mittel,welche dieser vorschreibt, ohne Entgelt. Dazu kommt noch die gastfreundliche Auf-nahme, deren der Pilger sich in jedem ihrer Klöster, wo Sanktuarien sind (in Jeru-salem durch dreißig Tage), erfreut; und die Zahl der beherbergten Pilger auchprotestantischer ist m'chl gering: sie betrug im letzten Jahre 6881. Rechnen wirnoch dazu die Auölageu, welche der Aufwand für den Kultus, die Herhaltung derBaulichkeiten, die uoihgedruugeuen Geschenke an die Türken oder Geldcrpressungen vonSeite der Araber :c. verursachen, so wissen wir,- welchen Gebranch die Väter desheiligen Landes von den europäischen Almosen machen, die sie empfangen. Sie ver-wenden für sich kaum mehr, als zum nothdürsligen Lebensunterhalte erforderlich ist.Das kann ich wenigstens von Jerusalem bezeugen, wo ich doch nun schon im zweitenMonaie verweile. Und nnn, sagen Sie selbst, wenn man wüßte, was ich weiß,wenn mau sähe, waö ich gesehen und nun berichtet habe, sollte die christliche Fröm-migkeit es sich nicht zur Pflicht machen, solche Liebe und Aufopferung nach Kräftenzu unterstützen? Spanien und Neapel thun verhältnißmäßig das Ihrige; auchBayern trägt sein Schärflein bei, und zur Ehre Oesterreichs dars ich hier mit Freudeausrufen: unser Baterland und die Großmuth unseres Kaiserhauses stehen bei denFranciscanern der Ivrrs 8ta. in dem liebevollsten und dankbarsten Angedenken! Daraus solgt aber nicht, daß wir nicht noch mehr thun könnten!

S ch l i n g k r a n t.

Jerusalem, Oct. 1853. Ich habe geflissentlich gesagt:bei den Francis-canern;" denn außerhalb des EouventeS und der Mauern des EonsulateS hört manin der That von Oesterreich und seiner Betheiligung an den Interessen der Missionnur wenig oder gar nicht reden. Frankreich hat das Prvtectorar, und der französischeWind verweht und der gallische Hahn verkrähl, wo nicht alles, doch gar viel.Treffend hat ein höherer österreichischer Marincofficier bemerkt:Wäre das ProtectoratdeS heiligen Landes auf Oesterreichs Seite, so wäre ich auch überzeugt, daß eSentweder als Protcctor handeln, oder aber seinem Titel entsagen würde." Esist Thatsache, daß Frankreich seit langen Jahren keine und seil einiger Zeit nur höchstgeringe Almoscnspenden der 'lerra 8ta. zugemittclt hat (enva 4990 Fr. jährlich; undeinmal Nadelbüchsen, Flinten u. dgl. wahrscheinlich, damit die Bäter, wennalle Slricke reißen, sie desto leichter wiecer zusammenflicken, und mit den Flinten sichihrer äußern und innern Feinde, etwa der Beduinen und des Hungers, im Nothfälleerwehren können. Es steckt ein sonderbarer Genius in solchen Geschenken, den manfast Ironie nennen möchte)! Aber auch das ist Thalsache, daß die meisten Franzosensich hier fortwährend schmeicheln, das segenvolle Wirken der FranciScauer in seinenverschiedensten Richtungen sey ihre, will sagen: Frankreichs Schöpfung. Anders läßtsich z. B. wohl nicht die Frage eines Franzosen in Beirut erklären:WaS macht denn