373
O e l z w e i g e.
Jerusalem , Oct. 1853. Das größte Verdienst um die Erhaltung und Ver-breitung der katholischen Religion in der Levante gebührt unbestritten den Vätern vomOrden des heiligen FranciscnS, welche bereits über sechshundert Jahre Hüter derheiligen Stätten und Wächter am Grabe unsers Erlösers sind, welch letzterem Dienstzur Zeit der christlichen Könige in Jerusalem die regul. lateran. Chorherren zugleichals Ritter vom Orden des heiligen Grabes versahen, und von deren Kanonie mannoch heute Ueberreste in der Harzt en Aassark» erblickt. — Die?. FranciScaner habengegenwärtig in der Custodie und dem Missionsgebiete der lorra 8ta. 23 Konvente(darunter 14 Hospizien, Konstantinopel, Fajum, Rosette, Nikosia , DamascuS, La-tackia, Tripolis, Harissa, Beirut , Saiva, Tiberiuö, Acre, Jaffa, Rama) mit ebenso vielen Kirchen, 6 Kapellen und 30 Sanktuarien. Sie sind entweder Missionäre,welche die Seelsorge für 13,116 Katholiken deS latein. Ritus und 1737 Katholikenanderer Riten (in 18 Pfarreien) versehen, oder Visitanten, welchen der Chordienstund die Leitung der häuslichen Verwaltung obliegt. Außerdem sind noch 95 Laien-brüder mit verschiedenen häuslichen Verrichtungen nnd Handwerken betraut. ImGanzen 224 Religiösen. — „ES ist ein Skandal, daß Europa hier so viele Mönchemästet!" hörte ich ans meiner Reise einen Pilger sagen; — ihre Zahl scheint aberdoch nicht hinreichend zu seyn; denn sonst wäre wohl kaum ein Patriarch mit eigenemSeminar für nöthig erachtet worden! Wenn man aber die Zahl von 14,383 Seelenmit der von 129 Priestern zusammenzustellen beliebt, wird kein vernünftig und alsobillig Denkender übersehen, daß der hier sehr strenge Chordienst, so wie die Leitungder Geschäfte von 23 Ordenöhäusern anch ihre und zwar nicht geringe Zahl vonGeistlichen erfordern. Zudem ist eine kleine Mehrzahl von Individuen um so mehrin diesen Gegenden von Nöthen, als Klima nnd strenge Lebensweise auch Krank-heiten zur Folge haben, die Stellen aber doch fortwährend alle besetzt bleiben müssen.(Man erwäge z. B. nur, daß im Jahre 1834 21 Individuen im Salvatorkloster zuJerusalem an der Pest erkrankten, und 19 von diesen 21 als Opfer ihrer treuenPflichterfüllung dieser Seuche erlagen!) Die 95 Laienbrüder dürfen den oberwähntenHerrn Pilger eben so wenig erschrecken, da ihm bei einer unzureichenden Anzahlvon Laienbrüdern wohl kaum in den von ihm besuchten Conventen jene Pflege hättezu Theil werden können, von der er selbst gestand, daß er vollkommen Ursache gehabt,damit zufrieden zu seyn. Und was endlich die Mönchsmast betrifft, steht nur zu be-dauern, daß der gute Herr seine Brille nicht sorgfältig gereinigt, und ein paarWochen wenigstens, ich will nicht sagen, an der Disciplin der Väter, aber doch anihrem Mahle Theil genommen nnd sich an ihrem tmeoslä in Wasser, und abermalstiseeslä in Oel , und zwar, aufrichtig gestanden, herzlich schlechtem Oel — mitge-mästet hat. — Es gibt in der That ganz knriose Leute und auch sehr kuriose Pilgerunter dem Monde, die mit wunderbarer Mattheit — man darf auch zuweilen sagen:Rohheil —über daS Gute, zumal auf religiösem Gebiete hinwegzuschielen wissen, oder,die der schlechteste Witz ihres, wenn auch sonst gerade nicht schadhaften HirneS —was aber dann uns nur so mehr bedauern läßt — so sehr elektrisirt, daß sie meinen,er muß heraus, „und kost' es, was es wolle!" — Sie werden vielleicht schon zuwissen glauben, was die Frauciscaner für Leute sind; aber ich wette, eS sey nichtwahr! Dr. TituS Dobler weiß das z. B. in seinen „Denkblättern aus Jerusalem «pgg- 580 weit besser! Die FranciScaner sind nach seiner Anschauuug: jene Männer,die Zeit ihres Lebens den Leib mit einem Stricke umfangen, nicht bloß darum, damiter als Eichmaß des GasterbezirkeS die lebenslängliche Nüchternheit und Mäßigkeit ver-bürge, sondern auch um denselben, wenn er je einmal wanken sollte, an den Himmelfestzubinden." — Nun wissen Sie, was die FranciScaner sind; aber auch, was dick-
") Aus der W> Kirchenz,