372
ist, sonder» n»r für eine gewisse Zeit, für welche sich ein sterbliches Geschöpf miteinem andern gleichfalls sterblicheil verbindet. — Da nun Ew. Erc. dem Herrn Danksagten, als er Ihnen das Leben dieses Herzogs bewilligte, so sind sie auch verbunden,ihm bei dessen Zurückgabe den größten Dank abzustatten, da Sie wissen, daß Siesich mit einem sterblichen Menschen verheirateten, und daß die Freude deS Hochzeits-tages durch die Trauer des EudeS aufgewogen wird; denn nur im Himmel allein gibteS Freude ohne Trauer; in diesem Leben aber gellt daS eine untermischt mit demandern. — Ja, selbst das Ende eines Vergnügens ist oft der Anfang eines Kummers,wie es Ew. Erc. werden erfahren haben und jetzt von neuem erfahren, da kaumdie Freude über die Geburt des Enkels vorüber war, als die Krankheit des Groß-vaters begann: denn so sind die Schicksale und ist die Weihe deö sterblichen Lebens,daß die Zeit des Unglücks die ist, wenn wir das anvertraute Gut zurückgeben, undgleichwie der heilige Hieronymuö sagt: „laßt uns keine Betrübniß haben für daö, waswir verlieren, sondern vielmehr Freude für das, waS wir empfingen."
Aon Ew. Erc. erwarte ich dieses, so wie ich Gott dafür danke, daß ihnGott in ftine Wohnungen aufuahm und ich in seiner Krankheit ihm beistehen konnte.— Wo aber konnte er, gnädige Frau, ehrenvoller enden, als in seinem Amte, undobgleich der größte Schmerz der Krankheit geschwunden wäre, wenn Ew. Erc. sichanwesend befunden hätten, so sein Sie doch überzeugt, daß auf Ihre Abwesenheit keineSchuld fällt, denu seine Herren Neffen bedienten ihn wie Kinder mit so vieler Liebeund Sorgfalt, durch Tag und Nacht, daß sie sich in Kleidern niederlegten, um jedes-mal, wenn er rief, hinzueilen. Was dieß also anbelangt, so ist durch Ihre Abwesen-heit nichts versänmt, und ich bin gewiß, daß der Herzog eS so angeordnet hatte,weil er nothwendig viel Kummer Ihretwegen gehabt habeu werde, wenn Ew. Erc.zugegen gewesen wären. Und so bedeutete er eS mir auch, als er hörte, Sie machtensich auf den Weg, um ihn zu sehen. Er sagte, daß er den Schmerj von Ew. Erc.wohl fühle, daß jedoch Gott seinem Geiste so viel Kraft verleihe, diese Schwäche derZärtlichkeit zu überwinden, was wahrscheinlich ukcht der Fall seyn würde, wenn erhier Ihre Thränen sähe.
Es bleibt daher nur übrig, daß Ew. Erc. jetzt das thun, was der heiligeHierouymuS von der heiligen Paula schreibt, die, nachdem sie den Tod ihres Mannesso tief gefühlt hatte, sich später so frei von diesem Kummer sah, und sich dem Herrnso sehr ergab, als hätte sie immer nach dieser Freiheit verlangt.
Obgleich eS nun bei des Herzogs Verdiensten uud seiner Frömmigkeit und beider Sanftmut!) und Geduld, mit welcher er diese letzte Krankheit trug, zu glaubensteht, daß er von den Qualen des FegfeucrS srei sey, so mögen Ew. Erc. dennochsich so verhalten, daß Sie seiner Seele wohl thun, nm ihm die immer gegen Siegeäußerte übergroße Liebe zu lohnen. Seine Liebe aber war so groß, daß er immerwünschte, Ew. Erc. gingen ihm voran, um Ihnen den Schmerz zu ersparen, wenner der Erste wäre.
Mehr als einen Monat vor der Krankheit fing ich an, ihn auf diese Reisevorzubereiten, indem ich ihm sagte, daß es Zeit sey, sich darauf zu rüsten, da dasAlter und die daran hängenden Gebrechen eS verlangten. Auch sah er dieses wohl ein,so wie es Ew. Erc. erfahren und dem Herrn danken werden, daß er eS anders leitete,als Sie eS wünschen; denn besser ist eö, daß wir wollen, was er will, als daS,was wir wollen; und eS ist mehr Grund vorhanden, uuseru Willen dem scinigenunterzuordnen, als den seinigen unserm.
Möge Er die ausgezeichnete Person und den Stand Ew. Erc. immer bei derGunst deö Himmels erhalten, Sie stärken und, trösteu in diesen irdischen Müheu.