Ausgabe 
13 (20.11.1853) 47
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ich ihm sagte, er solle sich hieeüber nicht ängstigen, weil die Ruhe der Beschaulichkeitnicht für Personen wäre von so vielen Geschäften und Nachdenken, wie er, so warseine Antwort: daß er untröstlich seyn würde, wenn man ihm die Hoffnung benehmenwollte, dereinst zu dieser Art Uebung gelangen zu können.

Weil er nun in den Krankheiten die Zeit zum Abendgebet nicht finden konnte,so gebrauchte er eine Art Gebete, die man Herz- oder Stoßgebete nennt, auch dannselbst, wenn er mit denen sprach, die ihn besuchten, und sagte mir, eS ginge ihmrecht gut damit. Und als ich in der größten Krankheitsschwäche fragte, ob er dieseguten Gebete anwende, antwortete er: ja, obgleich mit vieler Schwachheit; jedoch dieGnade deö Herrn stärke ihn. So vermochte die Last der Krankheit nicht denGedanken an Gott zu unterdrücken! Erwägen nun Ew. Erc., ob diese Uebungen sichsonst bei Jemanden finden, der immer nur die Waffen geführt hatte, ausgenommenbei dem hl. Könige David.

Er sandte mir jeden Monat 500 Realen, damit ich sie an arme Wittwen ver-theilte, und befahl mir, keiner die Thüre zu verschließen, so viel deren auch kämen,und als ich ihm sagte, daß ich nicht auf Almosen bestünde, da er Schulden habe,erwiderteer:Ich kaufe kein Pferd für 1VV0 Dukaten und so setzt dieß mich in keineVerlegenheit. Am Tage seines TodeS erinnerte er sich selbst, ohne daß ihn jemanddarauf brachte, der Armen, und befahl, als er kaum noch sprechen konnte, dem Donllsrnsruto äs loleäo (seinem Neffen) mir Almosen für zwei Monate zu lassen, wel-ches 1W0 Realen waren.

So wie das Leben, war auch sein Ende; in 33 Tagen, welche die Krankheildauerte, communicirte er viermal und dreimal davon nüchtern, denn er beobachteteauch noch so nahe dem Tode die Vorschriften, welche hinsichtlich deö Essens in solchemFalle gelten. Und so erfüllte der Herr seinen Wunsch, und führte ihn als seinentreuen Gefährten aus diesem Jammerthale. Am dritten Tage der Krankheit zau-derte er nicht lauge mit der Beichte und in einer derselben hielt er mit dem Herrn einGespräch in solchen Worten und Betrachtungen, die einen großen Sünder zu bekehrenhinlänglich gewesen wären. Aber ich habe kein Gedächtniß für so viele Dinge, dieer da sagte, sondern nur für den Inhalt derselben, und der war: daß, wenn erkeine andere Art deö LcbenS, als die, welche er bisher geführt, weiterhin führen solle,er auch kein Leben mehr wolle. So endete er auch mit großer Ergebuuz in denWillen Gottes, indem er mit großem Mnthe ausrief:Gehen wir!" und dem Herrnvon kernsnelci dankte, der ihm sagte, er könne sich nun zur Reise anschicken, wiedieser selbst eS Ew. Erc. erzählen wird.

Hieraus ersehen jetzt Ew. Excellenz, waS von diesem Leben und dessen glorrei-chem Ende zu erwarten ist, und hiermit vereinigen Sie ein anderes Zeichen für deSHerzogs Berufung zur Seligkeit, nämlich das Wohlgefallen und den Trost, welchener empfand, wenn man zn ihm vom Herrn sprach, so wie ich solches noch nie beieiner Person seines Ranges gesehen habe: denn jedesmal, wenn er beichtete, mußtenwir zwei Stunden bei ihm seyn und von diesem Gegenstand ost bis zum Kopfwehsprechen. .

Alles dieß wohl überlegt, genügt, um den Schmerz deö Verlustes zu lindern,menn man anders das Verlust nennen kann, was ein Gewinn sür die Person ist,die man liebt. Wir wissen, daß wir ein am Feuer stehendes Gefäß nicht am heißenTheile angreifen dürfen, sondern am kalten, und da dieses Ereigniß Seiten enthält,die Schmerzen veranlassen und andere, die Linderung gewähren, so bestreben sich Ew.Ercellenz die Augen auf das zu richten, was Sie trösten und bewegen kann, demHerrn Dank zu sagen und nicht auf das, was untröstlich macht, und die Ergebungin den Willen dessen hindert, der es angeordnet hat. Die Personen, welche von ihrenFreunden etwas borgen, danken zweimal dafür: das Erstemal, wenn sie eS erhalten,das Zweitemal, wenn sie eS wieder erstatten, und das um so viel mehr, je längereZeit sie sich dessen bedient haben, weil der Dank alsdann mehr vom Herzen kommt.Ew. Ercellenz wissen wohl, daß das Leben der Eheleute kein dauerndes Eigenthum