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wie Ew. Erc. vermähst waren. — Fügt man mm noch die Gefahren hinzu, vonwelchen der Herr den befreit hat, der fast immer nnter Arkebusen- und Artillerieseuer,fünfzig und so viele Jahre mit den Waffen umging, und nie die größten Gefahrenscheute: welches eine Art Wunder ist. — Und da nun dieses Alles geschah, weil derHerr sein Ohr zu den frommen Fürbitten, Messen und Gebeten Ewr. Erc. neigte,um ihn in der Mitte so vieler Gefahren zu erhalten, wäre es da nicht recht, dieWorte des heiligen Hiob zu wiederholen, welche dieser seinem Weibe sagte, als sieihn schalt: „Haben wir Gutes empfangen von Gott und sollten wir das Böse nichtauch tragen?" Dieser Heilige will nicht, daß wir die Hand offen zum Nehmen haltennnd geschlossen zum Geben: indessen noch weniger will es Gott; wohl aber, daß wirmit offener Hand empfangen, was er uns gibt und ihm geben, waS er unS abfordert.
Jedoch damit enden sich noch nicht die göttlichen Wohlthalcn; eine andere weitgrößere bleibt übrig, und die ist: daß Ewr. Erc., die mit dem Herzog so vertrautumgingen, eben so große Beweise seiner Seligkeit besitzen, als auch wir haben, undbesonders ich, der ich seit seiner Ankunft in dieser Stadt das Heil seiner Seele besorgt,lind gewiß, eS ist wahr, die meisten Male, wenn er mir beichtete, ging ich von ihmvcrwirri und beschämte mich, mich selber anzusehen, und auf jener Seite die großeErgebung, Frömmigkeit und Thränen zu gewahren; die Worte, welche er sprach, seineGefühle für die Sache des Herrn und jene große Festigkeit, die er besaß, nichts znthun, waS Todsünde sey, sondern eher daS Leben zu verlieren; und dieß Alles nichtetwa ans Furcht vor den Strafen des FegscuerS, die ihn nicht bewegten, sondernwegen der Wohlthäte», die er vom Herrn empfangen hatte und wegen dessen Güte,von der er nie müde wurde, zu sprechen.
Und als Einige meinten, er sey zu streng iu der Ausübung der Gerechtigkeit,versicherte er mir sehr ernst: daß sein Gewissen ihm nicht vorwürfe, in seinem ganzenLeben einen Tropfen Blut gegen sei» Gewissen vergossen zu haben, und daß, so Vieleer anch in Flandern habe hinrichten lassen, es nur geschehen sey, weil es Ketzer undRebellen gewesen.
Aber wie soll ich die drei Vorzüge und Tugenden rühmen, welche er SeinerMajestät, als diese ihn in der Krankheit besucht, erklärte? — Er sagt unter andernWorten, wie folgt: „Ich bin im Begriff, aus diesem Leben dahin zu gehen, wojccennann die Wahrheit sagcu muß; von drei Sachen, die ich Ew. Majestät sage,ist die eine, daß mir nie, auch nur daS kleinste Ihrer Geschäfte oblag, daS ich nichtdem wichtigsten der meinigen vorgezogen hätte. — Die zweite, daß ich immer mehrSorgfall für Ihre Finanzen hatte, als für die meinigen, und so bin ich weder Ihnennoch Ihren Vasallen auch nur ein einziges Brod schuldig. — Die dritte ist, daß ichEw. Majestät nie sür ein Amt einen Mann vorgeschlagen habe, der, alle Vorliebe beiSeite gesetzt, nicht der Geschickteste dazu von allen denen gewesen wäre, die ich kannte."
Und dieß sind drei Dinge, die wir als drei Wunder betrachten können, dennwo in so vielen Jahren eines General-Kapitäns, unter dem drei Kaiser und einRitter, der nachher Papst wurde, gedient haben, sah man solche Tugend, solcheTreue, solches Gewissen uud solche Besouneuheit bei so großem Glücke!
Aber ich lasse diese weltlichen Tugenden bei Seite und kehre zn den geistlichenzurück! — Er beichtete und communicirte jeden Monat, an den Hauptfesten und anallen den Tagen, an welchen ihm Gott einen Sieg verliehen hatte, und so commu-nicirte er im vergangenen Angust, am Tage unserer lieben Frauen, welcher auf den1ö. fällt, darauf am 25., welches der Tag der Schlacht bei dieser Stadt (Lissabon )war, und gleich darauf den Tag unserer lieben Frauen im September. — Da nnndiese Commnnioncn so nahe aus einander folgten, wagte er in seiner Demuth nichtsie zu begehen, ohne meinen Rath einzuholen. — Er communicirte ferner jedes Jahram Vorabend von St. Francisco, in Erkenntniß der Gnade, welche Gott ihm ange-than hatte, ihm Ewr. Erc. zur Gefährtin seiner Prüfungen gegeben zu haben. Ervcrriclitete seine Gebete jeden Abend lange Zeit vor einem Crucifix, welches er besaß,und klagte sich selbst oft an, daß ihm die Sammlung und Hingabe fehle. Unb wenn