Ausgabe 
13 (20.11.1853) 47
Seite
369
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Vreiz-Hnter Jahrgang.

Sonntags-Beiblatt

zur

Ängslmrger PostSeitnng.

20. November M- ^7. 1853.

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Herzog Alba .

Unter dieser Ueberschrift theilt dasHall. Volksbl." einen Brief des ?. Ludwigde Granada mit, wonn dieser die Herzogin Alba über den Tod ihres Gemahlströstet, der am 11. Dec. 1852 in Lissabon erfolgte, als er nach dem Tode deSKönigs Sebastian für Philipp II. von Spanien Portugal in Besitz genommen hatte.Wir theile» diesen Brief um so lieber mit, da bekanntlich Herzog Alba als Unter-drücker dcr Reformation in den Niederlanden häufig in einem Lichte dargestellt wird,daß man versucht ist, nicht nur jede religiöse Gesinnung, sondern alles menschlicheGefühl und jede höhere Regung bei ihm in Abrede zu stellen. Ludwig von Gra-nada ist ein bewährter Zeuge, hinreichend bekannt wie durch Frömmigkeit, so durchseine aScetischcn Schriften, und wir haben auch nicht die geringste Veranlassung, iyseine Aussage Zweifel zu setzen. Der Brief lautet also:

Höchstzuverehrende Frau!Die Gnade und der Trost des heiligen Geistes sey für immerdar mit Ewr.Excellenz. Wir, die wir den Herzog kannten, welchen der Herr auö diesem Jammer-thale zu seiner Glorie erhob, um ihm den Lohn für so viele Arbeiten und Drangsalezu ertheilen, die er im -Dienste seiner Kirche verrichtet und erlitt; wir fühlen denallgemeinen Verlust solcher Personen. Jedoch dieser Schmerz möge die Betrachtungdes Lebens, welches er führte, und der Art, wie er es endete, lindern; denn einswie das andere war geeignet, um uns eine so gewisse Hoffnung seiner ewigen Selig-keit zu gewähren, als sähen wir sie mit unsern Augen. Nur den Theil des Schmer-zes haben wir gefühlt, welcher Ewr. Excellenz davon anheimfällt: Jedoch der Herzogsagte uns, bevor ihn Gott zu sich rief, daß der Allmächtige Ihnen in dieser schwerenHeimsuchuug beistehen werde. Und gewiß, er hatte Recht, solches von Ewr. Erc.zn hoffen, da er Ihrer richtigen Erkenntniß und der vielen Verpflichtungen gedachte,welche Sie gegen den Herrn haben, um ihm dieses Opfer für die empfangenen großenWohlthaten zu bringen, von denen Eine ist, die am glücklichsten verheirathete Damein unsern Zeiten, ein Muster vom Glück der Liebe und deS Friedens unter Eheleutengewesen zu seyn. Eine andere Wohlthat ist eS, daß Ihnen Gott zum Gefährtenauf dieser Pilgrimschaft einen der tapfersten, siegreichsten und katholischsten Herrnunserer Zeit gab, und zwar einen solchen, daß, wenn der Herr Ewr. Erc. die Machtertheilte, sich in der ganzen Welt einen Gemahl aufzusuchen, Sie gewiß keinen wür-digeren und tüchtigeren Ehemann finden würden. Noch eine andere WohlthatGotteS ist es, diesen Gemahl fünfzig und so viele Jahre bewahrt zu haben: undwenn ich meine Augen mit dem Blick auf so viele verheirathete Damen Spaniens erfreuete und sähe, wie unglücklich das Leben ihrer Männer und wie kurz es war,dann würde ich auch viele frühe Wittwen und wenige Frauen finden, die so lange